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Siege teilen: Albert-Schweitzer-Schule veranstaltet Brennballturnier

Beifall gibt es für jeden Spieler

Obernkirchen (mld). Gleich an der Hallentür schlägt den Zuschauern großer Lärm entgegen. Das Brennballturnier der ersten bis vierten Klassen der Albert-Schweitzer-Förderschule ist im vollen Gange: Es ist das Halbfinale, und in den nächsten acht Minuten wird sich entscheiden, welche zwei Mannschaften gegeneinander um den Sieg spielenwerden.

veröffentlicht am 26.11.2008 um 00:00 Uhr

So soll es sein: Arm in Arm.

Doch der Lärm, der die Turnhalle erfüllt, ist kein Krach. Ob die Kinder gerade mitspielen oder nicht, sie klatschen, jubeln, feuern an - und zwar jeden Spieler, aus welcher Mannschaft er auch sein mag. Die Teams bestehen aus Kindern verschiedener Alters- und Unterrichtsstufen; ein Mannschaftskapitän kann also auch aus der zweiten Klasse sein und einer Handvoll Viertklässlern sagen, was sie tun sollen. Das funktioniert an diesem Tag so reibungslos, dass die Organisatoren und Helfer des Turniers ganz überrascht sind. "Sie fiebern toll mit und kämpfen mit aller Energie. Und das schon seit über einer Stunde", freut sich Birte Dehnbostel, einer der Lehrkräfte der Förderschule für Kinder mit Lernschwierigkeiten. Dass das nicht selbstverständlich ist, haben die Lehrer in den vergangenen vier Wochen, in denen die Kinder auf das Brennball-Turnier vorbereitet wurden, öfter gemerkt: "Die Theoriedes Spiels ist oft schwierig", erklärt Dehnbostel. Regeln einhalten, das falle den Kindern auch im Alltag manchmal schwer. Oft sei ihre Toleranz für Rückschläge oder Zurechtweisungen sehr gering. Ein Brennballturnier aber lebt von der Organisation, von Regeln, die eingehalten werden müssen, von Zeitplänen und Mannschaftsaufstellungen, die akzeptiert werden müssen. Den Spielaufbau haben die Lehrer mit Modellen erklärt, die Grundregeln haben die Schüler wie eine Matheformel gepaukt - und vor allem wurde geübt, geübt, geübt. "Die Mannschaften haben die Lehrkräfte zusammengestellt", erklärt die Lehrerin Silvia Bretthauer. "Vor dem Turnier konnten die Kinder nur in ihren Klassen Brennball üben, nicht altersgemischt wie heute. Aber schon ab dem ersten Spiel haben die Kinder ihre Scheu voreinander vergessen." "Das ist das Tolle an ihnen", sagt Dehnbostel, während sie dem Spiel zusieht und darauf achtet, dass sich alle an die Regeln halten: "Sie fühlen sehr stark mit und jubeln auch, wenn andere viele Punkte machen. Sie können wirklich gut teilen." Ob ein Kind, wie Marieke, im Rollstuhl sitzt, ob jemand nicht weit werfen oder schnell laufen kann, ist egal - jeder wird als Mannschaftsmitglied akzeptiert und lauthals angefeuert. Das Konzept, Gruppen mit Kindern verschiedenen Alters zu mischen, wenden die Lehrer der Albert-Schweitzer-Schule nicht nur bei Spielfesten wie dem Brennballturnier, sondern auch im Unterricht an. Seit diesem Schuljahr unterrichtet die Förderschule die Erst- bis Viertklässler in Mathematik und Deutsch in Leistungsgruppen: Klassen werden nicht nach Alter zusammengestellt, sondern nach Können. "Wir holen jeden da ab, wo er mit seiner Leistung steht", formuliert es Dehnbostel.



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