weather-image
27°
Rathaus-Galerie eröffnet Ausstellung mit Arbeiten von Neubürgern aus der Ex-Sowjetunion

Bewegende Bilderüber den Herbst im Herzen

Rinteln (ur). Unter dem Titel "Zwei Künstler mit dem Herbst im Herz" steht die Ausstellung, die am kommenden Montag, 10. September, um 18 Uhr in der Rathaus-Galerie eröffnet wird.

veröffentlicht am 08.09.2007 um 00:00 Uhr

Antonia Li - eine Tänzerin, die auch malt und sich von russische

Die Künstler, um die es geht, sind wohl vielen Schaumburgern längst bekannt - nicht nur durch ihre Arbeit, sondern im Zusammenhang mit dem immer noch nicht abgeschlossenen Asylverfahren für Antonia Li und ihre Tochter Tata Da ist zum einen Antonia Li selbst, die als gelernte Tänzerin autodidaktisch und über Kurse bei Valentina Leiß zum Malen gekommen ist. Ihre Bilder versuchen, eine Synthese zwischen asiatischer und europäischer Tradition herzustellen und beschäftigen sich thematisch schwerpunktmäßig mit Natur und Kirchenarchitektur, doch fehlt es auch nicht an verschiedenen Porträts, die zum Teil mit literarischen Anmerkungen versehen sind. Frau Li stammt aus Kasachstan, ihre Eltern stammen aus Russland bzw. China, sodass sie von verschiedenen Kulturen inspiriert wurde. Bis zu ihrer Emigration lebte sie mit ihrem armenischen Ehemann im Krisengebiet von Berg Karabach und versucht seit Jahren verzweifelt, für sich und ihre Tochter ein gesichertes Bleiberecht in Deutschland zu erlangen. Derzeit wird sie von Rechtsanwalt Ralf Aden aus Rinteln in dem juristischen Ringen um ihr Bleiberecht, das trotz großer Unterstützung aus der Bevölkerung und recht aufgeschlossener Haltung beim Landkreis leider noch nicht zum positiven Abschluss gekommen ist. "Ich danke allen, die mich und meine Tochter mit ihrer Unterschrift oder mit Spenden unterstützt haben!", erklärt sie bewegt im Gespräch mit unserer Zeitung. Ihr Sohn Kin Ovanesov, der mit seinem Vater bereits einen gesicherten Aufenthaltsstatus hat und in Rinteln zu den besten Abiturienten dieses Jahrgangs gehört, nimmt jetzt das Chemiestudium auf, engagiert sich aber ebenfalls künstlerisch - auch seine Arbeiten greifen immer wieder Kirchenmotive auf, sind aber formal stärker von Traditionen gelöst und bewegen sich zunehmend auf avantgardistisch-experimentellen Wegen, ohne jedoch einer völligen Abstraktion zu verfallen. Mit der Ausstellung ist auch die Hoffnung verbunden, einen weiteren Beitrag zur interkulturellen Integration zu leisten - aber sicher auch der Wunsch, Mittel aus eventuellen Verkäufen von Bildern zu bekommen. Zwar konnte die Anwaltsrechnung für das bisherige Verfahren aus dem Spendeneingang beglichen werden, aber es werden wohl noch weitere Gelder aufgetrieben werden müssen, bis die Zukunft der Familie in Schaumburg rechtlich abgesichert ist. Insofern ist diese Ausstellung in der Rathaus-Galerie kulturelle und zeitgeschichtliche Herausforderung zugleich - und der Besuch jedem anzuraten, der nicht "den Herbst im Herzen" zulassen will.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare