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Alkoholverbot für Tankstellen? Rintelns Betreiber halten wenig von der aktuellen Diskussion

"Betrunkenen verkaufen wir nichts mehr"

Rinteln (clb). Nach den Kneipen, wo das Rauchen verboten worden ist, hat jetzt der Gesetzgeber die Tankstellen im Visier: Baden-Württemberg will den Alkoholverkauf an Tankstellen komplett unterbinden, zumindest nach 22 Uhr - auch in anderen Bundesländern wird das Thema inzwischen diskutiert. Würde dieses Verbot bundesweit greifen, hätte das für viele Tankstellenbetreiber erhebliche Konsequenzen - denn nur noch zwölf Prozent steuern Benzin und Diesel zum Gewinn bei. Die Waren hingegen, die in den Tankstellenshops verkauft werden, also alles von Alkohol über Zigaretten und Süßigkeiten bis hin zu Katzenfutter, machen bei vielen Tankstellen inzwischen rund 40 bis 50 Prozent des Umsatzes aus. Unsere Zeitung hat vier Rintelner Tankstellenbetreiber befragt, ob sie ein Verbot in ihrer wirtschaftlichen Existenz treffen würde, und wie sie die Entwicklung des Tankstellensortiments langfristig beurteilen.

veröffentlicht am 16.02.2008 um 00:00 Uhr

Eine Party, die die Polizei aufgelöst hat - der hochprozentige S

"Alles nicht so dramatisch", sagt Ulrich Wollmann , Chef der gleichnamigen Tankstelle mit Kia-Vertretung und Werkstatt am Seetor. Durch den Supermarkt WEZ neben an, der bis 20 Uhr geöffnet hat, sei das nächtliche Geschäft mit Alkohol ohnehin längst spürbar zurückgegangen. Und alkoholische Getränke seien längst nicht mehr der Umsatzbringer. Besser laufen im Shop Zeitungen, Snacks, Süßigkeiten, nicht alkoholische Getränke und DVDs. Der Tabakumsatz habe sich praktisch verdoppelt, seit man Zigaretten an Automaten nur noch mit EC-Karte ziehen kann. Außerdem sei der Alkoholverkauf ohnehin immer strikt gehandhabt worden - kein Verkauf an Jugendliche - und wer sichtlich betrunken ist, bekommt hier keinen Nachschub. Was Wollmann mehr stört, ist die auch hier wieder erkennbar grundsätzliche Tendenz der Politik, alles zu verbieten. Offensichtlich vertrauten Politiker nicht mehr dem mündigen Bürger und einer gewissen Selbstkontrolle: "Irgendwann müssen dann Kondom-Automaten so hoch gehängt werden, dass garantiert kein Jugendlicher mehr dran kommt." Auch für Susanne Peterding von der Shell-Tankstelle in Möllenbeck wäre ein Verbot des Alkoholverkaufs zur Abendzeit keine Katastrophe: "Unsere Tankstelle schließt um 22 Uhr, bis dahin verkaufen wir, wenn Alkohol, dann ohnehin meist nur Dosenbier." Entscheidender sei der Gesamtumsatz der Angebots- palette. Dazu gehöre neben dem Shopverkauf auch die Waschanlage: "Die Mischung macht es." Stefan Keil , Geschäftsführer der Esso-Tankstelle an der Konrad-Adenauer-Straße, kann nicht bestätigen, dass der Alkoholkonsum dramatisch zugenommen hat, wie Politiker behaupten. Im Gegenteil - die Umsätze seien generell zurückgegangen. Selbstverständlich würde es sich in der Kasse bemerkbar machen, wenn in Zukunft kein Alkohol mehr verkauft werden dürfte, denn: "Die Tankstelle lebt von Kraftstoff ebenso wie von Alkohol." Seine Stammkundschaft komme ohnehin erst gegen Mitternacht, wenn die anderen Geschäfte längst geschlossen haben. "Wir kontrollieren aber jeden unserer Kunden nach seinem Alter, und Betrunkenen verkaufen wir nichts mehr." "Bei diesen Benzinpreisen ist esüberhaupt kein Wunder, dass man in den Tankstellen mehr auf andere Waren umsteigt", bestätigt Marina Pohling , stellvertretende Geschäftsführerin der Aral-Station neben dem Kino, die sich ebenfalls zu einem kleinen Supermarkt entwickelt hat: Von frischen Brötchen bis hin zu Süßigkeiten, Nudeln und Zeitschriften - das Sortiment wird immer mehr erweitert. Etwa die Hälfte der Einnahmen bringe der Benzinverkauf, die andere Hälfte werde mit den Waren aus dem Shop erwirtschaftet, schätzt Marina Pohling. Vier Jahre arbeite sie nun schon in der Filiale und habe in dieser Zeit eine deutliche Veränderung beobachtet: "Vor vier Jahren haben wir noch viel mehr Benzin verkauft." Auch sie hält "überhaupt nichts" von einem Alkoholverbot: "Wir überprüfen sowieso alle Käufer, und unter 18 Jahren gibt es keinen Alkohol."

Die Esso-Tankstelle an der Konrad-Adenauer-Straße verkauft gener
  • Die Esso-Tankstelle an der Konrad-Adenauer-Straße verkauft generell keinen Alkohol an Minderjährige. "Wir kontrollieren jeden Kunden nach seinem Alter", sagt Geschäftsführer Stefan Keil und weist auf das Infoschild hin. Seine Stammkundschaft kommt erst gegen Mitternacht, wenn die anderen Geschäfte geschlossen haben. Fotos: tol


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