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Dr. Rudolf Seiters beim Tag der Hospizstiftung / Benefizkonzert der Märchensänger bringt 5000 Euro für Hospizverein

"Bekenntnissen zur Hospizarbeit müssen Taten folgen"

Rinteln (la). "Das palliative Versorgungsnetz muss, mit Blick auf den Altersumbruch in unserer Gesellschaft, weiter ausgebaut werden", forderte Bundesminister a.D. Dr. Rudolf Seiters bei seinem Besuch anlässlich des Tages der niedersächsischen Hospizstiftung am Sonnabend in Rinteln.

veröffentlicht am 09.10.2006 um 00:00 Uhr

Die Schaumburger Märchensänger begeistern im Brückentorsaal.

900 000 Menschen würden jährlich in Deutschland sterben. Weit mehr als die Hälfte sterbe in Kliniken und Altenheimen. Die Hospiz-Idee, sterbende Menschen zu begleiten, sich um sie mit Fürsorge und Zuwendung zu kümmern, ihnen zu helfen, in Würde zu sterben, habe vor diesem Hintergrund viele Anhänger gefunden, so Dr. Seiters. Die vielen Ehrenamtlichen, die sich in den über 100 Hospiz-Initiativen für die Sterbebegleitung einsetzten, benötigten aber unbedingt Unterstützung. "Wir müssen uns für ein flächendeckendes Versorgungsnetz einsetzen", forderte Seiters. Dazu benötigten die Haupt- und Ehrenamtlichen verlässliche Unterstützungsstrukturen. "Den öffentlichen Bekenntnissen zur Hospizarbeit müssen endlich Taten folgen." Die Versorgungsquote mit Palliativbetten lägebei nur 20 Prozent und insbesondere in den ländlichen Regionen Niedersachsens sei eine schmerztherapeutische Versorgung der Sterbenden nicht sichergestellt. "Und was die Hospizarbeit betrifft - in der gegenwärtigen Situation können in Niedersachsen nur sieben Prozent der Sterbenden durch ehrenamtlich Hospizarbeit ambulant und stationär betreut werden", stellt Dr. Seiters fest. Nur wenn es gelänge, noch stärker aufzuklären und für die Betreuung zu werben, würde die Spendenbereitschaft der Bevölkerung steigen. Diesem Zweck diente auch die Benefizveranstaltung, die am Sonnabend im Brückentorsaal stattfand. Zuvor hatte Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz den Bundesminister a.D. im Rathaus empfangen. Auch Buchholz unterstrich den hohen Stellenwert der Hospizarbeit. "Diese Arbeit findet meist im Stillen statt. Umso wichtiger ist es, diese Arbeit ab und zu einer breiteren Öffentlichkeit transparent zu machen", betonte Buchholz. Nachdem sich Seiters in das Goldene Buch der Stadt eingetragen hatte, überreichte er Amcors Managing Director Dr. Reinhard Kniewske eine Stifterurkunde. Die Firma Amcor hat die Hospizstiftung mit 2000 Euro unterstützt. Schließlich ging die Gesellschaft zu Fuß vom Rathaus durch die Fußgängerzone zum Brückentorsaal. "Rinteln ist eine sehr schöne Stadt", bewunderte Seiters die Fußgängerzone und die Jakobi-Kirche. Auf dem Weinfest genoss der Bundesminister a. D. gemeinsam mit Buchholz und Vertretern der Kirchen wieder Hospizvereine ein Glas Weißwein. Dann ging es weiter in den Brückentorsaal. Mehr als 200 Zuhörer waren zu der Benefizveranstaltung mit den Schaumburger Märchensängern gekommen. Unter Leitung von Volker Arendts und am Klavier begleitet von Stephan Winkelhake, begeisterten die Sänger mit ihrem Repertoire. "Achtsam mit den Grenzen umgehen", war Motto des Referates von Landessuperintendent Arend de Vries. Das Schlusswort des niedersächsischen Hospiztages hielt der Vorsitzende der Hospiz-Stiftung, Pastor Martin Ostertag. Er dankte allen, die den Tag in Rinteln organisiert hatten und allen Spendern. Rund 5000 Euro konnte die niedersächsische Hospizstiftung am Abend zählen. "Geld, das wir für die Hospizarbeit dringend benötigen", so Ostertag.

Dr. Rudolf Seiters (r.) ließ sich einen Rundgang über das Weinfe
  • Dr. Rudolf Seiters (r.) ließ sich einen Rundgang über das Weinfest nicht entgehen. Fotos: la
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