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Stadtwerke wollen Gemeinschaftsanlage vorantreiben / Pilotprojekt von 1999 mittlerweile stillgelegt

Biogas: Landwirt Eckel investiert eine Million

Rinteln (la). Die Stadtwerke wollen die Biogas-Technologie in Rinteln weiter vorantreiben. Das Interesse scheint groß zu sein: Über 70 Zuhörer kamen zum Vortragsabend, bei dem zwei Experten über Vorzüge und Risiken informierten. Unterdessen ist die erste reguläre Anlage im Stadtgebiet bereits im Bau: Landwirt Steffen Eckel investiert an der Dauestraße eine Million Euro. Die 1999 errichtete Versuchsanlage von Oliver Nacke in Strücken ist mittlerweile aber stillgelegt.

veröffentlicht am 25.08.2006 um 00:00 Uhr

"Biogasanlagen und Stadtwerke, warum?" - diese Frage stellte Karl-Heinz Buchholz als Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke dem Info-Abend im Hotel Stadt Kassel voran. Der Blick in die Energiewelt mit ihren Verknappungen und stark steigenden Preisen zeige, dass die Nutzung alternativer Energiequellen heute wichtiger denn je sei. Mit dem Thema Biogas komme auch die Gaswirtschaft letztlich an ihre Ursprünge zurück, die auf dem Kokereigas fußen, das in so genannten "Gasanstalten" lokal vom Gaswerk erzeugt wurde. "Wir wollen zurück zur lokalen Gasversorgung. Sicher ist Biogas nicht der alleinige Schlüssel zur Energieversorgung vor Ort, aber ein wichtiger Baustein auf dem Weg dahin", so Buchholz. Michael Koschowitz von e.on Ruhrgas informierteüber die Entwicklung von Biogasanlagen in Deutschland. "Biogas wird nicht die Energiefragen der Zukunft lösen, aber das Interesse steigt", sagte Koschowitz. Bis 2030 würde 15 Prozent des Erdgases über Biogas erzeugt. "Damit könnten alle deutschen Erdgasquellen ersetzt werden", so Koschowitz. Die Risiken von Biogas bezüglich Finanzierung und Technik zeigte Diplomingenieur Ralf Block von der Firma Bigatec auf: "Die Voraussetzungen für eine rentable Biogasanlage sind nicht leicht zu erfüllen." Das Substrat, Mais, Gülle und Getreidesilage, müsse in unmittelbarer Nähe angebaut und eingelagert werden. Die Anlage müsse regelmäßig gepflegt und gewartet werden - "kein geringer Arbeitsaufwand!" "Wir haben Chancen und Risiken gehört, sollten uns aber nicht abschrecken lassen und die Chancen nutzen", appellierte Buchholz an die Landwirte. Die Stadtwerke würden sich wünschen, dass sich Landwirte zusammenschließen und gemeinsam eine große Biogasanlage bauen und betreiben. "Die Anlage, die dann von mehreren Landwirten gefüttert würde, müsste von einem Angestellten betrieben werden", schlug Buchholz vor, der damit den Landwirten neue Verdienstmöglichkeiten aufzeigen wollte. Die Stadtwerke könnten dabei technischer Partner sein. Ein Biogas-Pilotprojekt hat es in Strücken bereits gegeben. Oliver Nacke von der Firma Archea hatte die Anlage 1999 auf dem Hof von Landwirt Heinrich Schnare gebaut. Allerdings ist die Versuchsanlage inzwischen stillgelegt, weil sie veraltet und nicht mehr rentabel ist. Landwirt Steffen Eckel sieht im Biogas eine Chance: Eine Million Euro investiert er in eine Anlage, die im Oktober in Betrieb gehen soll. Letzte Woche hat die Firma Archea mit den Bauarbeiten begonnen. Eckel rechnet mit einer Ausbeute von 900 000 Kilowattstunden Strom pro Jahr - "das entspricht immerhin 90 000 Litern Heizöl". Diese werden in das Stromnetz der Stadtwerke Rinteln eingespeist. Die durch den Betrieb des Motors im Blockheizkraftwerk entstehende Wärme soll die Berufsbildende Schule an der Burgfeldsweide versorgen.

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