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Regenerative Kraftstoffe auf dem Vormarsch / 33 000 Tonnen aus Berenbusch / 108 000 Tonnen Getreide benötigt

Biosprit: Experten rechnen mit gewaltigen Zuwächsen

Berenbusch (bus). Auf etwa 20, höchstens 30 Prozent schätzen Experten den Anteil, den regenerative Kraftstoffe auf Dauer zum Gesamtverbrauch beisteuern können. "Von den derzeit knapp zwölf Millionen Hektar deutscher Ackerfläche werden bis zum Jahr 2030 drei bis vier Millionen Hektar nicht mehr zur Nahrungsproduktion benötigt und könnten der Biokraftstoffproduktion dienen", prognostiziert Andreas Schütte von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe. Falls sich die Vorstellungen von Investor Hans-Jörg Gregel erfüllen, wird ein Teil der regenerativen Kraftstoffe demnächst im Hafen Berenbusch produziert.

veröffentlicht am 12.04.2006 um 00:00 Uhr

Das Projekt (wir berichteten mehrfach) fällt in eine Zeit, in der immer mehr auf Pflanzenbasis produzierte Kraftstoffe - vor allem Rapsöl und Bioethanol - auf dem heimischen Markt erscheinen. Ihr Vorteil: Sie sind regenerativ (lateinisch für wiedergewinnend) - das Kohlendioxid, das beim Fahren in die Luft gepustet wird, haben zuvor Pflanzen beim Wachsen aus der Atmosphäre aufgenommen und neue Gewächse können es binden. Im Gegensatz zum Rapsdiesel wird Bioethanol, ein Ersatzstoff fürs Benzin, in Deutschland noch kaum genutzt. Der Sprit wird, ähnlich wie Schnaps, durch das Vergären von Getreidestärke oder Rohrzucker erzeugt. Die deutsche Jahresproduktion beträgt gegenwärtig etwa 500 000 Tonnen. Die drei von Gregel konzipierten Anlagen sind auf jeweils 33 000 Tonnen ausgelegt. Außer in Bückeburg sind Werke in Fürstenwalde (Brandenburg) und Bülstringen (Sachsen-Anhalt) geplant. Verwaltung und Vertrieb sollen in Bückeburg angesiedelt werden, wo etwa 85 bis 90 neue Arbeitsplätze zu erwarten sind. Alkohol wirdüberwiegend aus Roggen, Weizen und Triticale gewonnen. Die Planer rechnen pro Werk mit einem jährlichen Bedarf von 108 000 Tonnen Getreide, zu deren Erzeugung zwischen 15 000 und 25 000 Hektar benötigt werden. Zusätzlich zum Bioethanol kommen am anderen Ende der Wertschöpfungskette Proteine (16 000 Tonnen) und Mischfutter (27 000 Tonnen) heraus. Der Bundesverband der Mineralölindustrie geht von einem Marktpotenzial für Bioethanol als Kraftstoffbeimischung von 1,454 Millionen Tonnen (für 2010) aus. Das Produkt findet darüber hinaus Anwendung als Lösemittel von Lacken und als Verdünnung sowie zur Reinigung und Desinfektion. Gregel rechnet aufgrund aktueller gesetzlicher Vorgaben mit einer Verdreifachung der Nachfrage nach Bioethanol zur Ottokraftstoffbeimischung bereits für das Jahr 2008. Zur kompletten Versorgung aus inländischer Produktion sei eine Erhöhung der derzeitigen Kapazitäten um das 15-Fache notwendig. Einziges Manko des Vorhabens: Das während einer Präsentation kurz vor Weihnachten 2005 vorgelegte Tempo erwies sich im Nachhinein als Wunschdenken. Nach den Dezemberplanungen wäre bereits in diesen Tagen das Genehmigungsverfahren abgeschlossen, hätten Ende Februar Bagger und Maschineneinrichter anrücken sollen. Erste Testläufesollten Anfang Mai über die Bühne gehen. Derweil ist die Alternativspritszene am Komposthaufen angelangt. Die größte Aufmerksamkeit gilt inzwischen dem Konzept der BTL-Kraftstoffe (Biomass To Liquid). Dieses Fest-zu-flüssig-Verfahren überführt Biomasse wie Gartenschnitt, Gras und Stroh aber auch Dung und Hausmüll zunächst in ein Synthesegas und anschließend in flüssigen Kraftstoff. Clou dieses Verfahrens ist, dass die Kraftstoffe sich maßschneidern, also vorhandenen oder künftigen Motoren anpassen lassen. Die Firma Choren baut gegenwärtig im sächsischen Freiberg eine Prototypanlage mit einer Jahreskapazität von 15 000 Tonnen. Choren-Mitarbeiter Jochen Vogels schätzt den Anteil der regenerative Kraftstoffe wesentlich höher ein als die Kollegenschaft. Er hält langfristig eine Quote von 50 Prozent für möglich. Vogels: "Man könnte großflächig ausgeprägte Energiepflanzen wie Chinaschilf anbauen, der wächst wie der Teufel."

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