weather-image

Sonntagsausflug: Eine Zeitreise in das Erdmittelalter

Blutbachquelle, Totental und die Höllenmühle…

Als die Schillat-Höhle bei dem zu Hessisch Oldendorf gehörenden Sünteldorf Langenfeld im August 2004 einer breiten Öffentlichkeit zugängig gemacht wurde, ahnte kaum jemand, dass diese Tropfsteinhöhle eine echte Touristenattraktion werden würde. 100 000 Besucher wurden in den drei ersten Jahren gezählt. Darüber sind selbst die ehrenamtlich tätigen Betreiber der Schauhöhle erstaunt, allen voran deren Entdecker Hartmut Brepohl, Vorsitzender der Höhlengruppe Nord im Verband Deutscher Höhlen- und Karstforscher.

veröffentlicht am 13.06.2009 um 07:11 Uhr

Polizeibeamte suchen das ganze Dorf ab.

Autor:

Ingeborg Müller

Brepohl war Sprengmeister im Steinbruch Segelhorst und hat die Höhle nach seinem Vorgänger bei der Höhlengruppe Nord, dem inzwischen verstorbenen Bodo Schillat benannt. „Sie befinden sich hier nicht in einem Fahrstuhl, sondern in einer Zeitmaschine“, behauptet er scherzhaft während der Fahrt in den Schacht. Immerhin geht diese „Reise“ rund 150 Millionen Jahre zurück, als unsere Region vom Jurameer bedeckt war. In ihm lagerten sich mächtige Kalksandsteinschichten ab, aus dem der begehrte Korallenoolith entstand, der auch in dem Riesenberg-Steinbruch nach wie vor abgebaut wird. Er wird als Split beim Straßenbau, aber auch für Uferbefestigungen benötigt. Da Korallenoolith zwar sehr fest, aber auch stark wasserlöslich ist, neigt er zur Bildung von Klüften und Höhlen.

Der Süntel ist das nördlichste Karstgebiet

Der Süntel sei das nördlichste Karstgebiet, das heißt aus wasserlöslichem Gestein bestehend, erklärt der Höhlenexperte und vermutet, dass der gesamte Süntel von Höhlen durchzogen sei. Die berühmteste ist die Riesenberghöhle im gleichen Steinbruch, die zu den bedeutendsten Naturdenkmalen Niedersachsens gehört, aus Gründen der Erhaltung jedoch nur zweimal im Jahr für einen begrenzten Personenkreis geöffnet werden darf. Eine großartige 3-D-Diaschau über diese Höhle bildet den krönenden Abschluss einer jeden Führung in der Schillat-Höhle. Sie findet statt im neuen Informationshaus, dem sogenannten Huthaus – ein aus der Bergmannsprache übernommener Begriff, da das Gebäude wie ein Hut über den Schacht gestülpt ist. Dort gibt es kleine Ausstellungen und ein empfehlenswertes Landfrauen-Café. Hier beginnt auch die Fahrt in die Tiefe zum unteren Niveau des in diesem Teil stillgelegten Steinbruchs.

Im Freien gibt es zunächst einen buchstäblich anschaulichen Einführungskurs in die Geologie des Süntels, ehe es in die eigentliche Schillat-Höhle geht. Vorbei an Höhlenmalerei nach Vorbildern der berühmten Wandbilder von Lascaux in Südfrankreich, geschaffen von Kunststudenten aus Hildesheim, kommen die Gruppen zu einer beeindruckenden Ausstellung in großen Vitrinen zu beiden Seiten des Höhlengangs. Nicht zuletzt diesen in ihrer Vielfalt imponierenden Exponaten ist es zu verdanken, dass die Schillat-Höhle als Museum anerkannt ist. So befindet sich hier das Deutsche Archiv für Sinterchronologie mit ganz unterschiedlichen Tropfsteinen, aber auch lokale Mineralien- und Fossiliensammlungen aus dem Weserbergland, aus dem Deister, dem Süntel und dem Wesergebirge.

3 Bilder
Das Wasser der Blutbachquelle fließt in das Totental.

Der lange Gang führt schließlich zu der eigentlichen Tropfsteinhöhle mit ihren Stalagmiten, Stalaktiten und Kalksteinmakkaroni, die durchaus beachtlich ist, einem Vergleich mit der Riesenberghöhle jedoch nicht standhalten kann. Umso wertvoller, dass das insgesamt vielseitige Angebot den Besuch der auch von der Europäischen Union geförderten Schauhöhle zu einem Erlebnis für Jung und Alt werden lässt.

Bei diesem Ausflugvorschlag ist die Schillat-Höhle bei Langenfeld der Ausgangspunkt für eine Wanderung im Süntel, die zur Blutbachquelle, zu den Moosköpfen und zum Langenfelder Wasserfall führen soll. Langenfeld ist mit der Buslinie 27 Hessisch Oldendorf – Langenfeld und Hessisch Oldendorf wiederum mit der Linie 20 Hameln – Kleinenwieden des Nahverkehrs Hameln-Pyrmont zu erreichen. Autofahrer verlassen die Autobahn 2 bei der Abfahrt Rehren und fahren über Hattendorf nach Langenfeld. Jenseits des Ortes werden sie nach links zum großen Parkplatz gewiesen. Die Bundesstraße 83 im Süden dagegen wird in Hessisch Oldendorf verlassen und die Stadt in Richtung Rehren durchquert. Am Ende des Ortes Segelhorst wird nach rechts in Richtung Langenfeld und nach der Durchquerung des Waldes noch einmal nach rechts zum Parkplatz abgebogen. Im Übrigen werden die Besucher zuverlässig bereits ab Autobahn zur Schillat-Höhle geleitet.

