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Hundepsychologe Martin Rütter kommt am 19. September in den Ratskellersaal

Bello allein zu Haus - oft ein Problem: "Hunde wollen beschäftigt werden"

Rinteln. Seine erste Benefizveranstaltung zugunsten des Kinderschutzbundes vor drei Jahren war ein voller Erfolg, mehr als 200 Besucher drängten sich im Ratskellersaal - am Freitag, 19. September, kehrt Hundepsychologe Martin Rütter zurück. Der aus vielen Fernsehsendungen bekannte Hundeversteher will wieder im Ratskellersaal (ab 19 Uhr, Einlass ab 18.30 Uhr) in einer unterhaltsamen Show und auf humorvolle Art zeigen, wie man Kommunikationsprobleme zwischen Mensch und Hund löst. Für diese Veranstaltung hat der Kartenvorverkauf begonnen - Karten gibt es beim Kinderschutzbund und bei der Schaumburger Zeitung (13 und 18 Euro, Abendkasse 20 Euro). Als Vorgeschmack auf den spannenden Abend hat Martin Rütter der Redaktion neun Fragen zu aktuellen Hunde-Problemen beantwortet.

veröffentlicht am 13.09.2008 um 00:00 Uhr

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Was halten Sie vom "Hunde- Führerschein"? "Der Hundeführerschein ist auf jeden Fall sinnvoll, denn fast alle Verhaltensprobleme sind erworben. Das Problem ist die mangelnde Information. Diese fängt beim Hundekauf an, denn dann würde niemand mehr bei einem unseriösen Züchter kaufen. Viele Leute glauben nämlich irrtümlich, mit dem Kauf eines Rassehundes vor Problemen geschützt zu sein. Dabei sind auch die Tierheime voll mit unkomplizierten Hunden." Fuß, Platz, Sitz - kommandieren wir nicht viel zu viel mit unserem Hund herum? "Menschen neigen dazu, den Hund zu vermenschlichen. Dazu gehört auch, dass die meisten Menschen viel zu viel mit ihrem Hund reden. Möchte ich, dass mein Hund auf ein Zeichen von mir reagiert, sollte dies ein eindeutiges und kurzes Zeichen sein. Denn so kann der Hund die einzelnen Signale gut unterscheiden und weiß was von ihm verlangt wird. "Könntest dudich bitte einmal hinsetzen?" ist für ihn nicht so eindeutig wie ein einfaches "Sitz". Allerdings sollte man auch beachten, dass die einzelnen Signale sinnvoll sind. Denn der Hund ist ein Lebewesen, dass man nicht einfach nach Gutdünken herum kommandieren sollte." Wann sollte man anfangen mit der Erziehung, des neuen vierbeinigen Hausgenossen? "Grundsätzlich beginnt man mit der Erziehung des Hundes ab dem Zeitpunkt, ab dem der Hund bei seinen neuen Haltern lebt. Dabei spielt es keine Rolle, wie alt der Hund ist. Lediglich die Dauer der Trainingseinheiten wird natürlich bei einem Welpen kürzer sein, denn ein Welpe kann sich noch nicht so lange konzentrieren wie ein erwachsener Hund!" Auf Hundetrainingsplätzen wird gern der kräftige Leinenruck gefordert. Andere arbeiten mit der "Leckerli-Methode". Was rät der Experte Rütter? "Gewalt in jeglicher Form im Bereich der Hundeausbildung ist immer ein Eingestehen von menschlicher Unzulänglichkeit. Dabei ist es egal, ob man ein Stachelhalsband benutzt, um dem Hund das Ziehen an der Leine abzugewöhnen oder ihn durch ständiges massives Einwirken über die Leine so unter Druck setzt, dass er es nicht mehr verarbeiten kann. Vielmehr kommt es bei der Ausbildung darauf an, mit dem Hund eine Partnerschaft einzugehen. Dabei ist es natürlich wichtig, ihn für richtiges Verhalten zu belohnen. Womit, das hängt davon ab, was ihn motiviert. Manche Hunde finden zum Beispiel das Apportieren so toll, dass es für sie schon einen Belohnung ist, noch einmal den geliebten Ball holen zu dürfen." "Ich kann meinen Hund unterwegs nicht losmachen, der haut ab." Was kann der Zweibeiner da tun - ohne Leine? "In vielen Büchern steht immer noch, dass ein Hund mindestens dreimal täglich eine Stunde Bewegung benötigt. Natürlich