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Nach Röder-Brief "nicht in Schutz genommen" / Präsident und andere entschuldigen sich

Bischof von Synode enttäuscht - Leviten gelesen

Landkreis (ssr). In ungewöhnlich deutlichen, teils gar harschen Worten hat sich Landesbischof Jürgen Johannesdotter über die Synode der Schaumburg-lippischen Landeskirche enttäuscht gezeigt. In seinem Bericht zu Beginn der Herbsttagung der Synode gestern Abend in Bückeburg beklagte er, in den vergangenen Monaten nichtgegen öffentlich gewordene innerkirchliche Diffamierungen in Schutz genommen worden zu sein. Daraufhin entschuldigten sich Synodalpräsident Joachim Liebig und andere Synodale bei Johannesdotter.

veröffentlicht am 17.11.2007 um 00:00 Uhr

Jürgen Johannesdotter

Was er in jüngster Zeit an Kritik und Angriff erlebt habe, so der Bischof, sei "in einem Umfang geschehen, der alles überschreitet, was ich in der Leitung eines zehnmal so großen Sprengels der hannoverschen Landeskirche je erlebt habe". Johannesdotter nahm vor allem auf den Brief des Bückeburger Pastoren Ingo Röder Bezug, in dem ihm vorgeworfen worden sei, "Kriminelles verschwiegen zu haben". Er fragte empört: "Warum hat niemand von Ihnen den von Ihnen gewählten Landeskirchanrat und mich als Ihren Landesbischof gegen diese öffentliche Diffamierung in Schutz genommen?" Die Synodalen hätten den Röder-Brief, "in dem diese Ungeheuerlichkeiten standen", am Vortag der Septembertagung in Händen gehalten - anders als er selber: "Sie hatten einen Tag und eine Nacht Zeit, sich dagegen zu verwahren, als Synode missbraucht zu werden", hielt er den 30 Mitgliedern des Gremiums vor. Außer dem Synodenpräsidenten habe aber "niemand etwas gesagt" - nach dem Motto "Bloß nicht zu viel Aufhebens davon machen". Unter Hinweis auf die beschränkte Verfügbarkeit von Adressenlisten stellte Johannesdotter indirekt die Vermutung in de Raum, Röder könnte sogar aktive innerkirchliche Hilfe beim Versenden seines Rundschreibens bekommen haben. Johannesdotter erwähnte auch einen Brief des Synodalen Jürgen Hoffmann im Vorfeld er Septembertagung, der "vor allem Fehlurteile und halbe Wahrheitern enthalten" habe. Hoffmann hatte in dem Schreiben harte Kritik an der Amtsführung der Kirchenleitung geübt. Der Bischof dazu wörtlich: "Da ich aus eigener Erfahrung weiß, wie besuchsfreudig dieser Synodale ist, frage ich mich: Ist da kein Synodaler, der wenigstens versucht hat, ihn davon abzuhalten, in solcher Weise Bischof und Kirchenleitung in öffentlicher Tagung anzugehen?" Bitter erwähnte Johannesdotter auch die Debatte in einer der Arbeitsgruppen auf der September-Synode: "Was soll also der süffisante Hinweis in einer dieser Arbeitsgruppen, man käme auch ohne Bischof aus." Das alles seien "Ablenkungsversuche". Dann las das kirchliche Oberhaupt dem Gremium die Leviten: Die Landeskirche werde nicht durch Kirchensteuerrückgänge und ihre geringe Größe gefährdet, sondern "gefährdet sich höchstens selbst durch Verlust dessen, was ihr Grund und Mitte ist." Der Bischof gab zusammenfassend seiner "Enttäuschung darüber Ausdruck, wie ein Organ der Landskirche ein anderes nicht in Schutz genommen hat." Sofort nach Ende des Bischofsberichtes sagte Synodalpräsident Liebig, die Synodalen seien von der "Perfidie" (deutsch: Niederträchtigkeit) des Röder-Briefs erschüttert gewesen. Womöglich sei die Wortlosigkeit dadurch zu erklären gewesen. "Sollte für Sie der Eindruck entstanden sein, dass wir sie nicht genug unterstützt haben, bitte ich dafür um Nachsicht", wandte Liebig sich an den Bischof. Der Stadthäger Oberprediger Klaus Pönnighaus nannte den Röder-Brief "einfach nur widerlich". Er versicherte dem Bischof: "Sie können sicher sein, dass wir auf Ihrer Seite standen." Bönisch (Stadthagen) räumte ein, es sei ein Fehler gewesen, aufden "impertinenten" (deutsch: frechen) Brief nicht öffentlich reagiert zu haben.



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