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Sanierung für 750 000 Euro / Projekt bietet psychisch kranken Menschen Arbeit

Bruchhof wird zum Schmuckstück - für Feiern, Tagungen, Kunstaktionen

Stadthagen (jl). 27 Menschen mit psychischen Problemen haben seit September vergangenen Jahres einen hoch interessanten Job: Sie arbeiten in unterschiedlichen Formen daran, dass der Bruchhof vor den Toren Stadthagens vom Sommer dieses Jahres an zu einer Stätte für Feiern, Tagungen, Kunstaktionen und zum Abschalten bei einer Tasse Kaffee wird.

veröffentlicht am 21.06.2008 um 00:00 Uhr

Der Bagger legt vor malerischer Kulisse Teile des alten Burggrab

Kurze Rückblende. Seit langem hatte die in Probsthagen ansässige gemeinnützige Hof Windheim GmbH nach einem Objekt gesucht, das Arbeitsplätze für Menschen mit psychischen Problemen schafft. Diese sind am Arbeitsmarkt extrem rar. Die Wahl ist auf Stadthagens ältestes Gebäude gefallen, den Bruchhof unweit der Bückeburger Straße. Der frühere Außenposten des Hauses Schaumburg-Lippe ist inzwischen nach einigem Hin und Her langfristig an die Hof Windheim GmbH vermietet worden. Im August 2007 hat Alexander zu Schaumburg-Lippe die Schlüssel an Geschäftsführer Raimund Sichma übergeben, und kurz danach hat der große Umbau begonnen. Die Bauarbeiter sind zum Teil Menschen, denen der Bruchhof Arbeit geben soll. "Die Sanierung gehört zu unserem Konzept", erklärt Sichma. Obwohl die Baustelle noch sprichwörtlich aufgewühlt wirkt, gehen die Bauherren davon aus, dass der ehrgeizige Zeitplan klappt. Sichma schildert, dass seine Mitarbeiter "hochgradig motiviert" bei der Arbeit seien. Und diese Arbeit wartet -allein aufgrund des Alters des Gebäudes -immer wieder mit Überraschungen auf. So müssen fast sämtliche Gefache zwischen dem Hauptgebäude und einem Seitenflügel erneuert werden. Dort war in den siebziger Jahren mit offenkundig falschen Materialien saniert worden. Bei der Sanierung mit Lehm und Mörtel berät übrigens ein Profi: der Soldorfer Planer und Denkmalschützer Manfred Röver. Die Mitarbeiter von Sichma, die ihre Bruchhof-Jobs auf Vermittlung des Job-Centers sowie des Kreissozialamtes bekommen haben, leisten natürlich nicht die gesamte Sanierungsarbeit. Die Baustelle kennt auch ganz normale Handwerker wie beispielsweise die Wärmetechniker, die eine energiesparende Wandflächenheizung montieren. Trotz des Gewusels innen und außen: Sichma kann jetzt schon zeigen, wie die wesentlichen Eckpunkte des künftigen Cafés im Kellergewölbe und im Park angeordnet sein werden. Diese Räume sollen auch für Familienfeiern und andere private Anlässe zu mieten sein. Interessenten gibt es laut Sichma schon reichlich. Die meisten seien Leute, die sich die Baustelle angeschaut hätten und vom Bruchhof begeistert seien. Auch die Grundzüge der künftigen Tagungsräume sind klar, ebenso wie das kleine Kunstforum, das der Bildhauer Kai Lölke jeden Mittwoch für Seminare nutzen will. Dazu knüpft er bereits jetzt Kontakte zu anderen Künstlern. In Betrieb gehen wird der Bruchhof nach den Sommerferien -zunächst aber mit geschlossenen Veranstaltungen. Erst wenn die gesamte Infrastruktur steht, wird Stadthagens ältestes Hauszum Beispiel in Form des Cafés öffentlich zugänglich sein und auf lange Dauer Arbeitsplätze für Menschen mit psychischen Problemen bieten. Kosten wird die Sanierung rund 750 000 Euro. Den Löwenanteil davon trägt die Aktion Mensch.

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