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Finanzkrise gibt unabhängigen Anlageexperten Schub / Auch Banken experimentieren mit neuen Modellen

Beratung gegen Honorar – für Anleger eine Alternative

Weserbergland. Das Vertrauen in Bankberater ist schwer angekratzt. In der Finanzkrise verloren allein durch die Pleite der US-Bank Lehman Brothers Zehntausende deutsche Anleger viel Geld. Auf deutsche Geldhäuser fiel ein schlechtes Licht, weil sie teils offensiv Lehman-Wertpapiere verkauft hatten und dafür attraktive Provisionen erhielten. Den Sparern wurde deutlich, dass Banken nicht immer objektiv beraten und Risiken teils unklar bleiben. Unabhängige Honorarberater, die ohne Provisionen arbeiten, spüren deswegen derzeit Aufwind –

veröffentlicht am 15.10.2009 um 09:58 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:01 Uhr

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Autor:

Martin Achter

Weserbergland. Das Vertrauen in Bankberater ist schwer angekratzt. In der Finanzkrise verloren allein durch die Pleite der US-Bank Lehman Brothers Zehntausende deutsche Anleger viel Geld. Auf deutsche Geldhäuser fiel ein schlechtes Licht, weil sie teils offensiv Lehman-Wertpapiere verkauft hatten und dafür attraktive Provisionen erhielten. Den Sparern wurde deutlich, dass Banken nicht immer objektiv beraten und Risiken teils unklar bleiben. Unabhängige Honorarberater, die ohne Provisionen arbeiten, spüren deswegen derzeit Aufwind – und auch Banken erproben immer öfter die Honorarberatung. Doch noch scheuen viele Anleger die Kosten.

„Noch in den Kinderschuhen“

Wie die Akzeptanz der Anlageberatung gegen Bezahlung erhöht werden kann, berät die Branche derzeit in Frankfurt, wo sie zum Honorarberater-Kongress zusammengekommen ist. „Unabhängige Honorarberatung steckt in Deutschland noch in den Kinderschuhen“, sagt Banken-Experte Marc Ahlers von der Wiesbadener Unternehmensberatung MC4MS. Dennoch gebe es bereits in vielen Städten und Regionen Experten und Finanzdienstleister, die gegen Gebühr Anlagestrategien entwickelten und dabei Finanzprodukte unabhängig vom Anbieter und nur aufgrund deren Eignung für Anleger auswählen.

Honorarberatung belaste zwar auf den ersten Blick die Geldbörse, sagt Ahlers. Jedoch sei die Beratungsleistung der Hausbank auch nur oberflächlich betrachtet gratis. Denn Banken finanzierten Beratung durch den Verkauf von Anlageprodukten mittels Provisionen oder sogenannte Ausgabeaufschläge. Diese Kosten könnten die Beratungsgebühren je nach Produkt deutlich übersteigen, sagt Ahlers, der momentan mit der Universität Mainz in einer Anlegerumfrage die Erfolgsaussichten von Honorarberatung erforscht. Nach Angaben von „Finanztest“ verlangen Honorarberater momentan Stundensätze zwischen 100 und 300 Euro. Das mag zunächst happig klingen, kann sich der Zeitschrift zufolge aber bezahlt machen.

Kaufe ein Sparer etwa Anteile eines Investmentfonds für 50 000 Euro bei einem Ausgabeaufschlag von fünf Prozent, fielen für den Anleger 2500 Euro Kosten an, rechnet „Finanztest“ vor. Ein Honorarberater beziffert in dem Magazin die Zeit, die er für die Einrichtung eines Depots braucht, auf vier oder fünf Stunden bei Beratungskosten von knapp 1200 Euro. Die Fondsanteile kaufe er an der Börse oder über Direktbanken gegen geringe Gebühren. Danach habe der Kunde ein Portfolio, das wirklich zu ihm passe.

Studie: Jedes dritte Institut plant Einstieg

Dennoch scheint die Bereitschaft zu unabhängiger Anlageberatung gegen Bezahlung noch gering. Laut einer repräsentativen Umfrage der DZ Bank sind derzeit nur 20 Prozent der Deutschen bereit dazu. Davon würden die meisten (knapp 40 Prozent) zu einem freien Honorarberater gehen und nur um die 20 Prozent zur Bank oder Sparkasse. Dennoch liebäugelt eine ganze Reihe von Geldhäusern mit dem Modell Honorarberatung.

Einer Studie der Unternehmensberatung Steria Mummert zufolge plant jedes dritte Institut den Einstieg. Die Berliner Quirin Bank bietet ihren Kunden den Service schon seit einigen Jahren an – mittlerweile sogar auch Nicht-Kunden. Die Direktbanken Comdirect – eine Commerzbank-Tochter – und Cortal Consors erproben Honorarberatung derzeit mit einer begrenzten Kundenzahl. Eine Alternative zu Banken und Honorarberatern sind Verbraucherzentralen. Diese berechnen für Finanzberatungsgespräche Stundensätze von meist bis zu 100 Euro. Branchenexperten empfehlen den Rat der Verbraucherschützer vor allem bei allgemeineren Fragen oder bei Standardprodukten wie Riestersparplänen.

Bei spezielleren Themen hätten Banken oder Honorarberater häufig einen breiteren Überblick. Ob sich das Modell durchsetzen kann, bleibt abzuwarten. Banken-Experte Ahlers sieht die Honorarberatung jedenfalls im Vorteil. Durch die Finanzkrise sei für die Honorarberatung „ein Schub zu erwarten“, sagt er.

Anlageberatung in einem Geldinstitut: Nach der Pleite der US-Bank Lehmann Brothers ist das Vertrauen in Bankberater angekratzt – die Honorarberatung spürt Aufwind.

Foto: Bilderbox



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