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Hausschlachterei im Familienbetrieb / Straßbergers liefern bis Bayern

"Bei uns wird nichts zugekauft"

Buchholz. "Wir sind wohl der einzige Betrieb im Landkreis Schaumburg, der noch selber schlachtet", schätzt Günter Straßberger. Damit hat der Fleischermeister aus Buchholz wahrscheinlich Recht. Der kleine Familienbetrieb an der Neuen Straße hält die Fahne hoch für einen Schaumburger Berufszweig, der über Jahrhunderte unter dem Zeichen des Nesselblattes seinen Mann ernährt hat.

veröffentlicht am 24.08.2006 um 00:00 Uhr

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Autor:

Werner Hoppe

Hausschlachter, die früher als ambulante Ein-Mann-Unternehmen von Hof zu Hof gezogen sind, haben dafür gesorgt, dass sich Speise- und Räucherkammern der Landbevölkerung mit Fleisch, Wurst und Schinken füllten. Das Schlachten, hauptsächlich von Schweinen sowie das Zerlegen und Verwursten war ihre spezielle Dienstleistung für den guten Geschmack. "Wegen der besseren Haltbarkeit wurde hauptsächlich in der kalten Jahreszeit geschlachtet, darum war das ein Saisongeschäft", erklärt Günter Straßberger. Meist habe der klassische Hausschlachter deshalb noch einen Zweitberuf für die andere Jahreshälfte ausgeübt: "Maurer zum Beispiel." Der gebürtige Krainhagener hat bei einem schlesischen Fleischer gelernt und ist ab 1958 selbst als nebenberuflicher Hausschlachter über die Dörfer gezogen. Von 1985 bis 1992 hat er mit seiner Ehefrau Helga in Kleinenbremen und Buchholz einen eigenen stationären Fleischerbetrieb geführt. Ab 1976 begann, was heute unter Hausschlachtung zu verstehen ist: private Schweinehalter, Landwirte, und Hofläden lassen ihre Schweine bei den Straßbergers in Buchholz schlachten und verarbeiten. "Für den Kunden ist das zunächst ein größerer finanzieller Aufwand, aber unter dem Strich lohnt es sich wirklich, wenn man sein eigenes Fleisch in der Truhe hat und die Wurst in der Speisekammer", weiß Güter Straßberger. Bei diesem Konzept gebe es natürlich die früheren Schlachtefeste mit Schluck und Bier heute nicht mehr. "Der Kunde hat die Möglichkeit, dabei zu sein und Wünsche zu äußern; den Rest machen wir dann alleine", so Straßberger weiter. Anders als bei Lohnmostereien, die Saft gegen Früchte tauschten, bekomme der Kunde natürlich Fleisch und Wurst von seinem eigenen Schwein geliefert. Mit "wir" meint Günter Straßberger sich selbst und seinen Sohn Kai, der das elterliche Geschäft vor Jahren übernommen hat und seitdem weiter modernisiert. "Unsere Maschinen sind auf dem neuesten Stand und damit können wir den Qualitätsstandard bieten, den die Kunden erwarten können", erklärt der Sohn. Kai Straßberger ist wie sein Vater selber Fleischermeister, und seine herzhafte Ware trifft den Geschmack der Kunden: Die lassen sich ihre Wurstpakete sogar bis nach Bayern schicken. Helga Straßberger unterstützt ihre Schwiegertochter Bettina beim Direktverkauf. Mit dem Verkaufswagen fährt der Familienbetrieb Straßberger dazu Wochenmärkte in Obernkirchen und Rolfshagen an und eine weitere Verkaufsstelle auf einem Hof in Meinsen-Warber. Und mittwochs öffnet er seinen Wagen jeweils zu Hause beim Betrieb in Buchholz. Darüber hinaus ist ein Imbisswagen für Feste dazu gekommen und ein Würstchenstand zum Ausleihen sowie ein Partyservice, der private Feiern beliefert. Und auch Großkunden haben inzwischen die Vorzüge der Straßbergerschen Hausschlachterei für sich entdeckt.

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