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Herderschüler informieren und befragen eine Zeitzeugin zum "Todeszug"

Bilder des Grauens, als die Türen der Viehwaggons geöffnet werden

Bückeburg (mig). Bückeburg im Winter 1946: Kurz vor Weihnachten kommt am 17. Dezember ein Vertriebenen-Transport im Bahnhof an. Als die Türen zu den Viehwaggons geöffnet werden, bietet sich den Helfern ein Bild des Grauens. Über 70 Menschen sind während der Fahrt erfroren oder sterben später. An den "Todeszug 541" von Breslau aus erinnerte jetzt der Landfrauenverein Bückeburg mit einem Vortrag von Reinhard Huck und Erlebnissen der Zeitzeugin Erna Babel.

veröffentlicht am 23.11.2007 um 00:00 Uhr

Reinhard Huck (re.) und Schüler der Herderschule befragen Zeitze

Das grausame Geschehen, das sich im vergangenen Jahr zum 60. Mal jährte, berührte die Landfrauen im Gemeindehaus Petzen stark. Vielen Anwesenden standen bei den schrecklichen Schilderungen Tränen in den Augen. "Ich habe gehört, das hier im Saal Menschen aus dem Zug sitzen", sagte der pensionierte Lehrer Huck. In einer kurzen Einführung beschrieb er dann die Stationen der Odyssee und wies auf die 89 Gräber von Vertriebenen auf dem Jetenburger Friedhof hin. "80 Prozent waren Frauen und Kinder und 60 Prozent über 60 Jahre. Der Jüngste war gerade drei Monate alt", beschrieb Huck die schlimme Lage. Während der Vertreibung machte vor allem die schreckliche Kälte den etwa 1500 Schlesiern zu schaffen. Zeitweise herrschten in den 52 Waggons Temperaturen von 20 Grad minus. Da sich unter den Vertriebenen auch viele alte, kranke und schwache Personen befanden, zählte man am dritten Tag schon sechsTote. Huck berichtete von einer Frau, die bei einer Geburt am Boden des Waggons festfror. Während die polnischen Bewacher im beheizten Personenwaggon fuhren, bekamen die Flüchtlinge während der siebentägigen Fahrt nur viermal Kaffee und einmal Brot. Im Anschluss an den kurzen Bericht befragten Huck und Schüler der Herderschule Bückeburg Erna Babel, die selbst im "Todeszug" saß. Die Zeitzeugin berichtete von der "schrecklichen Kälte" und "grausamen Szenen": "Es war unglaublich kalt und eng", erinnerte sie sich. Im Bahnhof Hameln wurde sie von ihren Verwandten getrennt - dort teilte man den Treck auf. "Ich bin dann ganz allein herumgeirrt." Vergessen kann sie die damaligen Ereignisse nicht. Den Beitrag der Herderschule Bückeburg "Zug 514 - Vertriebenenzug Breslau-Bückeburg" kann man im Internet unter "www.geschichtsatlas.de" (Projekte/Bückeburg/Herderschule Bückeburg/Zug 514) abrufen.



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