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"Weißer Fleck verschwindet": Beratungszentrum für "Emotionale und soziale Entwicklung" an der Albert-Schweitzer-Schule

Beratungsteams sollen Kindern und Jugendlichen helfen

Landkreis/Obernkirchen (rnk). Ab sofort fungiert das Beratungszentrum für Schüler mit dem Förderschwerpunkt "Emotionale und soziale Entwicklung" an der Albert-Schweitzer-Schule als Anlaufstelle für alle Schaumburger Schulen. Der entsprechende Zusammenarbeits-Vertrag wurde vorgestern von Landrat Heinz-Gerhard Schöttelndreier sowie Helmut Prietz und Jürgen Landfester von der Landesschulbehörde Niedersachsen unterzeichnet.

veröffentlicht am 14.10.2006 um 00:00 Uhr

Diesen Vertrag unterzeichnen alle gern: Helmut Prietz, Heinz-Ger

Das Beratungszentrum unterstützt und berät die Schulen im Umgang mit Schülern, die Probleme im emotionalen und sozialen Bereich haben. Vier pädagogische Mitarbeiterinnen, die jeweils stundenweise für das Beratungszentrum arbeiten, sowie eine Verwaltungskraft versuchen, damit einen Bereich abzudecken, der bisher einen weißen Fleck in der Schullandschaft des Landkreises darstellt. Es sei ein "entscheidender Schritt, um Schülern vor Ort Hilfe anzubieten, die im gemeinsamen Handeln von Schule und Jugendhilfe den Verbleib im gewohnten Umfeld sichert", stellte Schöttelndreier fest. Schülern solle so der Weg in auswärtige Förderschulen erspart bleiben. Der Bedarf eines solchen Zentrums sei "leider unbestreitbar" und damit auch ein "deutliches Spiegelbild unserer Gesellschaft", meinte Schöttelndreier, aber das Zentrum passe genau in das gerade erarbeitete ganzheitliche Familien- und Jugendhilfekonzept, mit dem der Landkreis die zahlreichen jugend- und familienpolitischen Maßnahmenund Projekte weiterentwickeln, koordinieren und miteinander verknüpfen wolle. Gerade bei der sozialen Kompetenz hätten immer mehr Kinder und Jugendliche einen sonderpädagogischen Förderbedarf, immer mehr würden unter einer Beeinträchtigung der emotionalen und sozialen Entwicklung und des Erlebens und der Selbststeuerung leiden. Dadurch seien sie "erheblichund längerfristig" in ihren "Bildungs-, Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten" eingeschränkt. Bei der Ursachenforschung wurde Schöttelndreier vor allem bei der Familie fündig: Verlust von Geborgenheit und Vertrauen, Mangel an positiver Orientierung und Autorität, Unklarheit von Strukturen, Vernachlässigung, zu wenig Eigenverantwortlichkeit und Selbstbestimmung - "ungünstige Entwicklungsbedingungen und defizitäre Lebenserfahrungen können nachhaltig die Erlebens- und Verhaltensweisen von Kindern und Jugendlichen beeinträchtigen. Und zwar so stark, dass das als von der gesellschaftlichen Norm abweichend wahrgenommen wird", so Schöttelndreier. Hier würden dann die Beratungsteams des Zentrums greifen und an einer Kompetenzerweiterung und Stärkung des Systems Schule, des Systems Familie und Lehrkräfte sowie des Systems Klasse arbeiten, indem sie die betroffenen Institutionen vernetzen, vorübergehende Hilfe organisieren und die auf die Schüler bezogenen Maßnahmen begleiten und reflektieren würden: "Die Beratungsteams sind Mittler zwischen Schulen, Jugendamt, Förderzentren, Eltern und Schulpsychologie einerseits und den Schülern andererseits." Helmut Prietz unterstrich in seiner Rede, dass das System Schule und das System Jugendamt lernen müssten, miteinander zu kooperieren und einander zu ergänzen. Der Weg vom "Nebeneinander" zum "Miteinander" werde Hürden aufweisen und auch Zeit benötigen. Besonders wichtig sei aus seiner Sicht die präventive Arbeit, weil Vorbeugen nicht nur besser als heilen, sondern auch deutlich billiger sei. Vier Lehrkräfte des Landkreises seien daher mit einem Teil ihrer Arbeitszeit an das Beratungszentrum abgeordnet, alle vier hätten eine entsprechende Aus- und Weiterbildung für diese Aufgabe. Auf der Basis der Zusammenarbeit mit den Schulen und Jugendhilfen sowie den weiteren Institutionen, die im Aufgabenfeld ,Hilfen zur Erziehung' arbeiten würden, und aus der Kenntnis der vielschichtigen Probleme sollten Beratungszentrum und Jugendamt gemeinsam Präventionsprojekte durchführen. In welchem Umfang "für dieses gesellschaftlich wichtige Problemfeld" die vorhandenen Personalresourcen ausreichen würden oder ausgeweitet werden müssten, werde die weitere Entwicklung zeigen. Das Augenmerk liege im Landkreis auf zwei Bereichen: den Aufbau der sozialpädagogischen Grundversorgung an Grundschulen und den Aufbau des Beratungszentrums. Für 15 von 27 Grundschulen sei inzwischen die Genehmigung für die Einführung der Grundversorgung erteilt, davon für fünf bereits seit einigen Jahren und für zehn mit Beginn diesen Schuljahres für die Jahrgänge 1 und 2. In dieser Grundversorgung würden Förderschul-Lehrkräfte die Gesamtschul-Lehrkräfte unterstützen, um bereits bei neu eingeschulten Kindern dem Entstehen von Lern- und Entwicklungsstörungen entgegenzuwirken. Dieser Förderbereich habe "erheblich" zugenommen, sagte Prietz. Daher solle das Beratungszentrum die präventive Arbeit in den Schulen im speziellen Bereich der emotionalen und sozialen Entwicklung stärken und fördern, unterstrich Prietz noch einmal.

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