weather-image
13°
Zecken-Gefahr: Experten geben Tipps / Allgemeinmediziner: Wichtig ist, dass der Kopf rauskommt

Blutsauger im Gras - aber: "Nur keine Panik!"

Landkreis (jcp). Sommerzeit ist Zeckenzeit. Doch gibt es - zumindest im Schaumburger Land - keinen Grund zur Panik, nur zur Vorsicht. Wer ein paar Regeln beachtet und etwas Umsicht walten lässt, kommt heil durch den Sommer - auch wenn der vorige milde Winter die Zahl der Zecken nicht gerade hat schrumpfen lassen.

veröffentlicht am 12.06.2008 um 00:00 Uhr

0000489840.jpg

"Nur keine Panik" ist die Devise von Thomas Brandt. Wer im Sommer nicht auf seinen Spaziergang durch Wälder und Feldmark im Schaumburger Land verzichten will, setzt sich noch lange nicht der Gefahr eines Zeckenbisses aus, betont der wissenschaftliche Leiter der Ökologischen Schutzstation Steinhuder Meer (ÖSSM). So sitzen die kleinen Blutsauger vorwiegend im hohen Gras und Farnkraut an den Wegrändern und im Unterholz. "Wenn man auf den Wegen bleibt und nicht querfeldein läuft, kann einem gar nichts passieren", erklärt Brandt. Beim idyllischen Picknick auf einer Wiese empfiehlt der Naturschützer eine Decke als schützende Unterlage. Wer nach einem Ausflug ins Grüne auf Nummer sicher gehen möchte, sollte seinen Körper gründlich nach den unliebsamen Tieren absuchen. Hat eine Zecke zugebissen, nützt nur der Griff zur Zeckenzange. "Je früher die Zecke rausgezogen wird, desto besser", sagt der Naturschützer und fügt hinzu: "Einen Arzt muss man erst aufsuchen, wenn der Biss rot wird oder anschwillt." Beim Entfernen des Holzbocks ist wichtig, nicht wie vom Volksmund empfohlen, Klebstoff oder Margarine auf die Zecke zu schmieren. "Es stimmt zwar, dass dem Tier auf diese Weise die Luft zum Atmen genommen wird, aber anstatt den Biss zu lockern, sondert die Zecke noch mehr Krankheitserreger ab." "Eine Zecke am Körper ist kein Grund zur Panik", lautet das Fazit des Stadthäger Allgemeinmediziner Wolfgang Tiedemann. Ein paar Regeln gibt es aber im Umgang mit den Blutsaugern zu beachten. "In Niedersachsen ist es nicht nötig, sich gegen FSME impfen zu lassen", erläutert Martina Alves, Arzthelferin und Impfexpertin. Das Virus kann die gefürchtete Hirnhautentzündung - fachsprachlich Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) - verursachen. In Bayern und Baden Württemberg ist Vorsicht geboten - weiter nördlich sind FSME-Fälle nach Zeckenbiss selten. Größer ist die Gefahr einer bakteriellen Borreliose. Deren Folgen reichen von rheumatischen Beschwerden bis hin zu Krämpfen und Lähmungserscheinungen. Borreliose ist aber, so sagt der Stadthäger Allgemeinarzt Wolfgang Tiedemann, in jedem Stadium behandelbar. Grundsätzlich spricht nichts dagegen, eine Zecke selber zu entfernen. "Wichtig ist, dass der Kopf rauskommt", warnt Tiedemann. Entfernt Tiedemann eine Zecke in seiner Praxis, benutzt er eine sehr feine, sogenannte "Splitterpinzette". Die Zecke muss möglichst nah am Biss gepackt werden, damit ihr Mageninhalt - der die Bakterien enthält - sich nicht in die Wunde ergießen kann. Nach dem Entfernen gilt es, die Bissstelle zu beobachten. "Die Rötung um den Biss muss abnehmen", erklärt Tiedemann. "Schwillt sie dagegen erst ab und nimmt dann wieder zu, sollte man einen Arzt aufsuchen." Im Kreiskrankenhaus Stadthagen werden Borreliose-Fälle an die Neurologie des Klinikums Minden weitergeleitet. "Ernsthafte Folgen von Zeckenbissen erleben wir aber extrem selten", meint dazu Eckhardt Flohr, Chefarzt der Abteilung für Innere Medizin.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt