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Ohne finanzielle Unterstützung hat die arbeitslose Marion B. die 15-jährige Maja bei sich aufgenommen

Bett und Brot - als wär's für die eigene Tochter

Landkreis (kcg). Maja G. ist dankbar. Als sie nicht länger bei der eigenen Mutter und deren alkoholabhängigem Lebensgefährten wohnen wollte, hat das Mädchen bei Marion B. und deren zwei Töchtern ein neues Zuhause gefunden. Doch statt finanzielle Unterstützung von Majas Mutter oder vom Staat zu bekommen, finanziert Marion B. den nun auf vier Personen angewachsenen Haushalt von Hartz IV - und lebt am Existenzminimum. Ein Fall für die Aktion Weihnachtshilfe unserer Zeitung.

veröffentlicht am 29.11.2008 um 00:00 Uhr

Ein neues Zuhause: Maja fühlt sich in der Familie von Marion B.

Als Maja zum ersten Mal zu Besuch im Haus von Familie B. war, konnte die zweifache Mutter nicht ahnen, dass sie die damals 15-Jährige später dauerhaft als neues Familienmitglied bei sich aufnehmen würde. "Meine Tochter Anna hat Maja nach der Schule mit nach Hause gebracht und gefragt, ob sie bei uns übernachten kann", erinnert sich die 41-Jährige. Aus einer Nacht sind viele geworden, bis das Mädchen schließlich ganzbei Familie B. eingezogen ist. Damals konnte sich Marion B. nicht mit der Situation anfreunden, ein weiteres Kind von ihrem Hartz-IV-Satz zu ernähren. "Eine Nacht war ja in Ordnung, aber um Maja dauerhaft aufzunehmen, reichte das Geld einfach nicht aus", sagt B. Erst als sie erfuhr, was das Mädchen zu Hause aushalten musste, war für die Alleinerziehende selbstverständlich, Maja ein neues Heim zu geben. Vor allem der alkoholabhängige Lebensgefährte ihrer Mutter habe Maja das Zusammenleben mit ihrer Familie unerträglich gemacht. "Er hat getrunken und Majas Mutter immer wieder geschlagen", erklärt B. für ihre Ziehtochter, die auch nach vier Jahren nicht ohne Tränen über ihre damalige Situation sprechen kann. Vor allem der Gedanke an ihre kleine Schwester Maren macht Maja zu schaffen. Sie habe sich meist ganz allein um das damals einjährige Kind kümmern müssen, erzählt sie. Heute lebt Maren unter der Obhut des Jugendamtes, das aber den Kontakt zwischen den Schwestern nicht erlaubt. "Das Jugendamt möchte ja, dass sich Maren schnell bei ihrer Pflegefamilie einlebt", erläutert B. das Verhalten der Behörde. In den vergangenen Jahren habe sie sich stets darum bemüht, Maja ein Heim zu schaffen, in dem sie sich geborgen und sicher fühlt, sagt Marion B. Dabei sei ihr wichtig gewesen, keinen Unterschied zwischen ihren eigenen Töchtern und dem Ziehkind zu machen. Auch die Feiertage verbrachte Maja lieber bei ihrer Ersatzfamilie als bei der eigenen Mutter. Ein großes Problem waren die Geldsorgen. Maja ist ohne eigene Möbel bei Familie B. eingezogen. Noch heute schläft die 19-Jährige in einem provisorisch zusammengezimmerten Bett. "Majas Mutter hat das Kindergeld einfach einbehalten", sagt B., "und auch vom Staat gab es keine finanzielle Hilfe." Erst seit einem Jahr kann Maja 154 Euro Kindergeld zum Haushalt beisteuern, das Job-Center kommt für die Miete auf. Dennoch fehlt es an allen Ecken und Enden. Die Töchter brauchen neue Wintermäntel, Maja benötigt ein neues Bett, zudem werde das vom Arbeitsamt finanzierte Heizöl knapp. Abzüglich Miete, Strom- und weiterer Fixkosten bleiben der vierköpfigen Familie knapp 200 Euro zum Leben.



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