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Vor Gericht: Indizienprozess gegen Bernd S. nähert sich dem Ende / War es Mord oder Totschlag?

Briefe aus dem Knast: "Ich habe einfach Angst"

Rinteln/Bückeburg (ly). Der Mordprozess gegen Bernd S. nähert sich dem Ende. Nach dem bisherigen Stand soll kommenden Montag plädiert werden, bevor die Vorsitzende Richterin Dr. Birgit Brüninghaus am Mittwoch, 17. September, um 9 Uhr das Urteil verkündet. Wenn es dabei bleibt, könnten heute die Vorstrafen des Angeklagten (30) erörtert werden, unter anderem wegen zweier Banküberfälle in Eisbergen und Rehren.

veröffentlicht am 10.09.2008 um 00:00 Uhr

Es kann aber auch sein, dass weitere Beweisanträge folgen, was zu Verzögerungen führen dürfte. Am jüngsten Verhandlungstag hat Verteidiger Dr. Volkmar Wissgott ein Gutachten beantragt. Wissgott will klären lassen, ob Reifenspuren am Fundort der Leiche von Krystyna Pagacz-Znoj, die im November 2000 neben einem Hohenroder Waldweg gefunden worden war, zum Auto eines Bekannten von S. passen. Bernd S. behauptet, dass dieser Mann die Tote beseitigt hat. Der Bekannte, dazu vernommen am zweiten Prozesstag, bestreitet es. Über den Antrag der Verteidigung muss das Bückeburger Schwurgericht noch entscheiden. Zuletzt hat Richterin Brüninghaus Briefe verlesen, die sich der inhaftierte Angeklagte und dessen Verlobte (31) geschrieben haben. "Ich habe einfach nur Angst", gesteht der 30-Jährige darin. Noch mehr als das Gefängnis fürchtet er offenbar eine Unterbringung in der Psychiatrie: "Ich habe Angst, dass sie mich in die Klapse stecken wollen. Aufenthaltsdauer dort: unbekannt. Knast ist etwas Absehbares." So oder so geht S. von einem "sehr, sehr langen Aufenthalt" aus. "Du musst der Polizei unbedingt klarmachen, dass (...) die Frau umgebracht hat", hatte die Verlobte, die eine Aussage vor Gericht verweigerte, anfangs geschrieben. Gemeint war jener Bekannte, der die Leiche beseitigt haben soll. "Ich denke, es ist an der Zeit, reinen Tisch zu machen und Euch allen die Wahrheit zu erzählen, auch wenn es weh tut", antwortete der Häftling später. Zwischenzeitlich hat Bernd S. zugegeben, Krystyna Pagacz-Znoj (47) getötet zu haben, allerdings im Streit. Falls die Kammer der Darstellung folgt, könnte es auf Totschlag hinauslaufen. Darauf stehen fünf bis 15 Jahre Haft. In besonders schweren Fällen kann eine lebenslange Freiheitsstrafe verhängt werden. Dagegen wird Mord zur Verdeckung einer Straftat, in diesem Fall der mutmaßlich vorausgegangenen Vergewaltigung von Pagacz-Znoj, in der Regel mit "lebenslänglich" bestraft. Vermutlich am 10. November 2000 soll der Rintelner die Frau erwürgt haben, nach eigenen Angaben in seiner Wohnung. Täter und Opfer waren Nachbarn im selben Haus. Vorgeworfen wird S. außerdem, eine heute 66-jährige Eisbergerin mit einem Knüppel niedergeschlagen und lebensgefährlich verletzt zu haben. An beiden Opfern waren DNA-Spuren des Angeklagten sichergestellt worden. Der Indizienprozess findet weiter großes Interesse. Anfangs mussten sogar Zuschauer wieder nach Hause geschickt werden, weil die Sitzplätze nicht ausreichten.

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