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Rintelner Augenoptiker Reiner Bertram reist mit einem Hilfstransport ins ehemalige Ostpreußen

Brillen für Schulen, Heime und Krankenhäuser

Rinteln (wm). Reiner Bertram ist 66 Jahre alt und könnte sich eigentlich längst zur Ruhe setzen - tut er aber nicht. Dafür engagiert er sich neben seinem Beruf als Augenoptiker auch verstärkt in Hilfsprojekten und war in diesem Zusammenhang schon in Rumänien und Weißrussland. Jüngst ist der "Helfer und Augenoptiker aus Leidenschaft", wie er selber sagt, aus dem ehemaligen Ostpreußen zurückgekehrt, wohin er einen Hilfstransport der Diakoniegemeinschaft Puschendorf und der Aktion "Freunde für Russland e.V." begleitet hat. Dabei hatte Bertram neben vielen hundert Brillen auch seinen Untersuchungskoffer.

veröffentlicht am 21.05.2008 um 00:00 Uhr

Hilfsgüter werden in der Turnhalle gestapelt. Fotos: pr.

Eigentlich, schilderte Bertram, sollte man glauben, in Russland gebe es keine wirkliche Not mehr - diese Reise, wie die anderen vier davor in den vergangenen Jahren, hätte ihn aber wieder eines Besseren belehrt. Bis 1991 war der Kreis Kaliningrad (Gebiet um das ehemalige Königsberg) militärisches Sperrgebiet. Wegen der geografischen Insellage - von Moskau getrennt durch Weißrussland, Litauen oder Polen - sei es kaum gelungen, hier neue Industrien anzusiedeln. Die Arbeitslosenzahl sei enorm, berichtete Bertram. Auch die Landwirtschaft sei in den vergangenen 50 Jahren hier völlig vernachlässigt worden, Be- und Entwässerungsgräben versumpft, die Pumpen kaputt, das wirke sich heute fatal auf die Infrastruktur aus. Bertram ist als Augenoptiker Spezialist für Brillen und gerade deshalb in Russland sehr gefragt, denn Brillen sind dort Mangelware, Sonnenbrillen gar ein echter Luxus. Um den Menschen zu helfen, erläuterte der Rintelner Optikermeister, gebe es mehrere Wege: Zum einen packe er Brillen mit standardisierten Gläsern für Fehlsichtige ein, die beispielsweise an die Schule für Lehrer ausgegeben werden. Die entsprechende Dioptrienzahl, also die Korrekturstärke stehe auf den Gläsern, so könne sich jeder die passende Brille zum Lesen aussuchen. Eine weitere Möglichkeit sei, er nehme Rezepte entgegen, die von russischen Ärzten oder von einer Poliklinik ausgestellt worden seien, schleife dann die passenden Gläser in Rinteln und schicke sie mit dem nächsten Hilfstransport zu den Patienten. Diesmal hatte Bertram gebrauchte Brillengestelle wie neue Brillen mitgenommen. Aufgearbeitete Brillen sind dann unter anderem in Krankenhäusern und Heimen verteilt worden. Mit dabei waren auf der Reise Martin Westerheide, ehemaliger Pastor, und Martin Schröder, vielen als früherer Schulleiter gut bekannt, beide kommen aus Silixen. Die Reise mit drei Lastwagen und einem Begleitfahrzeug, erzählte Bertram, sei zeitweise schon abenteuerlich gewesen. Mit der Fähre habe man das Haff überquert. Danach ging es auf dem Landweg Richtung Kaliningrad weiter. Die russischen Zöllner seien korrekt, die Abfertigung trotzdem ein Geduldspiel - so habe man beispielsweise stundenlang über eine Matratze diskutiert, die nach Auffassung der Zöllner als Wirtschaftsgut habe verzollt werden müssen. Die Lösung sei gewesen, die Matratze als medizinische Gymnastikmatte einzustufen - "und alle waren zufrieden". Kurz vor Kaliningrad ist dann bei einem ersten Stopp unter Aufsicht des dortigen Sozialamtes ein Lkw entladen, die Hilfsgüter in einer Turnhalle gestapelt worden. Bertram betonte, er sei überzeugt, dass die Hilfsgüter auch tatsächlich bei bedürftigen Familien angekommen seien, die Mitarbeiter dort bemühten sich um eine gerechte Verteilung. Angefahren wurden im Laufe der Rundreise von dem Hilfstransport danach unter anderem Taplacken an der Pregel, Tschernjachowsk, (ehemals Insterburg), Sandfelde im Kreis Tilsit-Ragnit, Slawsk (Heinrichswalde) das Kinderheim Swetlatschok ("Glühwürmchen"), das von der Diakonie-Gemeinschaft unterhalten wird, und in Tilsit eine Behindertenschule.



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