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Hier ist der Sitz derer von Alten

Bergauf und bergab um Gut Posteholz

Nicht nur Start und Ziel dieser Wanderung, sondern auch ihr inhaltlicher Mittelpunkt ist der zum Flecken Aerzen gehörende Ort Posteholz mit dem dortigen Rittergut. Dessen Name wiederum ist untrennbar verbunden mit dem der hier ansässigen Familie von Alten, die einem seit über 800 Jahre nachweisbaren niedersächsischen Uradelsgeschlecht mit einem weit verzweigten Familienverband angehört. Der im April 2004 im Alter von 87 Jahren verstorbene Baron Siegfried Hanach von Alten, Vater des jetzigen Herrn auf Posteholz, Dr. Henning von Alten, war der Seniorchef der großen Familie und schon zu Lebzeiten eine Legende.

veröffentlicht am 02.10.2010 um 04:12 Uhr

Nicht über sieben Brücken führt uns der Weg, aber immerhin über

Autor:

Ingeborg Müller

Der Rat des gleichermaßen kunstsinnigen wie witzigen Barons in Fragen der Kultur- und Denkmalpflege war ebenso gefragt wie sein Mäzenatentum. Beides wurde beispielsweise in Anspruch genommen, als es um die Restaurierung des berühmten Fischbecker Wandteppichs ging. Dieser Gobelin, der im Kloster Fischbeck bei Hessisch Oldendorf in sechs Medaillons die Legende der Stiftsgründung darstellt, wurde 1583 unter der Regentschaft der damaligen Äbtissin Anna von Alten gefertigt, einer Ahnin jenes Herrn auf Posteholz. Der sorgte dafür, dass die aufwändigen Arbeiten an diesem Kleinod von seiner Familie bezahlt wurden.

Gut Posteholz kam jedoch erst 1888 in den Besitz der Familie, als der Kapitän Julius von Alten es einer der zahlreichen Familien Münchhausen abkaufte. Doch auch diese hatte es nicht einmal hundert Jahre besessen. Vor ihr war eine später ausgestorbene Familie von Post Besitzer des Gutes, als dessen Gründer und Namensgeber sie gilt.

Der kleine Ort Posteholz liegt oberhalb des Rittergutes. Dort beginnen wir unsere Rundwanderung. Mit dem Auto sind wir in Groß Berkel von der Bundesstraße 1 abgebogen und über Königsförde und Grupenhagen im Goldbachtal aufwärts gefahren, vorbei an der früher zum Gut gehörenden Schrappmühle und dem Rittergut selbst. Nach einigen größeren Kehren weist uns ein Schild an der Fahrstraße nach rechts in die Straße Fasanenhof zu dem 50 Meter entfernten Wanderparkplatz. Er liegt am Richard-Oelze-Platz, der nach dem 1980 verstorbenen namhaften Maler benannt ist. Richard Oelze lebte und arbeitete fast zwanzig Jahre lang in Posteholz. Er war Schüler des Bauhauses Dessau und entwickelte eine eigene Form des Surrealismus. „Fasanenhof“ heißt die Posteholzer Haltestelle der Buslinie 34 Hameln–Bösingfeld des Nahverkehrs Hameln-Pyrmont.

Besonders akkurat zusammengefügt ist dieser Steinplatten-Zaun in
  • Besonders akkurat zusammengefügt ist dieser Steinplatten-Zaun in Egge.
Rot leuchten die Ebereschen am Wanderweg nach Posteholz.
  • Rot leuchten die Ebereschen am Wanderweg nach Posteholz.
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Im steinernen Torgebäude des Ritterguts befindet sich heute eine
  • Im steinernen Torgebäude des Ritterguts befindet sich heute eine Kapelle. Fotos:i-r
Besonders akkurat zusammengefügt ist dieser Steinplatten-Zaun in
Rot leuchten die Ebereschen am Wanderweg nach Posteholz.
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Im steinernen Torgebäude des Ritterguts befindet sich heute eine

Um einen Waldspaziergang in unsere Wanderung einzubeziehen, folgen wir der Markierung für den Rundwanderweg 10, der auf einer Länge von 45 Kilometern im großen Bogen um Aerzen führt und recht gut markiert ist. Er bringt uns auf dem ersten nach rechts abgehenden Wiesenweg zum Wald des Bergzugs Hauben. Am Waldrand halten wir uns links und werden kurz vor einem kleinen Tal nach rechts in den Wald gewiesen. Über zwei Brücken müssen wir gehen – die zweite überquert die recht romantisch wirkende „Wolfsschlucht“. Die 10 führt uns dann zu einem oberhalb des Tales führenden unbefestigten Wanderweg. Er stößt auf einen breiteren, mit einer 12 markierten Weg, dem wir nach rechts folgen, um zunächst durch Wald und dann durch Wiesen direkt zum Rittergut zu gelangen.

