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Insolvenzverwalter informiert zunächst die Beschäftigten

Bleibt Hertie in Hameln? Jetzt fällt die Entscheidung

Hameln/Essen (hkl/mafi). Seit rund einem halben Jahr bangen 4000 Hertie-Mitarbeiter – zwei Dutzend davon in Hameln – um ihre Arbeitsplätze. In dieser Woche nun will Insolvenzverwalter Biner Bähr die Beschäftigten der zahlungsunfähigen Kaufhauskette über die Zukunft der 72 Häuser informieren. Das kündigte gestern ein Hertie-Sprecher an. Unbestätigten Informationen zufolge wird der Betriebsrat heute und morgen erfahren, welche Filialen geschlossen, welche verkauft werden und für welche das Insolvenzverfahren eröffnet wird. In der Branche wird damit gerechnet, dass etwa 50 Häuser weiterbetrieben werden, den anderen droht die Schließung. Es gibt aber auch Stimmen, die ein Ende aller Hertie-Häuser für möglich halten.

veröffentlicht am 26.01.2009 um 21:34 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:01 Uhr

Die britische Investorengruppe Dawnay Day, der noch 58 Standorte gehören, habe alle Mietverträge, die noch bis 2020 laufen, gekündigt, heißt es. Dawnay Day suche nun auch selbst bereits nach Käufern für einzelne Standorte – und funkt damit Insolvenzverwalter Bähr dazwischen.

Neben den Beschäftigten, die Bähr zuerst informieren will, warten auch Gewerkschaftsvertreter und die Kommunalpolitiker an den Hertie-Standorten, in Niedersachsen sind es acht, gespannt auf die Pläne des Insolvenzverwalters. „Für Hameln ist das Hertie-Kaufhaus von elementarer Bedeutung“, hatte Stadtsprecher Thomas Wahmes bereits im vorigen Jahr betont. Das Haus sei nicht nur ein Frequenzbringer für die Osterstraße, sondern mit seinem großen Warensortiment für die gesamte City wichtig.

Keine Fläche für

eine Expansion

Jeder Standort hat seine Besonderheiten, was den von Bähr angestrebten Verkauf aller Häuser gemeinsam erschwert: So lässt etwa der Standort in Hameln keine direkte Expansion zu. In Peine müsste ein Käufer in eine zeitgemäßere Fassade des betongrauen Baus investieren. In Wolfenbüttel hat sich bereits ein Käufer für das dortige Hertie-Haus mit der denkmalgeschützten Fassade gefunden: Das Braunschweiger Unternehmen KTM hat bisher vor allem Fachmarktzentren entwickelt. Über die Pläne für die Wolfenbütteler Immobilie wollte sich KTM gestern nicht äußern. Was aus den rund 70 Hertie-Mitarbeitern wird, ist offen.

Für das frühere Karstadt-Kaufhaus in Hameln war stets betont worden, dass es trotz vergleichsweise kleiner Verkaufsfläche rentabel sei. Inzwischen jedoch ist die große „Stadt-Galerie“ als Konkurrenz hinzugekommen und berichten Kunden von einem ausgedünnten Angebot. Gewerkschaftssekretär Eberhard Buschbom befürchtet, dass es für den Erhalt eines Standorts ohnehin eher zweitrangig ist, ob das Haus bislang Gewinn abwirft oder nicht: Entscheidend sei, ob sich ein Käufer für die Immobilien finde. „Die Frage ist doch, welches Konzept der Investor verfolgt und wie viel Quadratmeter er betreiben will“, sagt Buschbom. „Es spielt dann keine Rolle, ob das Haus jetzt schwarze oder rote Zahlen schreibt.“



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