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Vor Gericht: Beweisantrag der Verteidigung - Mordprozess verzögert sich

Bernd S. und seine Vorstrafen: Bankräuber, Dieb und Randalierer

Rinteln/Bückeburg (ly). Ob Bernd S. ein Mörder oder Totschläger ist, muss das Bückeburger Schwurgericht noch feststellen. Auf jeden Fall ist er ein verurteilter Bankräuber, Dieb, Verkehrssünder und Randalierer, der auch schon mal einen Molotow-Cocktail geworfen hat.

veröffentlicht am 12.09.2008 um 00:00 Uhr

Am jüngsten Verhandlungstag sind die Vorstrafen des 30-Jährigen zur Sprache gekommen, dem außer dem mutmaßlichen Mord an Krystyna Pagacz-Znoj (47) der brutale Angriff auf eine heute 66 Jahre alte Eisbergerin vorgeworfen wird. Ende 2000 hatte S. einen Rachefeldzug gegen seine frühere Freundin gestartet. So warf der wütende Koch einen Brandsatz gegen ein Rintelner Haus, in dem er die Verflossene vermutete. Diese wohnte jedoch nebenan. Außerdem schlug S. eine Autoscheibe am Wagen des neuen Freundes der Ex ein, bevor er dem "falschen" Haus weitere Besuche abstattete, diesmal mit Steinen bewaffnet. Das Rintelner Amtsgericht erkannte auf versuchte schwere Brandstiftung, einen Verstoß gegen das Waffengesetz (wegen des Molotow-Cocktails) sowie fünffache Sachbeschädigung. Das Urteil: Zehn Monate mit Bewährung, dazu 5000 Mark Buße. Um danach an Geld zu kommen, plante S. Banküberfälle. Ende August 2001 überfiel er maskiert und mit einer ungeladenen Gaspistole bewaffnet die Sparkasse Eisbergen. Beute: etwa 19 500 Mark. Rund 10 000 Mark waren es Anfang September desselben Jahres in Rehren. Das Bückeburger Landgericht verhängte daraufhin insgesamt sieben Jahre und neun Monate Haft, wovon der Rintelner zwei Drittel verbüßte, bevor er auf Bewährung entlassen wurde. Auch bei seinem früheren Arbeitgeber, einer Reha-Klinik in Bad Oeynhausen, ist der Koch unangenehm aufgefallen. Mit einem Generalschlüssel, den alle Köche bekamen, verschaffte er sich Mitte 2001 in drei Fällen Zugang zum Lebensmittellager und lud sein Auto mit Kaffee, Tee und Keksen voll, zum Teil bis unters Dach. Hinzu kommen Vorstrafen wegen Verbreitens von Propagandamitteln verfassungswidriger Organisationen, Trunkenheit im Straßenverkehr sowie Fahrens ohne Fahrerlaubnis. Im laufenden Indizienprozess verspricht der kommende Montag noch einmal Spannung. Erneut wird ab 9 Uhr ein Rintelner vernommen, der nach Darstellung des Angeklagten im November 2000 die Leiche von Krystyna Pagacz-Znoj beseitigt haben soll. Beide Männer waren oder sind befreundet. Die Kammer geht mit dieser Vernehmung einem Beweisantrag der Verteidigung nach. Der Prozess verzögert sich dadurch. Mit den Plädoyers von Staatsanwaltschaft, Nebenklage und Verteidigung ist nun frühestens Mittwoch zu rechnen, mit einem Urteil nicht vor dem 22. September. Dieses war ursprünglich für den 17. September vorgesehen. Am jüngsten Prozesstag hat die Vorsitzende Richterin Dr. Birgit Brüninghaus einen rechtlichen Hinweis gegeben, dass im Fall Pagacz-Znoj auch eine Verurteilung wegen Totschlags in Betracht kommen könnte.

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