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Aktion des Naturschutzbundes Auetal für Kinder und Jugendliche / Marc Jameson: Gar nicht so leicht

Blinde Kuh spielt Fledermaus in Gummistiefeln

Schoholtensen (mld). Der Friedhof von Schoholtensen ist in dichten Nebel gehüllt, feiner Regen nieselt auf das Dach der Steinkirche herunter. 21 kleine Menschen stehen vor den Toren der Ruhestätte, ausgerüstet mit Ferngläsern, Kameras, Rucksäcken und drei Bündeln langer Weidenäste. "Wozu brauchen wir die?" wird reihum ratlos gefragt. DerÄlteste in der Runde lächelt verschmitzt: "Später." Und stellt sich erst einmal vor: "Hallo, ich bin Marc. Und wir gehen jetzt mal den Wald erkunden!"

veröffentlicht am 06.11.2007 um 00:00 Uhr

"Blinde Kuh" ruft, "Beute" antwortet: So funktioniert das Echolo

Der Nabu-Aufdruck seiner Mütze verrät, dass es sich an diesem ungewöhnlichen Treffpunkt vor allem um die Natur drehen soll. Und so stapft Marc Jameson, Jugendwart des Auetaler Naturschutzbundes, den Hang hinauf in Richtung des südlichen Ausläufers des Bückeberges, den er wie seine Westentasche kennt. Ohne ein Wort desWiderstandes folgen ihm die 20 Kinder durch Nieselregen, Dunst und Matsch. Sie wissen wohl, dass sie ihre Herbstferien auch anders verbringen könnten - doch sie alle tragen Regenjacken und Gummistiefel, haben Brote und heißen Tee für diese Expidition eingepackt. Für das Thema der Nabu-Jugendaktion jedoch sind nicht alle passend gerüstet: Es geht um die richtige Tarnung im Wald. Bei der Ansammlung von pinkfarbenen Jacken, roten Stiefeln und gelben Mützen ist der Erfolg des Unternehmens schwer vorstellbar, doch Marc Jameson ist zuversichtlich: "Wir werden Rinde, Blätter und Äste sammeln und versuchen, eins mit der Natur zu werden!" So sollen die Kinder vor allem ihre natürliche Umwelt kennen lernen: Bäume, Pilze und Gräser bestimmen, heimische Vogel- und Wildarten ausmachen, Spuren lesen - und eigene Flitzebögen aus Weidenästen basteln. Auch wenn die Kinder schon eine Menge Wissen mitbringen, ebbt der Spaß am Lernen nicht ab, wie sich am begeisterten Hüttenbauen mit Fichtenstämmen oder verschiedenen Spielen zeigt. So werden einem Kind die Augen verbunden, während ein anderes sich nicht von dieser "blinden Kuh" erwischen lassen darf. Doch jedes Mal, wenn der "Jäger" einen Laut ausstößt, muss die "Beute" auch antworten. So wird anschaulich erklärt, wie das Echolot einer Fledermaus beim Jagen hilft. Doch solche Aktionen auf die Beine zu stellen, ist gar nicht mal so leicht: Jamesons letzter Waldlehrgang wurde von lediglich fünf Kindern begleitet. Das "Echolot-Spiel" würde mit einer so geringen Anzahl von Kindern erst gar nicht funktionieren. "Das Problem ist der Zeitpunkt", seufzt der Nabu-Jugendwart. Weder unter der Woche noch am Wochenende hätten die Kinder Zeit, auf stundenlange Entdeckungstouren zu gehen. Allesmüsste also in den Ferien stattfinden. Für Jamesons Vorhaben, eine Nabu-Gruppe für Grundschüler zu gründen, die sich ein oder zwei Mal monatlich für Expiditionen und Experimente treffen könnten, sind das keine guten Voraussetzungen. Sein Versuch,über Eltern und Lehrer die Kinder für eine Nabu-Gruppe zu begeistern, scheiterte an nicht verteilten Info-Materialien und schlichter Ignoranz seiner Anfrage. Das macht ihn auch heute noch wütend, doch Jameson gibt nicht auf: "Eine so erfolgreiche Aktion wie diese wird 2007 nicht die letzte gewesen sein!" Er plant bereits die nächste Entdeckungstour - im Schnee sind Tierspuren schließlich am besten zu erkennen.

In die Hände gespuckt, mit angepackt... Fotos: mld
  • In die Hände gespuckt, mit angepackt... Fotos: mld


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