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Benefizkonzert für Erinnerungsprojekt sorgt in der Katharinenkirche für lang anhaltenden Applaus

Brillante Streicherinnen auf einer Wellenlänge

Kathrinhagen. Im Rahmen des Erinnerungsprojektes Schaumburg haben die evangelisch-lutherischen Kirchengemeinden Kathrinhagen und Rolfshagen am Sonntag in die Katharinenkirche Kathrinhagen zu einem Benefizkonzert ganz besonderer Art eingeladen. Zu Gast waren die international geschätzte Bratschistin Diemut Poppen und das gerade mal zwölf Jahre junge Geigentalent Carla Marrero. Beiden ging es darum, die klangmagischen Reize von Bach-, Mozart- und Martinuwerken ausgefeilt zu belichten.

veröffentlicht am 19.02.2008 um 00:00 Uhr

Vom Alter und von der Statur her sehr unterschiedlich, vom Zusam

Autor:

Dietlind Beinssen

Duos erfordern zwar lediglich das kleinstmögliche Ensemble, sollten aber andererseits den größtmöglichen gemeinsamen Nenner aufweisen. Kein Problem für die alters- und staturmäßig sehr unterschiedlichen Streicherinnen, die auf einer Wellenlänge musizierten. In den Stimmen kunstvoll verschlungen, spielten sie Andante, Rondo und Allegro aus Mozarts KV 423 in bester Ausgewogenheit. Den charmant-schüchternen Blickkontakt zu ihrer erfahrenen Kollegin suchte Carla Marrero auch in Martinus zum Schluss verabreichtem, zugkräftigen Poco Allegro aus dem "Madrigal 1". Mit mehr sportivem Elan und farbigerer Tongebung hätten sich die Interpretinnen der üppigen Melodik und den pikanten Rhythmen nicht anheimgeben können. Anstrengender wurde es für Publikum und Ausführende bei den Vorträgen von zwei langen, heiklen Kompositionen des Bratschers Bach: der Suite Nr. 1 und der Partita Nr. 3. Dass Diemut Poppen das Nachdenken über das Imponieren geht, zeigte sich in der "G-Dur Suite für Viola solo", BWV 1007. Wo andere schneidig durch die barocke Notenlandschaft brettern, spürte die Virtuosin den Formen nach und erreichte eine Darstellung, in der nahezu alles überzeugte: behutsame Auftakte in Preludium und Allemande, hurtige Courante, entspannt-füllige Sarabande, bewegte Menuette und die Gigue als aufgekratztes, aber nicht kratziges Gegenstück. So gut durchdacht, in so warmen Farben sind Bachs Suiten nicht oft zu vernehmen. Von der aus Madrid stammenden Carla Marrero, die bereits mit zwei Jahren zur Violine griff, "Partita in E-Dur", BWV 1006, offeriert zu bekommen, war anregend undüberraschend frisch zugleich. Wie diese Saitenexpertin mit der Elastizität ihrer Bogenführung das raffiniert erfasste Akkordspiel der Bach'schen Polyphonie durchsichtig und die Einzelheiten übersichtlich erscheinen lässt, das gibt Anlass zum Staunen. Aber das Bewundernswerteste: Man merkte an Carlas Wiedergabe nicht, welch geigentechnische Probleme in den sechs Sätzen verschiedenster Couleur angesammelt sind, denn geradezu selbstverständlich bewältigte sie alle in der Streicherwelt gefürchteten Stellen. Die Schaumburger bedankten sich mit lang anhaltendem Applaus, der am Sonntagübrigens nach keinem Beitrag fehlte.



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