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Wenn Eltern ihre Kinder bis zur Schultür fahren: Polizei fordert Ende der chaotischen Zustände

Berlinschule: Der tägliche Verkehrswahnsinn

Bad Nenndorf (rwe). Appelle fruchten nicht, mahnende Worte der Polizei verklingen ungehört, nicht einmal Knöllchen helfen offenbar. Bald jeden Morgen spielt sich auf der Schillerstraße vor der Berlinschule ein kleines Verkehrs-Chaos ab. Eltern parken in zwei Reihen, im Halteverbot oder auf der falschen Seite, um ihre Kinder bis vor die Tür zu kutschieren. Nenndorfs Polizei-Chef Michael-Andreas Meyer will dem ein Ende setzen, auch Samtgemeindebürgermeister Bernd Reese sieht Handlungsbedarf. Beide kündigen an, bald mit dem neuen Schulleiter Torsten Rolke nach einer Lösung zu suchen.

veröffentlicht am 09.02.2007 um 00:00 Uhr

Schon wieder parkt ein Vater falsch herum: Polizist Ferdinand Vy

Morgens um 7.45 Uhr ist die Welt für Ferdinand Vyskocil nicht in Ordnung, jedenfalls nicht in der Schillerstraße. "Bestimmt zum 50. Mal" schiebt der Polizist dort Dienst, wenn die Eltern ihre Kinder bringen und in der Straße ein Chaos ausbricht. "Das ist eigentlich viel zu eng hier. Wenn sich alle an die Verkehrsregeln hielten, ginge nichts mehr." Ein Vater stellt seinen Toyota auf die falsche Straßenseite, Vyskocil marschiert los und ermahnt ihn. Doch von Einsicht keine Spur. DerÄrger um den täglichen Verkehrswahnsinn schwelt schon lange. Vor vielen Jahren hatte die Schule den Haupteingang auf der Bahnhofstraße geschlossen, da die Schule von Passanten oft als Durchgang genutzt wurde und dadurch auch mehr Ruhe im Foyer ist. Als Eingang dienen nun die zwei Ausgänge zum Pausenhof an der Schillerstraße. Auch morgens zum Unterrichtsbeginn ist die Tür zur Bahnhofstraße verschlossen, obwohl direkt davor eine lange Haltebucht ist. Nur die Lehrer nutzen das ehemalige Hauptportal, das eigentlich als Notausgang ohnehin offen gehalten werden müsste. So strömen die Kinder über die Schillerstraße in die Schule. Auch wenn es an diesem Morgen ruhiger ist, in den 15 Minuten herrscht Hochbetrieb. Die Schüler flitzen zwischen den Autos über die Straße. Wenn es regne, sei bedeutend mehr los, sagt Vyskocil. Und richtig haarig werde es, wenn auch noch die Müllabfuhr zu der Zeit durch die Straße rollt. Zu den Augenzeugen gehört auch Lehrerin Marita Schreiber. Das Thema steht bei ihr beim nächsten Elternabend auf der Tagesordnung - wieder einmal. Sie versteht nicht, warum die Kinder nicht in der Bahnhofstraße aussteigen, von dort aus könnten diese sicher an der Obstwiese entlang in die Schule gehen. "Die Minuten an der frischen Luft am Morgen machen die Kinder wach." Ähnlich sieht das Rektor Torsten Rolke. Erst drei Tage im Dienst, ist das Thema längst bei ihm angekommen. Er spricht nicht nur von Chaos, auch Streit und böse Worte gehören an manchen Tagen dazu. Er will "Abhilfe schaffen" und erwägt, den alten Eingang morgens zu öffnen. Allerdings müsste dann dort auch eine Aufsicht stehen. Rolke sieht jedoch vor allem die Eltern in der Pflicht. Die Kinder könnten auch ein paar Schritte laufen. Er appelliert, rechtzeitig aufzustehen und so die Minuten dafür übrig zu haben. Appelle sind nicht neu. Das weiß auch Schulelternratsvorsitzende Beate Klug. "Viele haben gute Vorsätze, beherzigen diese in der morgendlichen Hektik dann aber nicht." Sie hat im Winter mit anderen eine Fahrgemeinschaft gegründet, in der hellen Jahreszeit laufen ihre Kinder zur Schule. Klug: "Wir haben auch schon über Schülerlotsen nachgedacht, aber das geht nicht." Künftig sollen die Eltern sogar schon vor der Einschulung schriftlich informiert werden, wie sie ihre Kinder am besten zur Schule bringen. Von Appellen hat auch Michael-Andreas Meyer, Leiter des Polizeikommissariates, genug. "Wir waren im Sommer bei allen Elternabenden der ersten Klassen, das hat nicht viel gebracht." Drei Mal die Woche schickt er morgens Beamte an die Schule, um die Eltern zu ermahnen. "Nur bei hartnäckigen Vertretern oder frechen Antworten zücken wir auch ein Knöllchen", so Meyer. Auch das verändert die Lage nicht. Aus der Schillerstraße eine Einbahnstraße zu machen, lehnt er ab. "Das wäre für 20 Minuten am Tag nicht sachgerecht." Den Verzicht, den Haupteingang zu benutzen, hält er für keine gute Idee. "Da muss sich etwas tun", so Meyer. Allerdings sei nicht nur die Polizei gefordert, sondern auch die Nenndorfer Politik. Das sieht auch Samtgemeindebürgermeister Bernd Reese so. Durch die Appelle alle halbe Jahre verbessere sich die Situation nur phasenweise. Er sieht Handlungsbedarf und kündigt "eine konzertierte Aktion" mit Verwaltung, Schule und Eltern an. "Da ist es mit einer Maßnahme wohl nicht getan." Polizist Vyskocil wundert sich bisdahin weiter über manche Eltern. Die stellten ihr Auto einfach an der Straße ab und brächten die Kinder dann noch bis in die Klasse. "Aus Angst vor Gewalt sollen die nicht allein über den Schulhof gehen." Für ihn eine Ausrede. Von Gewalt auf dem Schulhof hat er bisher nichts gesehen - trotz der vielen Einsätze.



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