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Feldpostkarten zeigen den Krieg, wie er gesehen werden sollte

Bilder als Waffe

Der Erste Weltkrieg war auch eine Propagandaschlacht. Postkarten prägten das Bild vom
Krieg maßgeblich mit. Wir stöbern in einem Album.

VON BERNHARD GELDERBLOM

veröffentlicht am 15.07.2014 um 11:01 Uhr

Eine Fülle von Bildmotiven war während des Ersten Weltkrieges in Form von Feldpostkarten in Umlauf. Die Angehörigen an der „Heimatfront“ erhielten die Karten von den kämpfenden Soldaten über die Feldpost zugeschickt. Die Motive vermittelten häufig die propagandistische Sicht, zeigten die Welt des Krieges, wie sie gesehen werden sollte. So gesehen prägten sie die Wahrnehmung des Krieges maßgeblich mit.
Schon der Erste Weltkrieg war ein Medienkrieg und damit ein Vorbild für die Kriege der Gegenwart. Mit der Herrschaft über das Kriegsbild war die Deutungshoheit über den Krieg verbunden. Die Motive der Bildpostkarten waren keine Abbilder des wirklichen Kriegsgeschehens. Die Karten entstanden unter Aufsicht der allgegenwärtigen Zensur.
Verglichen mit Filmaufnahmen, die oft nachgestellt wurden, haben die Fotos allerdings einen etwas höheren dokumentarischen Wert. Sie haben nicht selten ihren Ursprung im offiziellen Rahmen der Kriegsberichterstattung. Von der Brutalität des Ersten Weltkriegs jedoch, dem ersten industriell geführten Massenvernichtungskrieg, in dem alle volkswirtschaftlichen Kräfte für die Kriegsproduktion aufgewendet wurden und Materialschlachten ungeahnten Ausmaßes stattfanden, wird nichts sichtbar.
Der Bevölkerung verhalfen die Bildpostkarten dazu, sich Vorstellungen vom Krieg sowie von den Feinden und Freunden zu machen. Insbesondere für den ländlichen Raum kann man sagen, dass das Bild vom Ersten Weltkrieg nicht unwesentlich von den Bildpostkarten geprägt wurde. Zu den Abbildungen gab es kaum Alternativen. Regionale Tageszeitungen brachten nur selten Fotografien, und der Einzug des Kinos kam auf dem Land erst viel später. Zwangsläufig wurde den Karten eine hohe Authentizität zugesprochen.
Dieser Beitrag handelt das Thema nicht in aller Breite ab. Er bezieht sich vielmehr auf ein konkretes Album aus unserer Region, das sich erhalten hat und dem Verfasser freundlicherweise zur Auswertung überlassen wurde. Es versammelt 36 Bildpostkarten, die ein Soldat seinem auf einem Dorf wohnenden Sohn, der noch die Schule besuchte, im Laufe des Krieges geschickt hat.
Die Stempel verraten, dass der Absender im Magazin der Fuhrparkkolonne Nr. 3 der 5. Landwehrdivision diente, also beim Nachschub und nicht bei der kämpfenden Truppe. Die Nachrichten, die sich auf den Karten befinden, sind sehr kurz gehalten. „Lieber Fritz, sende dir viele Grüße. Dein Vater. Gruß an Mutter.“
Einzelheiten über den Einsatzort oder das Kriegsgeschehen erfahren wir nicht. Am Ende bleibt als Fazit: Es gibt keine wahren Bilder vom Krieg. Bildern vom Krieg ist grundsätzlich zu misstrauen. „Lüge und Krieg sind Zwillinge.“

Postkarten aus dem Ersten Weltkrieg

184 Bilder
7 Bilder
„Lustig ist das Soldatenleben“, wenigstens in der Etappe. Die nachkolorierte Bildpostkarte links zeigt einen Zigarre rauchenden Soldaten und den Spruch: „Herrlich ist der Tabaksduft, bläst man Ringe in die Luft.“ Ließ sich mit derartigen Witzpostkarten wirklich der Ernst der Lage übertünchen, und wenn auch nur für einen Augenblick?


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