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Ortstermin beim 85-Arbeitsplätze-Projekt im Hafen Berenbusch / Sander lädt kurzfristig zum Gespräch

Bioethanol-Anlage: Minister will Dampf machen

Bückeburg (rc). Am Bau der geplanten Bioethanol-Anlage im Hafen Berenbusch ist in den vergangenen Wochen hinter den Kulissen heftig gearbeitet worden: Die Aktiengesellschaft wurde gegründet, die Finanzierungsgespräche werden am kommenden Wochenende abgeschlossen und der Baubeginn an einem zweiten geplanten Standort in Fürstenwalde steht kurz bevor. Für weiteren Rückenwind beim Projekt in Bückeburg dürfte ein Besuch des niedersächsischen Umweltministers Hans-Heinrich Sander (FDP) in Berenbusch sorgen.

veröffentlicht am 06.04.2006 um 00:00 Uhr

Während eines Ortstermins erläutert CDU-Fraktionsvize Jürgen Har

Nach Vorstellen des Projektes durch Investor Hans-Jörg Gregel klappte Sander gestern Morgen seinen Terminkalender auf und vereinbarte für kommenden Donnerstag einen Termin im Umweltministerium, zu dem alle beteiligten Ministerien, Behörden, Gewerbeaufsicht, die Stadt und natürlich die Projektplaner geladen sind. "Wir müssen uns selbst unter Druck setzen, dass wir das Projekt in sechs Monaten schaffen", sagte der Minister. Der CDU-Landtagsabgeordnete Friedel Pörtner, der den Minister nach Berenbusch gelotst hatte, bezeichnete das Gespräch anschließend als "gewaltigen Schritt". Wie berichtet plant die "eta" AG an insgesamt drei Standorten den Bau so genannter Bioethanol-Anlagen. Das Ethanol muss nach einer EU-Richtlinie Dieselkraftstoff beigemischt werden. Der Markt dürfte daher in den kommenden Jahren gewaltig wachsen, so die Ansicht der Investoren, die allein 30 Millionen Euro in Bückeburg investieren wollen. 84 Millionen sollen an allen drei Standorten investiert werden. In Bückeburg soll im Hafen eine dieser Anlagen errichtet werden. 5000 Quadratmeter Fläche werden benötigt. Außerdem wird die Verwaltung in Bückeburg ihren Sitz haben, derzeit wird noch nach einem geeigneten Standort im Stadtgebiet gesucht. 85 bis 90 neue Arbeitsplätze werden geschaffen, so die Aussagen von Gregel. Bis die Anlage in Berenbusch errichtet werden kann, sind allerdings noch einige - vor allem - bürokratische Hürden zu überwinden. So wies Gregel darauf hin, dass sein Unternehmen "dringend" auf eine Sondergenehmigung Niedersachsens angewiesen ist, um in den Genuss von EU-Fördermittel zu kommen. Bückeburg wird ab 1. Januar 2007 in das EU-Fördergebiet Landwirtschaft aufgenommen, für denBau der Anlage würden dann Fördermittel fließen. Das Problem: Sollte noch in diesem Jahr gebaut werden, könnten die Fördermittel nicht mehr beantragt werden. Sander versprach, dass sowohl er als auch Ministerpräsident Christian Wulff und Wirtschaftsminister Walter Hirche sich persönlich dafür einsetzen würden, dass diese Sondergenehmigung erteilt wird. Zweite Sorge ist, dass sich das Genehmigungsverfahren in die Länge ziehen könnte. Hier soll das vereinbarte große Gespräch beim Überwinden von Hürden helfen. Maßgebliche Behörden wie etwa das Gewerbeaufsichtsamt - es muss den Bauantrag für die Anlage bearbeiten, nicht die Stadt Bückeburg - werden an diesem Gespräch teilnehmen. Sander: "Wir als Politiker müssen den Beamten politisch den Rücken stärken, dass diese Ansiedlung möglichst reibungslos läuft." Sander weiter: "In heutigen Zeiten legt kein Investor sein Kapital für 18 Monate auf Eis." Eine Rolle bei diesem Gesprächen wird auch der Bau einer zweiten, nachgeordneten Anlage spielen: ein kleines Kraftwerk zum Gewinnen von täglich 2000 Tonnen Dampf, mit dem das Getreide - Weizen aus der Region - in Bioethanol umgewandelt wird, ohne dass dabei CO-2 entsteht. Oder wie Gregel das Verfahren beschreibt: "Wir brennen Schnaps und verbrennen Holz; ein Verfahren, so alt wie die Welt." Derzeit werden jedenfalls Gespräche mit dem im Hafen Berenbusch ansässigen Unternehmen Interseroh geführt, ob nicht ein Holzpellet-Kraftwerk für den nötigen Dampf sorgen kann. Diese Gespräche sind noch nicht abgeschlossen. Aufgrund der Beteiligung der Öffentlichkeit ist aber von einem deutlich längeren Genehmigungsverfahren auszugehen als bei der reinen Bioethanol-Anlage. "Wir werden dennoch noch in diesem Jahr an den Start gehen", machte Gregel gegenüber dem Minister deutlich. Notfalls könne die Anlage in einer Übergangsphase mit einer Gasanlage betrieben werden.

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