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"Kultur op de Deel"überzeugt 50 Gäste mit Folklore aus Spanien, Brasilien, Kuba und hebräischen Liedern

Bolero, Bossa Nova - und der Gesang der Sepharden

Bad Eilsen (sig). Zum zweiten Male bot der Heimat- und Kulturverein auf der Diele der Familie Dreves einen Liederabend mit dem Duo Esther Lorenz (Gesang) und Peter Kuhz (Gitarre). Diesmal stand bei der Veranstaltung unter dem Motto "Kultur op de Deel" Folklore aus mehreren Ländern auf dem Programm.

veröffentlicht am 21.02.2007 um 00:00 Uhr

Gitarrist Peter Kuhz. Fotos: sig

Rund 50 Besucher genossen die besondere Stimmung in dem von Kerzenlicht erfüllten Raum, der das passende Ambiente für den Auftritt des Duos bot. Auch die musikalischen Darbietungen waren ungewöhnlich und von besonderer Qualität. Im Mittelpunkt standen nicht nur Klänge von der iberischen Halbinsel, sondern auch aus Brasilien und Kuba. Esther Lorenz hatte diesmal unter anderem Boleros ausgesucht, dieüberwiegend etwas melancholisch und romantisch daherkommen. Ein Beispiel dafür ist das Liebeslied "Bésame Mucho" aus der Arie der Nachtigall, die Enrique Granados für die spanische Oper "Goyescas" schrieb. Der Komponist starb 1916 bei einem deutschen U-Boot-Angriff. Inzwischen ist diese Melodie weltweit in unterschiedlichen Cover-Versionen gespielt geworden, arrangiert unter anderem als Ballade und sogar im Jazzrhythmus. Im Bekanntheitsgradübertroffen wurde der Bolero nur von dem Lied "Granada" des mexikanischen Pianisten Agustin Lara. Hinter dem Bolero verbarg ein Volkstanz, der besonders in Kastilien und Andalusien gepflegt wurde. Esther Lorenz und Peter Kuhz haben in ihr Programm auch den Bolero cubano aufgenommen, der in der Nähe der Rumba angesiedelt ist und sich von Kuba aus als Volkstanz zum anerkannten Gesellschaftstanz wandelte. Etwa um 1810 sei der spanische Bolero auf den zu Mittelamerika gehörenden Inselstaat gekommen, berichtete Esther Lorenz. Dort ersetzten dann Percussion-Instrumente die Kastagnetten. Aus Brasilien stammt der Bossa Nova, ein Tanz, bei dem sich Sambaklänge und Jazz vermischen. Frank Sinatra und Ella Fitzgerald sorgten dafür, dass sich dieser Musikstil auch in den USA durchsetzte. Peter Kuhz bot ein Gitarrensolo aus der "Orpheus-Sage" dar, für die der brasilianische Karneval als Hintergrund diente. Nicht überschäumend, wie das Volksfest in diesen Tagen in Rio, dafür aber sehr virtuos und beeindruckend war der Vortrag des Instrumentalsolisten. Von ganz anderer Art waren die sephardischen Lieder, die zum Repertoire des Duos gehören. Sie sind von jenen jüdischen Generationen überliefert worden, die einst bis zum Ende des 15. Jahrhunderts in Spanien und Portugal lebten und von dort nach der Vertreibung in Afrika und Südosteuropa eine neue Heimat fanden. Sie klingen wehmütig und zuweilen anklagend - diese hebräischen Gesänge, für die Esther Lorenz stimmlich besonders gut gerüstet ist. Der Zuhörer spürt, dass sie sich dieser anspruchsvollen musikalischen Ausdrucksform offensichtlich sehr gern widmet. Mit zwei Zugaben verabschiedete sich das Duo von den Gästen, die sich auf eine weitere Begegnung freuen, die der Heimat- und Kulturverein ins Auge fassen sollte.

Gesangssolistin Esther Lorenz.
  • Gesangssolistin Esther Lorenz.

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