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Kreishandwerker besorgt / Berufsschulleiter stellen Handwerkern das Hamelner Modell vor

Bevorzugen Schüler Ausbildung in Büro und Industrie?

Bad Pyrmont (rr). „Das Sparpaket ist nur ein Schächtelchen, das in der Hosentasche verschwindet,“ war ein bitteres Resümee, das Kreishandwerksmeister Karl Wilhelm Steinmann bei der Jahreshauptversammlung der Kreishandwerkerschaft zog. Vor einem relativ kleinen Kreishandwerker, ergänzt von Repräsentanten aus Politik und Schulen, fiel sein Bericht teils ernüchternd, teils positiv aus. Die Sorgen der Handwerker sind vielfältig und ihr Image ist schlecht. „Derart negativ haben wir die Situation lange nicht gehabt“, behauptet Steinmann. „Während in der Ausbaubranche eine sonnige Stimmung herrscht, ist es im Kfz-Gewerbe zappenduster.“ Ein Werbespot illustriere, dass ohne das Handwerk vieles nicht funktioniere. Technische Geräte würden nicht repariert, Häuser, Autos und Kommunikation könnten nicht am Laufen gehalten werden. „So wichtig das Handwerk ist, so offensichtlich ist aber die Präferenz junger Schulabgänger für Berufe in der Industrie oder im Büro“, ergänzte Kreislehrlingswartin Karin Echtermann. Problematisch werde auch der demografische Wandel für die Betriebe, denn es würden in den kommenden fünf Jahren zwanzig Prozent weniger Absolventen zur Verfügung stehen, zumal sich fast die Hälfte aller Firmen über die mangelnde Ausbildungsfähigkeit der Lehrlinge beklagten. Daher mahnte Steinmann: „Wir müssen uns als Handwerksbetriebe bewegen!“

veröffentlicht am 16.06.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 17:41 Uhr

Unterstrichen wurde diese Aufforderung durch einen motivierenden Vortrag von Oberstudiendirektor Wolfgang Hartmann, der nicht nur in seiner Funktion als Chef der Eugen-Reintjes-Schule sprach. Er hatte zur Verstärkung seinen Kollegen Klaus Wollenweber und von der Elisabeth-Selbert-Schule Christiane Kaune und Schulleiterin Gisela Grimme mitgebracht. Mit dem „Hamelner Modell“ stellten sie ein in Hameln von fünf Schulen praktiziertes kooperatives Projekt vor, bei dem bereits in den Hauptschulen im Verbund mit den Berufsschulen mit der beruflichen Qualifizierung begonnen wird. So erhalten Hauptschüler im 9. und 10. Schuljahr eine berufliche Grundbildung, die den Anforderungen des ersten Ausbildungsjahres entspricht. „Die Schüler sind an der Praxis interessiert und sind belastbarer“, stellte Christiane Kaune fest. Mit der damit verbundenen höheren Motivation sinke die Zahl der Schüler ohne Abschluss. „Wenn wir weitere Schulen für den Kooperationsunterricht gewinnen, ist das auch ein Sparmodell, denn so bleiben uns viele Folgekosten erspart“, erklärte Wolfgang Hartmann. Sowohl er als auch Klaus Wollenweber appellierten an die Handwerker, künftig eher und mehr Verbindungen mit jungen Menschen aufzunehmen, „sonst wird’s im Wettbewerb eng“. Auch der neue Vorstand der Kreishandwerkerschaft wurde präsentiert. Neben dem Vorsitzenden Karl Wilhelm Steinmann gehören ihm Karl-Friedrich Schaper, Carmen Ringe, Karl-Heinz Peters, Karin Echtermann, Jörg Schmieder und Bodo Pennartz an.

Der Vorstand der Kreishandwerker, v. li.: Karl Wilhelm Steinmann, Jörg Schmie-der, Karin Echtermann, Karl-Heinz Peters, Carmen Ringe und Karl-Friedrich Schaper.

Foto: rr



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