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Ausländerbehörde verfügt: Ehefrau und Tochter sollen Deutschland bis 30. Juni verlassen

Bestens integriert - trotzdem droht Abschiebung

Rinteln (ur). Integrationsbereitschaft wird allen Ausländern abgefordert, die in Deutschland leben. Dazu der Erwerb von Sprachkenntnissen - oft genug mit besonderem Nachdruck von Menschen, die in ihrer Muttersprache selbst nur in begrenztem Maße heimisch sind und sich deshalb in ihrer Argumentation auf ausgesprochen schlichte Parolen beschränken.

veröffentlicht am 07.06.2007 um 00:00 Uhr

Die getrennt lebende Ehefrau Li Antonina und ihre Tochter Tatevik Ovanesov aber sollen laut Verfügung der Ausländerbehörde in Stadthagen spätestens bis zum 30. Juni Deutschland in Richtung ihrer Heimatregion Berg Karabach verlassen haben, deren nationaler Status zwischen Armenien und Aserbeidschan umstritten ist - eine Verfügung gegen Mutter und Tochter, obwohl auch diese beiden geradezumustergültig integriert sind. Li Antonina gehört zu den Mitbegründern der Kulturinitiative "Mensch", organisiert immer wieder Lesungen, Ausstellungen und Tanzvorführungen für Deutsche und Ausländer. Ihre Tochter Tatevik besucht derzeit mit gutem Erfolg die 6. Klasse des Gymnasiums Ernestinum - woübrigens auch ihr Bruder Kin Ovanesov Schüler der Oberstufe ist und gerade sein Abitur macht. Schulleiter Reinhard Lüthen dazu: "Kin gehört nicht nur zu den besonders guten Schülern seiner Klasse, sondern trägt mit seinem Verhalten und seiner konstruktiven Offenheit auch positiv zum Schulklima bei." Die Drohung mit der Abschiebung kam offenbar, weil Li Antonina und ihre Tochter dem bereits mit einem dauerhaften Aufenthaltsrecht versehenen berufstätigen Ehemann und Vater von Kin und Tatevik nachreisten und ihre Asylanträge in unterschiedlichen Verfahren bearbeitet wurden. In einem besorgten Schreiben alarmierte Kin Ovanesov die Schulleitung von dem Schicksal, das seiner Schwester und seiner Mutter droht. Schließlich kündigt der Landkreis an, sich nach Ablauf des Monats Juni eine Abschiebung in das von Krisen geschüttelte Herkunftsland vorzubehalten. Im Kreis von Freunden und Bekannten, Mitschülern und auch Lehrern gibt es bereits Diskussionen, wie man das Auseinanderreißen der Familie verhindern und doch noch ein Bleiberecht erreichen kann: "Das ist nicht nur im Interesse der Betroffenen, sondern auch von uns, denn solche engagierten, kooperativen, aufgeschlossenen und integrationsbereiten Menschen werden doch gebraucht - gerade in der Epoche der Globalisierung!" Sozialdezernentin Ursula Kraatz vom Landkreis Schaumburg und Landkreissprecher Klaus Heimann sehen das Ausländeramt nach endgültiger Ablehnung der Asylanträge im Zugzwang, halten aber für die 14-jährige Tochter eine Zwischenlösung für möglich, während sie für die Mutter (die aber das Sorgerecht hat) nach Aktenlage keine Chance sehen - jedenfalls nicht, solange nichts über die familiäre Perspektive dargelegt wird: "Das müsste aber über den Anwalt der Betroffenen vorgenommen werden."



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