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Diakonie-Berater helfen Alkoholsündern, Probleme zu bewältigen und Führerschein wiederzubekommen

Betrunken am Steuer - dann droht die MPU

Rinteln (wm). MPU, diese drei Buchstaben können manchem den Angstschweiß auf die Stirn treiben, der dringend seinen Führerschein wieder braucht - beispielsweise, weil er Berufskraftfahrer ist. MPU steht für medizinisch-psychologische Untersuchung beim Technischen Überwachungsverein (TÜV), und die wird fällig, wenn man betrunken am Steuer erwischt wird. Ohne vorherige Schulung und Beratung ist diese Prüfung nicht zu schaffen, sagen die Diplom-Sozialpädagogin und Sozialtherapeutin Corinna Beckschäfer und der Suchtkrankenhelfer Friedrich-Wilhelm Möhring. Und die Vorweihnachtszeit mit den vielen Adventsfeiern sei die richtige Zeit, auf dieses Problem hinzuweisen.

veröffentlicht am 30.11.2007 um 00:00 Uhr

Helfen bei der Vorbereitung auf die "medizinisch-psychologische

Viele, die eine Vorladung zu einer MPU erhielten, würden vor allem das psychologische Einzelgespräch unterschätzen. Möhring: "Da nützt es nichts, dem Psychologen einfach nur zu versichern, man habe sich auch ganz fest vorgenommen, sich nicht mehr alkoholisiert hinters Steuer zu setzen." Schummeln funktioniert nicht. Denn bei einer medizinischen Untersuchung wird der gesundheitliche Status des Kandidaten ermittelt, Blutproben enthüllen, ob der Kandidat tatsächlich in den letzten Wochen "trocken" war oder nicht. Und ob der ertappte Alkoholsünder am Steuer Gewohnheitstrinker ist oder nicht, lässt sich meist schon mit dem Alkotest vor Ort feststellen: Wer mit 1,6 Promille noch locker aus dem Auto steige, gelte bei Polizeibeamten nicht als trinkender Autofahrer, sondern als fahrender Trinker, schildert Corinna Beckschäfer: "Wer keinen Alkohol gewöhnt ist, kriegt schon ab 0,8 Promille den Wagen nicht mehr in Gang." Für alle MPU-Kandidaten bietet der Verein der Selbsthilfegruppen für Alkohol- und Medikamentenabhängige unter dem Dach des Diakonischen Werkes spezielle Trainingsgruppen an - in Rinteln wie in Stadthagen. Es ist eine ganz unterschiedliche Klientel, die sich hier trifft: Autofahrer, die einmal zu tief ins Glas geschaut und dann die Polizeikelle gesehen haben, ebenso wie gewohnheitsmäßige Trinker und Alkoholkranke. In Einzelgesprächen mit Corinna Beckschäfer wird geklärt, wie wem geholfen werden kann - Alkoholkranke werden beispielsweise an eine Therapie und Selbsthilfegruppe weitergeleitet. Denn dann geht es nicht mehr in erster Linie um den Führerschein, sondern zu allererst um die Lösung des grundsätzlichen Problems. Und noch einen Vorteil bieten die Selbsthilfegruppen der Diakonie: Die Vorbereitung auf die MPU ist deutlich preiswerter als Angebote anderer Institutionen, für die man bis zu 2000 Euro hinlegen muss. Möglich sei das, schilderte Möhring, weil die Gruppen mit zehn bis fünfzehn Teilnehmern von ehrenamtlich tätigen Mitarbeitern geleitet werden. Und das mit Erfolg: Die Erfolgsquote nach einem Gruppentraining liege bei 90 Prozent. Wer Erfolg haben will, schilderte Möhring, brauche allerdings auch Geduld: "Mit Auswendiglernen ist das nicht zu machen - wer die MPU bestehen will, muss seine Einstellung verändern und das auch überzeugend darlegen können - und das braucht seine Zeit." Erfreulich seien, so Möhring, die positiven Zahlen: Die Gruppe in Rinteln habe jüngst die 50. erfolgreich absolvierte Prüfung melden können. Der Suchtkrankenhelfer registriert auch Veränderungen in der Arbeitswelt - "auch am Bau gehört nur noch selten die Kiste Bier zum Tagessoll" - außerdem sei der Führerschein, vor allem für Männer, inzwischen ein enorm wichtiges Statussymbol. "Ist der weg, ist auch die Mobilität dahin."



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