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Zweite Runde vor Gericht: Geldstrafe für Feuerwehrmann / Brandstiftung nicht nachzuweisen

Brandstiftung: Bauch sagt ja, Beweislage nein

Rinteln/Bückeburg (ly). Sein "Bauchgefühl" sagt Richter Friedrich von Oertzen, dass es der Angeklagte war. "Der Schwabe würde sagen, die Sache hat ein Gschmäckle." Auch wenn es nach Brandstiftung riecht: Vor Gericht genügt das nicht, Beweise müssen her. Und da hat die Justiz bloß ein wackeliges Geständnis, das zudem keins mehr ist.

veröffentlicht am 22.11.2007 um 00:00 Uhr

Ungeklärt: Überreste von zwei Papiertonnen - letzte Brandstiftun

Augenzeugen gibt es nicht dafür, dass der Feuerwehrmann am Lerchenbrink und an der Friedrich-Wilhelm-Ande-Straße Papiertonnen angezündet haben soll, die eine Ende Januar, die andere Anfang April 2006. "Nach dem Stand der Dinge müssen wir davon ausgehen, dass Sie nichts damit zu tun haben", so von Oertzen an die Adresse des27-Jährigen, der "kein Verbrecher" sei. Man muss auch verlieren können. Im Berufungsverfahren vor dem Bückeburger Landgericht zog Staatsanwältin Julia Bauer ihr Rechtsmittel gegen das angefochtene Urteil aus erster Instanz deshalb noch vor den Plädoyers zurück. Damit war der Teilfreispruch des Rintelner Amtsgerichts rechtskräftig. Keine Brandstiftung also, auch wenn es sich juristisch um Sachbeschädigung handelte. Erneut verurteilt wurde der Angeklagte dagegen zu einer Geldstrafe von 600 Euro (20 Tagessätze), weil er im Sommer vergangenen Jahres mit einem Funkscanner unerlaubt Polizei- und Feuerwehrfunk abgehört hat. Am Ende einer Serie vonähnlichen Bränden hatte die Polizei den Feuerwehrmann, der zwischenzeitlich nach Bad Nenndorf umgezogen ist, in den frühen Morgenstunden des 8. April 2006 nach einem Hinweis festgenommen. Keine zwei Stunden zuvor hatte er sich in der Friedrich-Wilhelm-Ande-Straße mit Feuereifer an den Löscharbeiten beteiligt. Doch die Beamten freuten sich zu früh. Auf der Wache legte der mutmaßliche Brandstifter zwar ein nicht wirklich überzeugendes (Teil-) Geständnis ab, das er aber wenige Tage danach widerrief, im ersten Prozess vor dem Rintelner Amtsgericht dann noch einmal. Vier Monate ist das her (wir berichteten), und im Berufungsverfahren blieb es jetzt dabei: "Ich sah keine andere Möglichkeit als ein Geständnis, um aus der Sache rauszukommen." Entlastet wird der Angeklagte vor allem von einem Freund (15), mit dem er in den Stunden vor dem Brand am 8. April zusammen war. Als Motiv hatte der 27-Jährige im nunmehr wertlosen Geständnis übrigens angegeben, er sei verärgert gewesen, weil Kameraden Gerüchte über ihn verbreitet hätten. Deshalb sei er auch aus seinem Amt als Betreuer entlassen worden. Begonnen hatte die Serie, bei der im Rintelner Stadtgebiet insgesamt 15 Mülltonnen in Flammen aufgegangen waren, Ende Dezember 2005. Vor der damaligen Wohnung des Feuerwehrmannes brannte ein Papiereimer. Als besonders gravierender Fall gilt ein Feuer an der Bahnhofstraße, wo Anfang April 2006 Flammen auf einen Carport und ein Auto übergegriffen hatten. Gase zogen ins Gebäude. Zwei ältere Leute wurden evakuiert, eine Zahnarztpraxis musste für mehrere Wochen den Betrieb einstellen. Bis heute sind die Brände, die Feuerwehr und Polizei mehr als 15 Monate in Atem gehalten hatten, nicht geklärt.



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