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Was tun, wenn man angegriffen wird? / Polizeichef: Kommt auf die Situation an

Böse Buben rechnen oft nicht mit massiver Gegenwehr ihrer Opfer

Rinteln (wm). ZweiÜberfälle am vergangenen Sonnabend, erst auf eine junge Frau, die frühmorgens um sechs zur Arbeit will; in der Nacht auf einen Spätheimkehrer, kurz vor seiner Wohnungstür: Ist Rinteln ein gefährliches Pflaster geworden? Nein, sagt Rintelns Polizeichef Gerhard Bogorinsky, das seien Einzelfälle,gemessen an Großstädten gehe es in Rinteln noch durchaus friedlich zu. In den nächsten Tagen will die Polizei konkrete Zahlen zur Kriminalitätsstatistik in der Weserstadt vorlegen, die das belegen sollen.

veröffentlicht am 16.01.2008 um 00:00 Uhr

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Wer die Meldungen liest, fragt sich trotzdem, wie reagiert man in einer solchen Situation? Wichtig sei derÜberraschungsmoment, sagt Jochen Siekmann, Trainer für fernöstliche Kampftechniken, Meister im Shaolin Kempo und Vorstandsmitglied im Budo SV. Die wenigsten Angreifer würden mit einer sofortigen, vor allem harten und konsequenten Gegenwehr ihres Opfers rechnen. Und das sei die Chance, die man nutzen müsse. Siekmann: "Es geht bei der Selbstverteidigung ja keineswegs darum, den Angreifer zu besiegen, das ist in den meisten Fällen auch völlig unrealistisch, sondern darum, den Gegner für Sekunden außer Gefecht zu setzen, damit er loslässt und man davonlaufen und Hilfe holen kann." In so einer Situation, so Siekmann, könne selbst ein Schirm, ein Kugelschreiber oder Schlüssel eine wirkungsvolle Waffe werden: "Auch kneifen ist erlaubt!" Grundsätzlich stimmt dem auch Polizeichef Bogorinsky zu, denn die meisten Straftaten bei denen es um Körperverletzung geht, würden im Affekt geschehen. Das bedeute, der Angreifer überlege sich nicht vorher jeden Schritt. Allerdings müsse man sich darüber im Klaren sein, "es ist immer eine Gratwanderung und kommt auf die Situation an". Ein Patentrezept, wie man reagieren sollte, gebe es nicht. Aber sicher sei es richtig, "Selbstbewusstsein zu zeigen und bestimmt aufzutreten". Welche Chancen man in Konfliktsituationen hat, das haben Jochen Siekmann, der Rintelner Dokumentarfilmer Torsten Sasse und rund 40 Darsteller aus Rinteln, meist Mitglieder des Budo SV aller Altersklassen, in einem Dokumentarfilm dargestellt, der am 26. Januar in den Weserlichtspielen Premiere hat und den es später als DVD zu kaufen gibt. Es sei aber purer Zufall, versichert Siekmann, dass der Film ausgerechnet jetzt fertig geworden ist, wo das Thema Gewalt gegen Bürger in der Politik und allen Medien diskutiert werde. Fast ein Jahr lang habe man an dem Film gearbeitet. Der 75-Minuten-Film soll alle ansprechen, von Kindern bis zu Senioren: So ist beispielsweise eine Szene auf dem Spielplatz im Blumenwall gedreht worden, wo ein kleiner Junge auf Siekmanns Anleitung hin demonstriert, wie man sich in einer Schulhofschlägerei effektiv gegen rabiate Altersgenossen wehren kann. Letzten Endes, sagt Siekmann, soll der Film selbstverständlich dazu anspornen, einen Selbstverteidigungskurs zu besuchen. Denn das wichtigste, was man in einem Kurs lernen und trainieren kann, sei, die Angst zu überwinden, die einen lähmt und hindert, sich zur Wehr zu setzen. Siekmann empfiehlt das vor allem Personen, die aufgrund ihrer beruflichen oder privaten Situation besonders gefährdet sind - wie eben Mitarbeitern in gastronomischen Betrieben, die erste spät in der Nacht nach Hause gehen. Beim SDS Sicherheitsdienst von Joachim Sinen, der - vergleichbar wie Polizeibeamte - bei großen Veranstaltungen wie dem Doktorseefest, am Vatertag auf dem Ludwigsturm oder bei Discoabenden mit Konfliktsituationen zu tun hat, setzt man vor allem auf Deeskalation. Doch auch er und seine Mitarbeiter beobachten, dass die Gewaltbereitschaft unter den 16- bis 25-Jährigen zugenommen hat. In etwa 90 Prozent aller Fälle, so Sinen, gelinge es seinen Mitarbeitern, die Situation allein verbal, also im Gespräch mit den potenziellen Randalierern, "runterzufahren": "Da müssen sie natürlich Geduld aufbringen, sich auch einiges an Frechheiten anhören, aber darauf sind unsere Mitarbeiter geschult." Auch Hunde, ander Leine mitgeführt, hätten manchen Randalierer schnell dazu bewogen, aufzuhören. Auf keinen Fall schlagen SDS-Mitarbeiter zuerst zu. Würden sie angegriffen, sei das Ziel, Randalierer am "Boden zu fixieren". So lange, bis die Polizei eintrifft. Doch soweit komme es zum Glück nur selten, betont Sinen.

Joachim Sinen
  • Joachim Sinen


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