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Kreisforstamt will drohende Vernichtung des Fichtenbestandes durch die Holzschädlinge verhindern

Borkenkäfer: Viermal so viele wie letztes Jahr

Landkreis (mw). Eine gegenüber dem Vorjahr viermal so große Zahl von Borkenkäfern bereitet dem Kreisforstamt des Landkreises Schaumburg Sorgen. Durch "massive Maßnahmen" versucht die Verwaltung, einer Bestandsexplosion der Forstschädlinge entgegenzutreten, die einen ganzen Wald vernichten können.

veröffentlicht am 20.06.2008 um 00:00 Uhr

Karl-Heinz Knigge und Steffen Fitzner kontrollieren eine Schlitz

"Die Borkenkäfer stellen eine massive Gefährdung unserer Fichtenbestände dar", zeigt sich Steffen Fitzner, Kreisrevierförster in Wendt-hagen, besorgt. In diesem Jahr sei die Population der in zwei Arten - Buchdrucker und Kupferstecher - vertretenen Holzschädlinge wegen des milden Winters und des trockenenFrühjahrs sowie den vom Februar-Sturmtief "Emma" umgeworfenen Bäumen (rund 1000 Festmeter) recht hoch. Würde man die alljährlich bis zu drei Generationen ausbildenden Insekten nicht bekämpfen, könnte von diesen "der komplette Fichtenwald aufgefressen" werden. Aus einer befallenen Fichte flögen bis zu rund 20 000 der nur wenige Millimeter großen Borkenkäfer aus, erklärt Karl-Heinz Knigge, Forstwirtschaftsmeister beim Kreisforstamt Spießingshol. Um einen Baum zum Absterben zu bringen, seien indes nur rund 1000 Käfer ausreichend. Werde eine Schädlingspopulation zu groß, könnten auch gesunde Bäume befallen werden. Im NationalparkBayerischer Wald etwa seien vor rund 15 Jahren ungefähr 3000 Hektar Fichtenwald innerhalb eines Jahres durch Borkenkäfer zerstört worden, weil diese nicht bekämpft worden waren, weiß Knigge. Zum Vergleich: Die Waldungen des Kreisforstamtes Spießingshol umfassen zirka 3400 Hektar. Um solch einem Szenario vorzubeugen, hat die Forstverwaltung laut Fitzner "massive Maßnahmen" ergriffen. So sind im Bereich des Forstamtes Brandshof 15 Fangholzhaufen aus kegelförmig aufgestellten und mit einem Insektizid behandelten Stammabschnitten sowie 70 Schlitzfallen im Einsatz. Angelockt werden die Borkenkäfer mit artspezifischen Duftstoffen ("Pheromonen"), bei denen es sich aber nicht um einen Sexuallockstoff handelt. Jede der den Duftstoff enthaltenden Ampullen kostet zwölf Euro und muss nach acht Wochen ausgetauscht werden. Bei den Fangholzhaufen sterben die Borkenkäfer durch den Kontakt mit dem Insektengift, bei den Schlitzfallen verhindert deren Konstruktion ein Entkommen. Um den Befallsdruck zu ermitteln, führt das Kreisforstamt ein Borkenkäfermonitoring durch, bei dem etwa die Fangquoten notiert werden, erläutert Knigge. Mit einem Schnapsglas würden die Schlitzfallen in diesem Zusammenhang regelmäßig geleert, wobei dessen Volumen (20 Milliliter) rund 870 Buchdruckern entspreche. Insgesamt 15 Liter Borkenkäfer (gleich 652 500 Schädlinge) seien auf diese Weise von Mitte April bis Juni bereits zusammengekommen - gegenüber dem Vorjahr die vierfache Menge.

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