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Unternehmer diskutierenüber Auswirkungen der Finanzkrise

Besonders kleine Betriebe betroffen

Stadthagen (kcg). Die weltweite Finanzkrise hat auch Auswirkungen auf die Wirtschaft im Schaumburger Land. Das war der Tenor einer Podiumsdiskussion während der Schaumburger Börsennacht. Drei Schaumburger Unternehmer sowie Landrat Heinz-Gerhard Schöttelndreier und Sparkassenchef Hans-Heinrich Hahne stellten sich vor mehr als 400 Zuhörern in der Sparkasse am Stadthäger Markt den Fragen von Moderator Uwe Graells.

veröffentlicht am 17.11.2008 um 00:00 Uhr

Auf dem Podium (v.l.): Hans-Heinrich Hahne, Joachim Tippke, Frie

Als Auswirkungen der Krise auf dem Finanzmarkt sieht sich Joachim Tippke (Gemac Bückeburg) vor allem mit der Zurückhaltung einiger Kunden konfrontiert. Unter der aberwitzigen Entwicklung der Stahlpreise habe hingegen die Gustav Knippschild GmbH aus Rinteln zu leiden, wie Geschäftsführer Dirk Vogt betonte. "Wegen der guten Entwicklung in den vergangenen drei Jahren sind wir optimistisch in das Jahr 2008 gestartet, haben Mitarbeiter eingestellt und ausgebildet. Der rasante Anstieg der Preise hat uns dann ganz kalt erwischt", so Vogt: "Das war bisher ein sehr schwieriges Jahr." Die generelle Situation für Leiharbeiter auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland schätze er als schlecht ein, da deren Arbeitsplätze die ersten seien, die angesichts zurückgehender Aufträge abgebaut würden. Vogt ist sich indes sicher, die Stammbelegschaft seines Metallbauunternehmens bis Februar 2009 halten zu können. "Eine weitere Prognose zu geben, wäre wie in eine Glaskugel zu schauen." Schöttelndreier sagte, dass vor allem die kleinen und mittleren Betriebe im Landkreis die Auswirkungen der Rezession zu tragen haben werden. So rechne er für 2009 mit einer höheren Arbeitslosenquote, die für den Landkreis mit um zehn Millionen Euro höheren Ausgaben für Hartz IV und Arbeitslosengeld II einhergehen werden. Bei den Gewerbesteuereinnahmen der Kommunen werde sich das kommende Jahr allerdings noch unproblematisch zeigen. "2008 gab es noch stattliche Einnahmen, die im Haushalt erst ein Jahr später einkalkuliert werden", erläuterte der Landrat. Schöttelndreier kündigte an, weiter in Schulen und den Straßenbau zu investieren. Bestes Indiz, das Konjunkturprogramm des Landkreises auch 2009 aufrechtzuerhalten, sei dabei, dass Schaumburg bei der Gründungsintensität weit vorne läge. "Es gibt einen regelrechten Run auf arbeitsplatzfördernde EU- und Kreismittel." Nur geringe Sorgen um die Lage auf dem Weltmarkt machte sich Friedhelm Eckermeier (Lühr Filter Stadthagen), da sich seine Firma auf Produkte im Bereich Umweltschutz spezialisiert habe. Diese seien nicht konjunkturabhängig. Auch im Ausland würden Lühr-Filtersysteme hoch geschätzt, 50 Prozent des Umsatzes mache der Betrieb durch Exporte. "Die großen Unternehmen, mit denen wir zusammenarbeiten, sind eine sichere Basis", führte Eckermeier aus. In Sachen Kredite gab Hahne Entwarnung für kleinere Betriebe. Die Sparkasse werde ihre Kreditbedingungen nicht verändern, sodass die Kreditwünsche der Unternehmen bei entsprechender Bonität weiterhin erfüllt würden. Allerdings sei spürbar, dass sich die Bonitätslage der kleineren Handwerksbetriebe verändert habe. Schließlich äußerte sich Tippke zum Tarifabschluss der IG Metall, der seiner Meinung nach sowohl für Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber nicht zufriedenstellend ausgefallen sei. "Das Problem beim Flächentarif ist, dass sehr viele unterschiedliche Unternehmen über einen Kamm geschert werden", so Tippke. Die Konsequenz daraus sei, dass zahlreiche Betriebe aus dem Arbeitgeberverband austreten werden.

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