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In Ahnsen bei Friedrich Hahne steht ein Hochzeitswagen aus der Stettiner Fahrzeugschmiede

Brautleute lieben den pommerschen "Stoewer"

Ahnsen (sig). Ein Brautpaar, das etwas auf sich hält, lässt sich auch auf eine besondere Art und Weise zum Standesamt und zur Kirche bringen. Das muss keine weiße Hochzeitskutsche sein, aber zumindest doch ein fein herausgeputztes Auto. Häufig wird auch ein echter Oldtimer bevorzugt, der großräumig daherkommt und alle Augen auf sich zieht. Ein solches Gefährt steht in Ahnsen in der Garage von Friedrich Hahne.

veröffentlicht am 06.11.2006 um 00:00 Uhr

Älter als sein Besitzer Friedrich Hahne ist dieser alte Stoewer,

Der Wagen istälter als sein Besitzer. Gebaut wurde er 1933 in Stettin bei den Stoewer-Werken. Diese Firma hatte ursprünglich Nähmaschinen konstruiert sowie Werkzeugmaschinen der verschiedensten Art. Später kam eine Eisengießerei hinzu; dazu entstanden in diesem Unternehmen Fahrräder und sogar Schreibmaschinen 1899 brachte die Firma ihren ersten großen Motorwagen auf den Markt. Als Friedrich Hahne seinen "Stoewer" Anfang der siebziger Jahre von einem Sparkassendirektor erwarb, wusste er, welches Schätzchen er damit sein eigen nannte. Schließlich kannte er sich in dieser Branche hervorragend aus, denn er hatte beim Automobilhersteller Borgward in Bremen am Reißbrett mitgearbeitet an Entwicklungen im Karosserie- und Fahrzeugbau. Vier Monate bevor dort 1961 die Lichter ausgingen, wechselte Friedrich Hahne als Konstrukteur zu einem Lkw-Hersteller in Essen. Die Zuneigung zu Oldtimern konnte der Ahnser nie verhehlen. Der von ihm erworbene "Stoewer" wurde zunächst zwar kaum benutzt, erhielt aber vor einigen Jahren eine neue Lackierung; aus Schwarz wurde Tiefblau. Die Vorderachse musste erneuert werden. Die Stoßstangen sind erhalten geblieben, wurden aber neu verchromt. Der Viertakter mit Vorderradantrieb verbraucht für seine 30 Pferdekräfte allerlei Sprit. Die Rede ist von 14 bis 15 Litern. Die maximale Geschwindigkeit liegt bei 80 Stundenkilometern. Friedrich Hahne: "Der Vorgängertyp meines Wagens war das erste Auto in Deutschland, das einen Frontantrieb besaß noch vor Adler und DKW." Ersatzteile gibt es für dieses Fahrzeug kaum noch. Sie müssen einzeln angefertigt werden. Selbst für die schmalen 17-Zoll-Reifen sind weite Wege zurückzulegen. Man könne sie noch in Holland oder in München bekommen, erfahren wir von Friedrich Hahne. Ein Manko hat die sonst noch sehr stattliche Karosse: Das ist der beengte Kofferraum. Dort kann man bestenfalls einen Reisekoffer unterbringen. Für Bierkästen wäre dann aber kein Platz. Dafür bietet der Innenraum doch einige Vorteile. Die Türen öffnen sich so zur Seite, dass die Bräute ideal einsteigen können. Sitzkomfort und deutlich mehr Beinfreiheit als in modernen Autos laden geradezu zu dieser besonderen Verwendung als Hochzeitsauto ein. Friedrich Hahne kutschiert inzwischen seit 2001 Brautpaare zu den schönsten Augenblicken ihres Lebens, zur standesamtlichen Trauung, zum Gang zum Altar und danach auch zur Hochzeitsfeier. Und die wissen, dass sie in einem besonderen Gefährt sitzen, von dem es nur noch einige handverlesene Exemplare in Deutschland gibt.

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