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Bürgerinitiative gegen Steinanger-Verkauf: "Das wird ein Ghetto" / 1127 Unterschriften gesammelt

"Bezahlen, wenn der Aufschwung kommt"

Rinteln (wm). Über hundert Gäste zählte die Strichliste für die Vortragsveranstaltung der Initiative "Bürger für Rinteln - gegen den Verkauf des Steinangers" am Freitagabend im Brückentorsaal - die Tische waren gut besetzt.

veröffentlicht am 29.01.2007 um 00:00 Uhr

Immobilienmakler Dietmar Roesler (r.) kritisiert die Pläne zur S

Der Referent des Abends, Gerald Häfner, stand bei Beginn des Abends noch im Stau bei Lauenau, Jürgen Evers, Antje Rinne und Dietrich von Blomberg füllten als Sprecher der Bürgerinitiative die Lücke. Dietrich von Blomberg ließ die Argumente der Bürgerinitiative gegen den Steinanger-Verkauf Revue passieren, attackierte Ratsherren wie Journalisten und das Pestel-Gutachten über die Bevölkerungsentwicklung ("irgendsoeine Prognose"). 1127 Unterschriften habe die Bürgerinitiative inzwischen gesammelt, mehr als mancher Ratsherr bei den Kommunalwahlen habe "ergattern" können. Nach wie vor gebe es im Rathaus keine konkreten Zahlen zum Steinanger und so lange würden die im Internet veröffentlichten "geheimen" Zahlen gelten (wir berichteten). Dass der Rat gegenüber den Vereinen in Zugzwang geraten sei - selbst schuld: "Da ist im Laufe eines Jahrzehnts eine Reparaturrechnung aufgelaufen, die möchte man jetzt bezahlen, indem man Grund und Boden verkauft!" Das würde sich kein Unternehmen erlauben, sondern zum Insolvenzgericht gehen. Antje Rinne sah die Sache grundsätzlicher: In den Köpfen "meiner geschätzten Ratskollegen" habe sich offensichtlich festgesetzt, "dass wir Bürger nicht in der Lage sind, über eine solche Sache kompetent zu entscheiden". Zehn Minuten gönnte Blomberg den wohl größten Bedenken der Bürgerinitiative: "Das wird ein Ghetto, da kann niemand mehr ruhig durch den Blumenwall gehen." Eine Befürchtung, die auch in der Diskussion am Ende der Veranstaltung von mehreren Gesprächsteilnehmern geäußert wurde. Immobilienmakler Dietmar Roesler hielt den Bau von rund 200 Wohnungen, wie geplant, für unrealistisch: "Wer soll dort einziehen?" Leute, die sich solchen Komfortwohnraum leisten könnten, hätten überall große Auswahl. "Und wie lange soll gebaut werden? Da kann ich den Anliegern nur mein Beileid aussprechen." Die Frage, was mit dem Steinanger passieren soll, wenn er nicht bebaut würde, beantwortete Blomberg ausweichend, es gebe einen "zukunftsweisenden Plan, den ein Architekturstudent" erstellt habe. Und was soll mit den Vereinen passieren? Für die Einwohnerschützen stellte Wilfried Stock klar: "Wir wollen bleiben, wo wird sind." Für den Reitverein erklärte Dieter Harmening, man habe nie einen Umzug für eine Million "mit goldenen Wasserhähnen" gefordert. Dietmar Roesler bemerkte dazu, andere Vereine müssten ihre Anlagen auch privat sanieren. Als mutiger Demokrat erwies sich Günther Maack (CDU), der als Ratsherr in der Höhle des Löwen den Versuch unternahm, der versammelten Hundertschaft von Bebauungsgegnern die Motive der Ratsmehrheit näher zu bringen - des Öfteren von wütenden Zwischenrufen unterbrochen. In der Frage, wer die Steinanger-Bebauung wieder auf den Tisch gebracht hat, nachdem der Rat die Sache eigentlich längst ad acta gelegt hatte, stellte sich Blomberg unwissend. Die Frage habe die Bürgerinitiative selber an das Rathaus gerichtet. Ausgelöst hatten den Stimmungswandel wohl vor allem Klaus Peters und Michael Box vom SC Rinteln, die nach dem Beschluss des Rates, den Steinanger nicht zu verkaufen, die Öffentlichkeit darauf aufmerksam gemacht hatten, dass dann auf dem Gelände selber Sanierungsbedarf bestehe. Die politische Initiative ging Ende 2005 dann von der CDU-Ratsfraktion aus. Dietrich von Blomberg bot zumindest für das Problem der Finanzierung dieser Maßnahmen am Freitagabend eine Lösung an: "Die Sanierung der Vereine bezahlen wir mit dem Aufschwung, der auch nach Rinteln kommt."



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