Ein schmaler Weg führt uns zu hohen Buchen

Für unsere Wanderung gehen wir nach der Höhlenbesichtigung und möglicherweise einem Imbiss nicht zurück zum Parkplatz, sondern umgehen das umzäunte Gelände nach rechts. Ein zunächst schmaler Weg führt uns unter beeindruckend hohen Buchen auf jene Forststraße, die fast schnurgerade erst im Wald und später am Waldrand entlang führt. Ehe sie wieder ganz in den Wald eintaucht, geht nach rechts ein Wanderweg ab, der im Linksbogen in den Wald führt. Bei einer Gabelung halten wir uns dann rechts, lassen uns belehren, dass wir uns hier im Naturwald befinden und gehen schließlich auf schmalem Weg hinunter zu der befestigten Blutbachquelle.

Die Blutbachquelle wirkt meist so düster wie ihr Name klingt: Als sich im Jahre 782 Sachsen und Franken in einer für die christlichen Franken vernichtenden Schlacht auf dem Dachtelfeld bekämpften, soll sich das Wasser des Bachs vom Blut der vielen Gefallenen rot gefärbt haben. Tatsächlich entspringt der Blutbach jedoch im Wellergrund nördlich des sich an das Hohensteinmassiv anschließenden Brennenbergs. Bei der sogenannten und mit einem Schild als solche bezeichneten Blutbachquelle soll es sich dagegen um die aus alten Überlieferungen bekannte Totenborn-Quelle handeln, die ihr Wasser in das Totental entlässt. Es fließt erst nach einem halben Kilometer dem Blutbach zu.

Diesen Weg von der Quelle durch das Totental wollen auch wir bergab wandern. Das erste Stück ist eine gewisse Herausforderung, denn es geht auf einem schmalen Pfad steil bergab – einer der seltenen Momente, wo auch ansonsten strikte Wanderstock-Verweigerer gern einen solchen dabei hätten.

Doch der Weg wird bald bequem, nachdem er den Bach von der rechten zur linken Seite überquert hat. Recht romantisch wirkt das Tal mit hohem Laubwald, später auch mit Fichtenbeständen. Bei einem breiten Wiesenstreifen links vom Weg kommen wir zu einer etwas versetzten Kreuzung. Geradeaus würde unser bisheriger Weg weiter zur Baxmannbaude führen. Wir aber biegen nach rechts ab und steigen nach einem Linksbogen oberhalb des Tals weiter in der gleichen Richtung an.

Auf einem bequemen Forstweg wandern wir dann mal eben, mal ansteigend weiter, bis wir auf einen Querweg stoßen, dort noch einmal die Richtung wechseln und im spitzen Winkel nach rechts gehen. Über uns steigt links der Ramsnacken mit seinen Klippen an, dessen Plateau wir bei den Moosköpfen erreichen. Von hier aus haben wir einen wirklich grandiosen Blick hinüber zu dem keilförmigen Höhenzug der Südwehe und hinunter in die beiden sie begrenzenden Täler, das Toten- und das Blutbachtal.

Jetzt gehen wir in den schönen Süntelwald

Fast im rechten Winkel zu unserem bisherigen Wanderweg gehen wir jetzt nach links in den schönen Süntelwald und stoßen jenseits des Forsthauses Langenfeld wieder auf die schnurgerade Forststraße vom Hinweg. Nach links kommen wir direkt wieder zu unserem Ausgangspunkt.

Es lässt sich aber auch noch ein Spaziergang zu einer weiteren Sehenswürdigkeit anschließen, dem 15 Meter hohen Langenfelder Wasserfall an der Höllenmühle. Dazu gehen wir vorbei am Parkplatz Forsthaus in Richtung Langenfeld auf der Dachtelfeldstraße, die in die breite Riesenbergstraße mündet. Auf ihr wandern wir nach rechts, bis wir links in die Straße Zur Höllenmühle abbiegen. Rechts an dem idyllisch hinter dem ehemaligen Mühlenteich liegenden Gebäude entlang werden wir zum Wasserfall geleitet. Immerhin handelt es sich um den höchsten natürlichen Wasserfall Niedersachsens, denn die beeindruckenden Harz-Wasserfälle wurden künstlich angelegt.

Schließlich umgehen wir das Mühlengrundstück an seiner Vorderseite, steigen auf dem Wiesenpfad an und kommen über die Straße Zu den Wasserfällen auf die Fahrstraße. Jenseits geht es durch die Feldflur weiter, bis wir auf einem schmaleren Feldweg nach rechts auf den Parkplatz der Schillat-Höhle zurückkehren, sofern wir nicht bei der Bushaltestelle geblieben sind.

Hartmut Brepohl, Entdecker der Schillathöhle (mit grünem

Schutzhelm), mit einer Besuchergruppe im Steinbruchgelände.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt