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"Tag des Friedhofs" erinnert an die Bedeutung als Ort der Trauer / Begräbniskultur im Wandel begriffen

Boom bei Urnenbestattungen und Rasengräbern

Bückeburg (jp). Mit dem bundesweit siebten "Tag des Friedhofs" haben Bestatter, Steinmetze und Gärtnerei-Unternehmen am Sonntag an die Bedeutung des Friedhofs als Ort der Trauer erinnert. Bundesweit beteiligten sich daran über 50 Städte. Erstmalig dabei war in diesem Jahr die Evangelisch-Lutherische Stadtkirchengemeinde Bückeburg. Als Partner beteiligten sich die Katholische Kirchengemeinde, die Vereine "VIA" und "Lichtblick" sowie mehrere Firmen.

veröffentlicht am 19.09.2007 um 00:00 Uhr

Verschiedene Grabstätten auf dem Friedhof an der Scheier Straße

Klaus Dieter Vogt, Vorsitzender des Kirchenvorstandes, führte gemeinsam mit den Kirchenräten Eitel Radek und Günter Wilke über den Friedhof an der Scheier Straße. Dabei wurden die Anordnung und Gestaltung der historischen Soldatenfriedhöfe aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg ebenso erläutert wie neue Begräbnisformen aus heutiger Zeit. Hierzu gehört zum Beispiel das Thema "Naturbegräbnis": Vor zwei Jahren beschloss der Friedhofsausschuss das Anlegen eines neuen Grabfeldes für Urnengräber, das einen naturbelassenen Waldboden aufweist. Das Naturbegräbnis fand so großen Zuspruch, dass das erste Urnenfeld bereits jetzt voll ist und in Kürze ein zweites angelegt werden soll. Stark zugenommen hat in den letzten Jahren auch die Zahl so genannter Rasengräber, die keinen aufwändigen Pflanzenschmuck und nur eine schlichte Granitplatte aufweisen. Den Grund für diese Entwicklung sehen die Kirchenräte in der gestiegenen Mobilität der heutigen Gesellschaft: Viele ältere Menschen wollten ihren Kindern keine jahrzehntelange Grabpflege mehr aufbürden, insbesondere, wenn diese weit entfernt wohnten. Der vordere Bereich des Friedhofs an der Scheier Straße wird derzeit langsam zu einem Park umgestaltet, da er nach zwei- bis dreimaliger Belegung etwa 100 Jahre Ruhe braucht, um sich zu erholen. In der Friedhofskapelle präsentierten sich die Bestattungsunternehmen Busch und Wehrmann sowie der Verein VIA mit einer Ausstellung. Im Mustergarten gegenüber des Friedhofs konnte die "offene Werkstatt" von Steinmetz- und Bildhauermeister Herbert Berkenbusch sowie die Mustergrabanlage der Gärtnerei Engelke besichtigt werden. Richtig historisch wurde es bei der Führung über den Jetenburger Friedhof. Pastor Ingo Röder erläuterte zunächst Grabplatten und Inschriften in der Jetenburger Kirche. Dann wurden die drei wohl berühmtesten Gräber Bückeburgs besucht. Hier liegen Johann Christoph Friedrich Bach, der dritte der vier komponierenden Söhne des großen Johann Sebastian, der durch seine Tätigkeit am Hofe des Grafen Wilhelm als Bückeburger Bach in die Geschichte einging, sowie Louise Clara Johanna von Lehzen, Erzieherin der britischen Königin Victoria. Ihre prächtige Grabstätte wird noch heute im englischen Auftrag gepflegt. Eine ganz unscheinbare, schlichte Grabplatte weist hingegen das Grab Viktor von Strauß und Torneys auf. Dabei ist es dem einstigen Minister und fürstlichen Gesandten zu verdanken, dass das kleine Fürstentum Schaumburg-Lippe im deutsch-deutschen Krieg von 1866 seine Neutralität zwischen den kriegführenden Parteien Preußen und Österreich bewahrte und anschließend nicht vom siegreichen Kanzler Bismarck annektiert und in dem Norddeutschen Bund eingegliedert wurde.

Soldatengräber aus dem Ersten Weltkrieg auf dem Friedhof an der
  • Soldatengräber aus dem Ersten Weltkrieg auf dem Friedhof an der Scheier Straße sind auch ein Spiegel deutscher Geschichte.


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