Der mächtige Torturm aus dem 16. Jahrhundert stammt noch von der einstigen Wasserburg der Herren von Post. Der vorige Besitzer ließ ihn zum Kapellenraum umbauen. Das Fachwerk-Herrenhaus stammt von 1766. Auf der Fahrstraße gehen wir nun nach links bis zur Parkbucht mit Bushaltestelle. Die Fahrstraße macht hier eine Linkskurve. Aus der Parkbucht aber führt eine schmalere Straße hinunter, der wir in Richtung Boldenkoven folgen und uns bei der Gabelung links halten. Von diesem zunächst eben verlaufenden, später ansteigenden Weg haben wir einen schönen Fernblick, wie wir es bei unserer Rundwanderung noch öfter erleben werden.

Noch vor dem ersten Grundstück von Boldenkoven biegen wir schräg zurück nach rechts ab und wandern nun auf den Ort Egge zu. Jenseits von Boldenkoven steigen Lünings- und Ahornberg an, und westlich davon erhebt sich das Bergmassiv der Hohen Asch mit seiner typischen Silhouette. Egge erreichen wir bei dem renommierten Gasthaus „Zum Specht“ und gehen nach rechts durch den Ort. Bereits beim ersten Haus können wir einen jener Steinplattenzäune bewundern, die für einen sehr begrenzten Raum nördlich von Aerzen typisch, deutschlandweit aber eine absolute Seltenheit sind. Diese aufwendigen Einfriedungen sind vermutlich die Folge schweren Holzraubbaues und einer daraus resultierenden Anordnung von 1678 aus Hannover, künftig auf Holzzäune zu verzichten. Mit Pferdewagen oder Schlitten wurden die gespaltenen Steinplatten mit einem Gewicht von bis zu anderthalb Tonnen von den Steinbrüchen, unter anderem am Lüningsberg und am Hauben, angefahren und so aneinander gefügt, dass die untere Hälfte in der Erde steckt und zwischen den oberen Teilen keine Lücken entstehen. Die etwa einen Meter hohen Zäune sind sehens- und erhaltenswert!

Beim Ortsende von Egge führt der Rundweg 10 hinunter nach Flakenholz. Vor uns liegt zunächst der Friedhof mit dem markanten Glockenturm und einigen weiteren Gebäuden. Vom letzten Eingang gelangt man über einige Stufen nach rechts zu den Gräbern der Familie von Alten und auch zu dem Grab von Richard Oelze. Das „Seelenloch“ in seiner eigenen Grabplatte zeigte der Senior zu Lebzeiten gern seinen Besuchern.

Wir umwandern den Friedhof und folgen der 10 hinunter nach Flakenholz, zunächst wieder auf einem Feldweg, dann auf der Straße. Sie biegt bei der Brücke über den Goldbach nach rechts und führt direkt nach Posteholz. Wanderern, die eine besonders schöne Aussicht mit einem nicht ganz gepflegten Weg zu bezahlen bereit sind und auch gern noch einmal etwas ansteigen, sei weiterhin die 10 als Markierung empfohlen. Etwa 200 Meter hinter der Brücke folgen wir dieser auf den landwirtschaftlichen Weg nach links bergan und wechseln, wenn dieser endet, auf den rechts davon verlaufenden Wiesenweg über. So erreichen wir den hoch gelegenen Waldrand und gehen an diesem oberhalb der Feldflur entlang.

Ein Wegweiser bestätigt uns, dass wir nach Posteholz gelangen. Großartig ist von hier aus der Blick weit hinein in das Lipperland. Dann erreichen wir Posteholz bei einem Gut mit vier mächtigen Hofeichen. Auch diese Eichen waren seinerzeit auf Anordnung aus Hannover gepflanzt worden, weil es kaum noch Eichenholz für Fachwerkbalken gab. Unser Weg stößt auf die Fahrstraße, die nach rechts hinunter nach Posteholz führt. Nach einigen Kehren erreichen wir bei der Bushaltestelle wieder unseren Ausgangspunkt.



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