weather-image
24°
Schnelles Internet nur bei 18 Prozent der Befragten / Landkreis deckt deutliche Versorgungslücken auf

Bodenwerder verliert bei DSL den Anschluss

Bodenwerder (nig). Die gute Nachricht vorweg: Der Rücklauf bei der Umfrage des Landkreises Holzminden zur Verfügbarkeit schneller Internetanschlüsse war besser als erwartet.

veröffentlicht am 02.07.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 09:41 Uhr

270_008_4131971_bowe300_03.jpg
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

„Mit 14,5 Prozent liegen wir über dem Schnitt ähnlicher Umfragen aus anderen Kreisen“, sagt Landrat Walter Waske, der die Ergebnisse gemeinsam mit Lars Niemieczek vom Breitband Kompetenz Zentrum Niedersachsen den Samtgemeindebürgermeistern vorstellt. „Die Befragung hat eine hohe Aussagekraft, damit können wir gut arbeiten.“

Schnelles Internet für Betriebe wichtig

Allerdings zeige die große Rücklauf-Quote auch, wie dringend das Problem ist und dass es im Landkreis einige Defizite gibt in Sachen schnelles Internet. Denn längst nicht jeder, der einen modernen DSL-Anschluss mit einer Geschwindigkeit von heutzutage üblichen 6000 Bit haben möchte, kann diesen aus technischen Gründen auch bekommen. Solche „weißen Flecken“ bei der Internet-Versorgung aufzuspüren, ist Ziel der Befragung in der Bevölkerung. „Nun können wir sehen, wo besonders dringender Handlungsbedarf ist“, so Waske. Im Durchschnitt gesehen, liegt der Landkreis mit einer verfügbaren Geschwindigkeitsrate von knapp 1500 Bit im unteren Durchschnitt aller weiteren befragten Landkreises. Das Problem ist aber die sehr ungleichmäßige Versorgung. Während es zum Beispiel innerhalb der Kernstadt Holzminden noch ganz gut aussieht, nimmt die verfügbare Geschwindigkeit mit zunehmender Entfernung rapide ab. In abgelegenen Dörfern gibt es praktisch gar kein DSL. „Jeder Dritte hat nicht die Möglichkeit, an das schnelle Internet angeschlossen zu werden“, nennt Lars Niemieczek ein Ergebnis der Studie. Diese Zahl sei hoch, aber im Vergleich zu anderen Landkreisen nicht außergewöhnlich. 25 Prozent der Befragten hatte bereits erfolglos versucht, einen höherwertigen Anschluss zu beantragen. Ein anderes Drittel der Bevölkerung dagegen kann Geschwindigkeiten von 6000 Bit und mehr nutzen.

Die größte Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit haben die Forscher in der Samtgemeinde Bodenwerder ausgemacht. Nur 18 Prozent der Befragten können über einen DSL 6000-Anschluss verfügen, 82,3 Prozent wünschen sich aber einen. Ähnlich sieht es im Flecken Delligsen aus, wo nur 17,3 Prozent einen schnellen Anschluss bekommen können, und ihn 78 Prozent der Befragten wünschen. In dieser Wertungsreihe folgen Stadtoldendorf, Eschershausen und Polle. In den Samtgemeinden Bevern und Boffzen, die von ihren Randlagen zu Holzminden und Höxter profitieren, ist die Situation nicht mehr ganz so dramatisch.

Insgesamt sieht Niemieczek „eine deutliche Lücke in der Versorgung“. Deren Tragweite sei nicht zu unterschätzen, warnt Waske. Während es für Privatpersonen meist „nur“ ärgerlich ist, wenn das Verschicken großer E-Mails sehr zeitraubend ist, ist es heute für Gewerbetreibende und Unternehmen überlebenswichtig, große Datenpakete schnell empfangen und versenden zu können.

Landkreis muss Gebiete benennen

Deutlich wird das am Beispiel einer 200 Megabyte-Datei, für Betriebe keine ungewöhnliche Größe. Bei einem DSL 6000 Anschluss ist die in acht Minuten geladen, per Modem oder ISDN dauert das acht Stunden. „Eine schnelle Internetanbindung ist heute ein wichtiger Standortfaktor“, unterstreicht Waske. „Davon kann abhängen, ob sich hier eine Firma niederlässt oder jemand ein Grundstück kauft.“ Schnelle Hilfe zumindest an einzelnen Stellen verspricht ein Konjunkturprogramm des Landes, das die große Telekommunikationsunternehmen mit Förderungen dazu bewegen will, die DSL-Technik auf dem Land weiter auszubauen. Für den Ausbau im sogenannten „Südcluster“, zu dem der Landkreis Holzminden und weitere Kreise in Südniedersachsen zählen, stehen insgesamt zehn Millionen Euro Förderung bereit. Dafür muss der Landkreis Gebiete benennen, in denen eine DSL-Anbindung am Dringlichsten ist. Waske: „Durch die Befragung wissen wir nun genau, wo der größte Bedarf ist.“

Suchen den Landkreis Holzminden nach weißen Flecken in der Internetversorgung ab: Landrat Walter Waske, Lars Niemieczek vom Breitband Kompetenz Zentrum Niedersachsen und Holger Gnest (von links) von der Kreisverwaltung.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare