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In Handarbeit das Schlagwerk repariert und die Lager ersetzt

"Bim-Bam": Westminsteruhr läuft wieder auf die Minute genau

Bad Eilsen (sig). Über 100 Jahre alt, ein faltenfreies Aussehen, gibt noch immer den Ton an, ist zuverlässig und läuft wie geschmiert - diese Attribute treffen auf ein Ausstellungsstück zu, das seit kurzem im Museumsstübchen von Bad Eilsen zu bewundern ist. Es handelt sich um einen fürstlichen Regulator, den Wolfgang Maleyka der Gemeinde geschenkt hat.

veröffentlicht am 01.07.2006 um 00:00 Uhr

Hans Willen freut sich darüber, dass er dem über hundertjährigen

Die genaue Bezeichnung lautet: Präzisions-Wandpendeluhr. Hersteller war eine Firma Gustav Becker, die im Zeitraum zwischen 1850 und 1900 in Nürnberg solche stattlichen Chronometer herstellte. Fürstinmutter Hermine hatte es sich einiges kosten lassen, um diesen Zeitmesser käuflich zu erwerben. Sie tat das nicht, um den eigenen Hausstand damit zu bereichern, sondern übergab die Wanduhr 1895 in Stadthagen einem Landwirt als Ehrenpreis, weil er aufgrund einer fachlichen Bewertung die beste Kuh besaß. Es ist nicht bekannt, ob sie am besten aussah oder die meiste Milch gab. Den einstigen Besitzer kann man nicht mehr befragen. Wolfgang Maleyka hatte den Regulator als Antiquität erworben und optisch saniert an Bürgermeister Horst Rinne weitergereicht. Als der Eilser Uhrmachermeister Hans Willen in unserer Zeitung las, dass da noch einige Reparaturen anstanden, unter anderem am Schlagwerk, meldete er sich beim Gemeindeoberhaupt. Er bot ihm an, diese Arbeiten kostenlos zu verrichten. Hans Willen ist ein absoluter Experte auf diesem Gebiet. Er hatte während seiner Lehrzeit in Cloppenburg im dortigen Museumsdorf unter anderem die Aufgabe, alle alten Uhren zu überholen, die sich in den historischen Gebäuden befinden. So war es ein Leichtes für ihn, auch dem einstigen Ehrenpreis der Fürstinmutter wieder die gewünschte technische Perfektion und Zuverlässigkeit zurückzugeben. Und da gab es schon einige Arbeit, die wohl nur noch von wenigen erfahrenen Uhrmachern geleistet werden kann. Hans Willen: "Viele Lager waren ausgeschlagen und mussten erneuert werden. Einige Teile des Schlagwerkes fehlten ganz und mussten von Hand angefertigt werden, ein abgebrochenes Hebelteil habe ich auf der Drehbank ersetzt. Jetzt läuft die Uhr wieder sehr präzise. Sie gibt die Viertelstunden mit ein, zwei oder drei Bim-Schlägen an, und zur vollen Stunde erklingt dann noch das tiefere Bam, das die vollen Stunden anzeigt." Das sei die Schlagart der so genannten Westminsteruhren, erläuterte Hans Willen. Das Vorbild dafür befindet sich offenbar in der berühmten Londoner Kathedrale. Bei dem Eilser Uhrmachermeister war noch das innere Engagement zu spüren, so ein besonderes Exemplar von Zeitmesser sanieren zu können. Eine Stunde benötigte er allein, um die Funktion dieses Schlagwerkes zu begreifen, ließ er wissen. Insgesamt hat Hans Willen sich acht Tage lang mit dem Regulator befasst, der jetzt wieder im Dauerbetrieb seine ureigene Aufgabe wahrnimmt, dem Lauf der Zeit zu folgen. "Nun schafft sie mindestens noch die nächsten 20 Jahre", meinte der Uhrenexperte zuversichtlich. Den Wert der Präzisionswanduhr bezifferte Hans Willen auf 1000 bis 1500 Euro. Es gebe schon noch einen Markt, auf dem solche alten Staatsstücke gehandelt werden, aber die Zahl der Uhrmacher, die sie reparieren können, werde immer kleiner.

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