weather-image
22°
Klinikum Schaumburg und Krankenhaus Bethel beteiligen sich an bundesweiter Protestaktion

"Bis dann nur noch die Privatenübrig sind..."

Landkreis (jcp/möh). Zur "Aktiven Mittagspause" haben gestern Personal und Verwaltung der Kreiskrankenhäuser in Rinteln und Stadthagen sowie des Krankenhauses Bethel in Bückeburg aufgerufen. Bundesweit hatte zuvor das "Aktionsbündnis zur Rettung der Krankenhäuser" zur Beteiligung aufgerufen.

veröffentlicht am 19.11.2008 um 00:00 Uhr

Im Kreiskrankenhaus Rinteln hatten Mitarbeiter gestern Mittag "M

"Das Besondere ist, dass Personal und Verwaltung gemeinsam auftreten", sagte die Personalratsvorsitzende des Kreiskrankenhauses Stadthagen, Mira Wehmeyer, während sie Kollegen auf Zahnstocher gepiekste Cocktail-Würstchen servierte. Motto: "Die Wurst wird immer kleiner." Verwaltungsleiter Friedrich Nolte erklärte das Bild: "Wird das Geld weniger, werden die Würstchen kleiner. Und irgendwann gibt's dann nur noch Wasser und Brot." Eine Stunde lang nutzten die Mitarbeiter des Klinikums Schaumburg in Stadthagen wie auch in Rinteln die Gelegenheit, ihre Pause aktiv zu nutzen und die Besucher der Krankenhäuser so auf die Lage aufmerksam zu machen. Vermutlich auch temperaturbedingt herrschte dabei in Stadthagen ein "fliegender Wechsel" der Teilnehmer, sodass sich über die Stunde verteilt immer rund 30 Mitarbeiter vor dem Eingang befanden. In Rinteln hatten Mitarbeiter im Eingangsbereich ein Krankenhausbett demonstrativ in den Weg gestellt, auf und neben dem zahlreiche Kartons, die "Mogelpackungen" der Gesundheitsministerin, drapiert waren. Würstchen gab es in der Weserstadt allerdings nicht. Mit der Aktion "Der Deckel muss weg" hatten die Krankenhäuser bereits im Spätsommer auf ihre klamme finanzielle Situation aufmerksam gemacht, die sich in Form von Personalengpässen und entsprechender schlechterer Versorgung der Patienten auswirkt. Die Bundesregierung hat mit einem Gesetzentwurf reagiert, nach dem laut Wehmeyer im nächsten Jahr drei Milliarden Euro in die öffentlichen Krankenhäuser fließen sollen. "Gebraucht würden 6,7 Milliarden", zitierte Wehmeyer aus einem Infozettel des "Aktionbündnisses zur Rettung der Krankenhäuser", dem unter anderem die Gewerkschaft ver.di, die Deutsche Krankenhausgesellschaft und der Deutsche Beamtenbund angehören. "Man kriegt fast den Eindruck, die Bundesregierung steuere bewusst auf ein Aussterben der kommunalen Krankenhäuser zu", sagte dazu Personalrat Volker Schramme. "Bis irgendwann nur noch die Privaten übrig sind." "Große Brocken für die Finanzjongleure - Kleine Würstchen für die Kliniken". Unter diesem Motto demonstrierten gestern 84 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krankenhauses Bethel vor der Eingangstür und beteiligten sich so am bundesweiten Protesttag der Krankenhäuser. "Das Gesundheitswesen hat in den letzten zehn Jahren die Krankenhäuser finanziell immer mehr beschnitten", klagte Peter Bigalke", Vorsitzender der Mitarbeitervertretung des Bückeburger Krankenhauses. Unterstützung fand er auch bei Klause Kruse, Verwaltungsdirektor des Hauses. Kruse verwies ebenfalls auf die desolate Finanzsituation. Es sei nicht nur, dass dieLöhne der Mitarbeiter zu Recht angehoben werden müssten, sondern auch die Energiekosten seien erheblich gestiegen. Außerdem seien den Krankenhäusern 21 000 neue Stellen in der Pflege versprochen worden. Diese Ausgaben würden zu 70 Prozent gefördert. Peter Bigalke zu diesem bundesweiten Problem: "Aber woher sollen die restlichen 30 Prozent an Eigenmitteln kommen, die der Gesetzgeber vorschreibt? Wo könne noch eingespart werden? Werde den Patienten die Heizung abgedreht? Ergänzend betonte der Verwaltungsdirektor, dass im Krankenhaus Bethel schon 20 Prozent der Operationen ambulant durchgeführt werden, um zu sparen. Kruse und Bigalke sind beide von der Politik und ihren Versprechungen enttäuscht. Sie können es einfach nicht fassen, dass den Krankenhäusern (auch bei der Großdemonstration am 25. September in Berlin) immer suggeriert wird, es sei kein Geld vorhanden, und dann stünden plötzlich 500 Milliarden Euro für die Finanzwelt zur Verfügung. Verwaltungsdirektor Kruse: "Unddie haben das Geld einfach mal so verzockt" Aber dennoch gibt es für das Krankenhaus schon Sponsoren, auf die man, so Bigalke, gern zurückgreife. Da die Demonstration in der Mittagszeit stattfand, spendierte die Firma "Frische-Dienst-Union" aus Versmold die entsprechend "kleinen Würstchen" für die Demonstranten. Das Aktionsbündnis präsentiert sich im Internet unter www.rettung-der-krankenhaeuser.de .



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare