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Rund 100 Frauen machen Party zugunsten der Haiti-Hilfe von Interhelp / Viele Sponsoren halfen

Bei Türkisch-Pop hält es keine auf den Stühlen

Hameln (amg). Leise und langweilig geht es wahrlich nicht zu an diesem türkischen Abend, der um 17 Uhr beginnt und gegen Mitternacht enden wird. Dabei ist nicht einmal großes Programm angesagt: Üppiges Mahl in „Picknick-Form“ (jeder bringt was mit), lebhafte Schwätzchen – und ja, doch: Natürlich darf temperamentvolles Tanzen zu orientalischen Klängen nicht fehlen! Und auch beim schwungvollen Bauchtanz gilt: Das Programm dieser etwas anderen Disco, das gestaltet sich praktisch von selbst durch die Performance, die jede einzelne Frau aufs Parkett bringt.

veröffentlicht am 18.04.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 19.04.2010 um 12:16 Uhr

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Verstummt die Musik, erfüllen Stimmenwirrwarr und Lachen den Saal des Dorfgemeinschaftshauses Hilligsfeld. Dann sitzen 100 Frauen und Kinder eng an eng an. Doch kaum hat DJ Umut die Musik aufgedreht, hält es so gut wie keine auf den Stühlen. Bis es wieder zurück an die Tische und in die Pause geht, tanzen die Frauen eine Stunde zutürkischen Popsongs, die Umut Irtegün mitgebracht hat. Die Kleinen, die noch nicht auf eigenen Beinen stehen, schaukeln auf Mamas Arm zu „Türkisch House“, während die Größeren putzmunter ihre eigenen Tänzchen drehen: „Wenn wir feiern, dann feiern wir richtig“, sagt Sema Kabayal gut gelaunt. Dass türkische Frauen gemeinsam Party machen, um einfach mal rauszukommen, ist an sich ja nichts Ungewöhnliches. Dass sie damit gleichzeitig Gutes tun, ihr Engagement sogar in die Öffentlichkeit tragen, hingegen schon: „Eine vergleichbare Veranstaltung, bei der eine Feier mit einer Spendenaktion verbunden wurde, hat es in Hameln bisher in dieser Form nicht gegeben“, sagt Sema Kabayel. Gemeinsam mit elf weiteren türkischen Frauen aus Hameln hat die 26-Jährige ein Fest unter dem Motto „Spaß und Menschlichkeit“ auf die Beine gestellt, dessen Erlöse den Opfern der Erdbeben-Katastrophe in Haiti zugute kommen sollen.

Dass „Interhelp“ da bereits sehr viel geleistet hat, davon hatten die Frauen gehört. Es war nicht der einzige Grund, warum sie den Kontakt zu der heimischen Hilfsorganisation suchten: „Man kann Geld ja überall hinschicken“, sagt Sema Kabayel, „doch besser und sicherer als über Interhelp kann man Spenden wohl nicht übergeben.“ Schon kurz nach den schlimmen Ereignissen in Haiti, war den jungen Türkinnen die Idee gekommen, auch einen Beitrag zu leisten, den Menschen zu helfen, denen das Erdbeben unvorstellbares Leid gebracht hat. „Vor allem für die Kinder wollten wir etwas tun.“ Selvi Kabayel, Canan Öztürk und Gülhan Sarikcioglu haben Sponsoren wie Stylo 55, Umut Sat, Punzet Autolackiererei, Hamelner Teppichcenter, Turkuaz Kebap-Haus, Inter Trabe GmbH, Duygu Bäckerei, Mittelmeer Reisen oder Hamelner Parkettwelt und Friseur Adnan angesprochen, sind von Laden zu Laden gelaufen, haben türkische Geschäftsleute aus der Deisterstraße und der Südstraße, Freunde, Bekannte und Nachbarn für die Benefizaktion gewinnen können.

Neben Geldspenden kamen so auch Sachspenden für eine Tombola zusammen. Einige kritische Stimmen, räumt Sema Kabayel ein, habe es schon gegeben: „Doch die meisten, die wir angesprochen haben, waren von der Aktion begeistert.“ Solidarität mit Notleidenden, sagt Sema Kabayel, sei eine grundlegende menschliche Pflicht. „Und nicht abhängig von Hautfarbe, Nationalität oder Religion.“ Insgesamt kamen 1061 Euro zusammen, die Interhelp zu 100 Prozent an Notleidende in Haiti weitergeben wird. Die Organisation plant den Wiederaufbau einer Schule.

Party auf Türkisch – und der Erlös ist für die Erdbebenopfer in Haiti bestimmt.

Foto: amg

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