ist das Bewegungsbedürfnis des Hundes vorhanden und kann durch eine Radtour oder einen Spaziergang befriedigt werden. Dies reicht den meisten Hunden aber bei weitem nicht aus, sie benötigen auch geistige Herausforderungen! Vielmehr sind die meisten Hunde auf einem Spaziergang gelangweilt und so werden dann Spuren verfolgt, Gerüche ausgemacht und Schmetterlinge oder Kaninchen gejagt. Der Mensch muss dem Hund auf dem Spaziergang etwas Spannendes bieten - Leckerli-Suchspiele oder Apportierspiele mit dem Lieblingsspielzeug. Solange wie der Hund nicht sicher zurück kommt, sollte man ihn an der Schleppleine führen und parallel dazu in reizarmer Umgebung das Signal ,Hier' trainieren." Bundestagsabgeordneter Sebastian Edathy ist neuerdings auf den Hund gekommen. Doch Herrchen weiß nicht, ob er ihn mit ins Büro nehmen kann. Ein Problem, das nicht wenige Hundehalter haben: Bello allein zu Haus. "Grundsätzlich sind Hunde Rudeltiere, sie benötigen den sozialen Kontakt zu den anderen Mitgliedern ihres Rudels. Allerdings ist es durchaus möglich, einem Hund beizubringen, für einige Zeit alleine im Haus zu bleiben. Viele Menschen berichten, dass ihr Hund problemlos acht bis neun Stunden alleine bleibt, ohne irgendetwas zu beschädigen. Das bedeutet aber nicht, dass das Alleinebleiben auch für den Hund kein Problem ist. So könnte ein introvertierter Hund still vor sich hin leiden. Ist ein Hund also nach der Rückkehr seines Menschen erschöpft und möchte nur noch schlafen, ist dies auf jeden Fall ein Alarmzeichen! Wenn man damit rechnen muss, einen Hund acht bis neun Stunden alleine zu lassen, so sollte man sich keinen Hund anschaffen." Kürzlich hat ein kleiner Hund ein Kind ins Gesicht gebissen. Was raten Sie zum Thema Kinder und Hunde? "Hunde sehen kleine Kinder niemals als ranghöher an. Fühlt sich ein Hund von einem Kind bedrängt, ist es aus seiner Sicht daher vollkommen normal, dass er dieses Kind zurechtweist, so wie er auch einen Welpen korrigieren würde. Leider ist die Korrektur eines Hundes für ein Kind immer gefährlich. Daher müssen Halter die Körpersprache ihres Hundes genau lesen lernen. Vielleicht hat der Hund kurz vorher Beschwichtigungssignale gezeigt, indem er zum Beispiel den Blick abgewendet oder sich über die Schnauze geleckt hat, vielleicht hat er aber auch erste Zeichen von Drohverhalten gezeigt, wie zum Beispiel ein intensives Fixieren desKindes. Spätestens jetzt muss der Halter eingreifen." Hunde und Senioren? Was, wenn Frauchen die Kraft verlässt, ihren Liebling im Zaum zu halten? "Grundsätzlich sollte man sich vor der Anschaffung eines Hundes überlegen, ob man auf Dauer in der Lage ist, den Hund auch zu halten. Denn selbst ein gut erzogener Hund kann sich einmal erschrecken und mit einem großen Satz auf die Straße springen. Ist das Größen- und Kräfteverhältnis zwischen Hund und Halter zu unterschiedlich, kann übergangsweise auch auf ein Kopfhalfter zurückgegriffen werden, mit dem sich der Hund leichter führen lässt. Im Vordergrund eines Trainings sollte aber auch hier stehen, dass die Beziehung zwischen Mensch und Hund geklärt wird. Dazu gehört natürlich auch,dass der Hund genügend beschäftigt wird." Was denken Sieüber normale Hunde und Kampfhundrassen? Alles längst Geschichte? "Aggressivität ist keine vererbbare Eigenschaft. Ob ein Hund freundlich, ängstlich oder aggressiv ist, hängt vor allem davon ab, wie er aufgewachsen ist und welche Erfahrungen er in seinem Leben gemacht hat. Jedoch sollte man sich vor der Anschaffung eines Hundes immer genau über dessen Bedürfnisse und die notwendigen Anforderungen einer Haltung informieren, denn dies ist häufig der Grund dafür, dass es zu Problemen kommt."

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