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Vor Gericht: Versteckter Mangel wird entdeckt / 5000 Euro Geldstrafe für Besitzerin / Maklerin rechtskräftig wegen Meineids verurteilt

Betrug: Haus in Schieflage verkauft - mit 14 Zentimetern Gefälle

Stadthagen (menz). Weil sie ein Haus mit 14 Zentimetern Schieflage verkauft hat, ohne den Käufer über den eklatanten Mangel aufzuklären, ist eine Schaumburgerin vom Stadthäger Amtsgericht zu 5000 Euro Geldstrafe verurteilt worden.

veröffentlicht am 22.11.2007 um 00:00 Uhr

Für ein gepflegtes Anwesen hatte sich ein Mann entschieden, als er sich im August 2002 Eigentum zulegen wollte. "Tip-top" habe alles ausgesehen, bestätigte ein Zeuge. Eine rollende Bierflasche verdarb dem frischgebackenen Hausbesitzer die Freude und war schuld daran, dass er die Immobilie an der Bergkette doch nicht haben wollte. Das Haus stand schief und neigte sich mit 14 Zentimetern Gefälle nach Norden. Die Tinte unter dem Kaufvertrag war kaum getrocknet, da wurde der Hausverkauf ein Fall für die Juristen. Die bisherige Eigentümerin verweigerte den Rücktritt vom Kaufvertrag und verklagte den Mann. Den Zivilprozess hat die Schaumburgerin, imÜbrigen die Ehefrau eines bekannten Kommunalpolitikers, in beiden Instanzen verloren. Sie musste das Haus behalten und handelte sich obendrein ein Strafverfahren wegen Betruges ein. Ihr wurde vorgeworfen, dass sie von dem Schiefstand des Hauses beim Verkauf gewusst hat. Im Prozess ist die Schaumburgerin jetzt zu einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen verurteilt worden; im Fall der Frau entspricht das einer Gesamtsumme von 5000 Euro. Die Frau habe "wesentliche Tatsachen beim Vertragschluss verschwiegen", formulierte der Richter in der Urteilsbegründung. Auf "zahlreiche Indizien" stützte Kai-Oliver Stumpe seine Überzeugung, dass die Eigentümerin um Probleme mit dem Haus wusste. Sie habe davor "bewusst die Augen verschlossen". Unstreitig war die Frau in dem Haus ihrer Eltern jahrelang aus- und eingegangen, sie kannte die Reparaturen. DieMutter war über das Absacken des Hauses aufgeklärt, deshalb hielt es der Richter für lebensfern anzunehmen, darüber sei in der Familie nicht gesprochen worden. Nachweislich gewusst hat die Maklerin vom Schiefstand es Hauses. Sie hat das zwar standhaft abgestritten, im Zivilprozess sogar geschworen, wurde aber rechtskräftig wegen Meineids verurteilt. Im Strafprozess hatte sie einen Rechtsanwalt als Zeugenbeistand dabei und sagte unter Hängen und Würgen aus. "Sicherlich habe sie nicht über einen Schiefstand mit der Auftraggeberin gesprochen", entlastete sie aber die ehemalige Auftraggeberin. Der Strafrichter warüberzeugt, dass das nicht stimmte. Man könne ihm "nicht weismachen", dass die Maklerin mit ihren Informationen "hinter dem Berg gehalten hat". Die Eigentümerin habe sich vielmehr "auf die Mitwirkung verlassen können" - bis hin zum Meineid im Zivilverfahren. Wie es dazu gekommen ist, habe das Gericht nicht aufklären können. Die Maklerin sei "offensichtlich" in einer "großer Zwangslage" gewesen. Stumpe bedauerte sie, jetzt mit einer dicken Vorstrafe wegen eines Verbrechens belastet, als "große Verliererin". Dubios schien dem Richter die Rolle des Arbeitgebers der Maklerin. Der Gedanke, dass man dort ebenfalls informiert war, lag Stumpe, so schien es, nicht fern. Um ein Haar wäre der unwillige Hauskäufer auf der Immobilie sitzengeblieben. Die Ausgangslage der Schaumburgerin für den Zivilprozess sei "brillant" gewesen, resümierte der Richter. Das änderte sich erst mit einem Besuch des unwilligen Hauskäufers bei einem Herrenausstatter in Stadthagen. Ein Gespräch mit dem befreundeten Inhaber ließ eine Verkäuferin hellhörig werden. Die Frau stiftete den Kontakt zu einem Bekannten, der das Haus wegen des Schiefstandes nicht gekauft hatte. Der Mangel war der Maklerin auch mit der Wasserwaage demonstriert worden. "Was glauben Sie, warum das Haus so billig angeboten wird?" soll sie dazu gesagt haben. Apropos billig, ein Gutachter bescheinigte, das Haus sei "nahezu unverkäuflich".



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