weather-image
28°

Bibel mit Gebrauchsspuren

Schade auch: Voller Schwung war ich den Berg von Kleinenbremen herunter gerollt, doch dann musste ich bremsen und von meinem Fahrrad absteigen. Denn mir war nicht klar, welchen Weg ich nehmen sollte. An der letzten Gabelung war die Richtung nach Bückeburg noch ausgeschildert, was eine Weiterfahrt ohne Stopp möglich gemacht hatte. Doch jetzt stand ich vor der Schnellstraße und konnte nicht eindeutig ersehen, ob der Weg rechts oder links über sie hinwegführen würde.

veröffentlicht am 05.05.2007 um 00:00 Uhr

0000448254-11-gross.jpg

Autor:

Astrid Bunselmeyer

Gut, dass ich nicht gleich laut geschimpft habe, wie ich es bei solchen Gelegenheiten ab und zu mal tue, denn inzwischen stand neben mir einälteres Ehepaar, ebenfalls mit dem Rad unterwegs und genauso ratlos wie ich. "Ich fahre mal nach rechts und schau, wie es da weitergeht." Kaum hatte der Mann das gesagt, war er auch schon losgefahren. Ich hatte die Hand an der Satteltasche, um meine Karte herauszuholen, als er in Begleitung einer Familie auf dem Rad wieder zurückkam. "Sie müssen wieder kurz zurück und dann den Weg rechts hoch auf die Brücke, so kommen sie über die Straße und nach Bückeburg", lautete seine Auskunft. Die Karte konnte also in der Tasche bleiben. Obwohl ich sie noch nicht lange habe, trägt sie bereits einige Spuren des Gebrauches an sich. Das schöne Wetter bot mir in den vergangenen Wochen Gelegenheit, die Gegend rund um Rinteln zu erkunden. Da alles neu für mich ist, musste ich mich an den Schildern oder anhand der Karte orientieren. Ich habe die Karte also schon öfter genutzt. Sicherlich, es gibt inzwischen Navigationssysteme für Wanderer, doch ich mag nicht darauf umsteigen. Zu gern suche ichmir meinen eigenen Weg, wäge für mich selbst ab, ob ich jetzt lieber noch ein Stück weiter gehe als die vorgeschlagene Route oder mal einen Weg einschlage, der nicht ausgeschildert ist. Eine Karte lässt mir diese Freiheit. Da nehme ich es schon mal in Kauf, mir etwas mehr Zeit zur Orientierung nehmen zu müssen. Ähnlich geht es mir auf meinem Lebensweg und dem Weg des Glaubens. Auch dabei weiß ich die Orientierungshilfen zu schätzen, die sich mir bieten, ohne mir Wege aufzuzwingen: die Worte der Bibel als grundlegende Karte, aktualisiert durch eigene Auslegungen, das Gespräch und die Auskunft von Menschen, die ebenfalls unterwegs sind und dabei eigene Erfahrungen gesammelt haben und sie hilfreich weitergeben, Wegweiser mit weisen Worten und Bildern, die von Generationen vor mir aufgestellt worden sind. Daher sind auch an meiner Bibel einige Gebrauchsspuren zu sehen. Und wie sieht Ihre Bibel aus? Astrid Bunselmeyer ist Pastorin an St. Nikolai, Rinteln



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare