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Bischof geht auf der Herbstsynode mit Papst, Publizisten und EKD-Autoren ins Gericht

"Brauchen Signale für kleine Boote und Schiffe"

Bückeburg (bus). Landesbischof Jürgen Johannesdotter hat auf der Herbstsynode der Landeskirche eine ablehnende Haltung gegenüber der Reduzierung der Landeskirchen erkennen lassen. "Vielleicht ist der angestrebte Weg der Fusion und Zusammenlegung aber auch der falsche", sagte er. "Wenn wir alle historische Zufälligkeiten sind, dann kann es nicht um etwas größere oder kleinere Zufälligkeiten gehen, sondern dann müssen wir nach anderen Kriterien suchen." Als ein mögliches Kriterium nannte Johannesdotter eine "Evangelisch-Lutherische Landeskirche in Niedersachsen" - mit verschiedenen Bistümern, aber als eine Kirche.

veröffentlicht am 20.11.2006 um 00:00 Uhr

Jürgen Johannesdotter

Mit "historischen Zufälligkeiten" nahm der Bischof Bezug auf eine Äußerung des damaligen Vorsitzenden der Glaubenskongregation in Rom, Kardinal Joseph Ratzinger. Der heutige Papst hatte 2001 zum römischen und evangelischen Selbstverständnis als Kirche gefragt, "wie die Evangelischen nur darauf kommen können, das katholische Selbstverständnis als Kirche und das solcher historischer Zufälligkeiten wie Kurhessen-Waldeck und Schaumburg-Lippe könne auf einer Ebene liegen?" In mancherlei Hinsicht, meinte Johannesdotter, sei "auch die große katholische Weltkirche" eine Zufälligkeit. Und mit Blick auf die in der Diskussion stehenden Zusammenlegungen: "Wir wollen doch nicht eine historische Zufälligkeit durch eine andere ablösen." Generell sei festzustellen, dass aus dem im Sommer veröffentlichen, mehr als 100 Seiten umfassenden Impulspapier des Rates der EKD "in einem Teil der Presse aus den geistigen und geistlichen Anstößen nur die auch angesprochene Reduzierung der Landeskirchen thematisiert" worden sei. Das Wichtigere an diesem Papier scheine einige Journalisten zu überfordern. Der Landesbischof: "Die EKD will geistliche Profilierung statt undeutlicher Aktivität, Schwerpunktsetzung statt Vollständigkeit, Beweglichkeit statt Klammern an Strukturen, Außenorientierung statt Selbstgenügsamkeit fördern." Außer Papst und Publizisten bekamen auch die Verfasser des EKD-Papiers ihr Fett weg. Die Autoren sehen die evangelische Kirche "im Jahr 2030 nahe bei den Menschen". "Erst 2030? Sind wir nicht jetzt schon auf dem Weg dahin?", merkte Johannesdotter mit kritischem Unterton an. Ihn jedenfalls erfülle "großes Zutrauen zu der Chance, die wir als kleine überschaubare Kirche haben, dahin zu kommen". Sich auf die im Impulspapier häufig erwähnten "Leuchtfeuer" beziehend sagte er: "Was wir in Schaumburg-Lippe brauchen, sind nicht so sehr die weit ins Land ragenden Leuchttürme, sondern die an den Rand der Fahrrinnen gesteckten Birkenstämme, die für die kleinen Boote und Schiffe signalisieren: Hier ist die Fahrrinne; hier läufst du nicht auf Sand."

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