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Landgericht verhandeltüber Austritt der Gesellschafter im Februar 2007 / Einigung nicht in Sicht

Bornemann: Streit um Wert der Manager-Anteile

Obernkirchen. "Egal, wer hier verliert, es wird in die Berufung gehen." Dr. Jochen Berninghaus macht der Zivilkammer wenig Hoffnung auf eine gütliche Einigung. Das Statement des Kläger-Anwalts wirft ein grelles Licht auf die Streitkultur, die zwischen der alten und neuen Führungs-crew der Firma Bornemann gepflegt wird. Das Zerwürfnis zwischen Managern und Mehrheitsgesellschaftern, das Ende 2006 im Beinahe-Verkauf der Firma eskalierte, findet seine Fortsetzung in einer schier endlosen Prozess-Lawine durch alle Instanzen.

veröffentlicht am 31.01.2008 um 00:00 Uhr

Autor:

Frank Werner

Das jüngste Kapitel: Das Landgericht Bückeburg verhandelte über den im Februar 2007 erklärten Austritt der Manager-Gesellschafter aus dem Unternehmen und über die Summen, die den Gesellschaftern Michael Bornemann-Galensa, Dr. Ingo Bretthauer und Gerd-Joachim Feltz bei einem anerkannten Austritt für ihre Anteile zu zahlen sind. Mit sechs von neun Managern, die am 27. Februar nach der Mehrheitsübernahme durch die familieneigene Möller-Bornemann GbR ihren Austritt aus der Gesellschaft erklärten, hat das Unternehmen eine Einigung über die Höhe der Anteile erzielt, nicht jedoch mit Hans-Joachim Feltz, Leiter der Sparte Kunststofftechnik, der sich den Ex-Geschäftsführern Bornemann-Galensa und Bretthauer auf der Klägerseite angeschlossen hat. Richter Feige ließ durchblicken, dass der Austritt aus der Gesellschaft möglicherweise nicht rechtswirksam sei, weil ein solcher Schritt eines "wichtigen Grundes" bedürfe und nur das letzte, alternativlose Mittel darstelle. Mit anderen Worten: Streit sei auch von Managern in gewissen Grenzen auszuhalten. Die Kläger indes führen als wichtigen Grund fehlendes Vertrauen in den Mehrheitsgesellschafter an, sie fürchten um den Wert ihrer Anteile. Vorsorglich versuchte das Gericht, die Vorstellungen vom Wert der Anteile abzugleichen. Eine Annäherung ist nicht in Sicht: Während die Kläger den Wert des Unternehmens auf 87 Millionen Euro taxieren und mithin für Bornemann-Galensa (3 Prozent) rund 2,6 Millionen und für Bretthauer (1 Prozent) und Feltz (1 Prozent) jeweils rund 870 000 Euro fordern, kommt die Gesellschaft auf einen nach dem "Stuttgarter Verfahren" berechneten Wert von etwa 351 000 Euro pro Prozent. Die Kläger sind bereit, sich auf 600 000 Euro pro Prozent einzulassen - das ist die Summe, die der Ex-Gesellschafter, der britische Finanzinvestor 3i, vor gut einem Jahr erhalten haben soll. 3i hatte 40 Prozent am Unternehmen gehalten - die Möller-Bornemann GbR musste die zweistellige Millionensumme mobilisieren, um den Verkauf der 3i-Anteile an den US-Branchenriesen Colfax zu verhindern (wir berichteten). Richter Feige indes meldete Zweifel an, ob der an 3i gezahlte Marktpreis als Vergleich für die Übernahme der Manager-Anteile herangezogen werden könne. Die durch Rechtsanwalt Dr. Hans Dehmer vertretene Bornemann GmbH erhöhte ihr Angebot auf maximal 400 000 Euro pro Prozent. Mehr sei nicht drin, weil man auch denübrigen sechs Managern eine ähnliche Summe gezahlt habe. Das Landgericht will Mitte Februar ein Urteil verkünden - bevor das Verfahren wahrscheinlich wie in den früheren Fällen an das Oberlandesgericht geht und in Bückeburg der nächste Prozess beginnt. Die GmbH hat Klage gegen den umstrittenen Millionentransfer zwischen der Gesellschaft und Ex-Geschäftsführer Bretthauer eingelegt.

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