weather-image
10°
Kölner Autor liest vor Gymnasiasten / Fast 60 Romane geschrieben

Bei Schreibblockade geht Autor Tilmann Röhrig Fenster putzen

Rinteln (cok). "Tilmann, halt die Klappe!" Diesen Spruch hörte der Schriftsteller nur zu oft, als er noch ein kleiner Junge war. "Und da begann ich eben zu schreiben", sagt er den Neuntklässlerin im Ernestinum, zu denen er eingeladen war, um von seinem Beruf zu erzählen. "Das Papier hörte am besten zu."

veröffentlicht am 11.06.2007 um 00:00 Uhr

Tilman Röhrig. Foto: cok

Der Kölner Autor (57) begann seine Schriftsteller-Laufbahn mit Kinderbüchern, bevor er sich dann auf historische Romane verlegte, die - genau recherchiert, spannend und schön geschrieben - viele Preise gewannen und hohe Auflagen erreichen. "Schreiben Sie für Geld oder um des Schreibens willen", fragte eine Schülerin. "Beides!", antwortete er. "Ohne Schreiben könnte ich nicht leben, aber wie es ist, kein Geld damit zu verdienen - das weiß ich noch sehr gut...!" Nicht auf Anhieb nämlich wollten die Verlage Tilman Röhrig haben. "Leichenbriefe" nannte er die Sendungen, mit denen seine Manuskripte wieder und wieder zurückkamen. Fast zwei Jahre vergingen, bevor er auch nur einen Pfennig Verdienst sah - und der war so gering, dass er in den ersten fünf Jahren "fast verhungert" wäre. "Nur sechs von 100 Schriftstellern können von ihrem Einkommen leben", sagte er. "Und selbst wenn sie es können - nach einem oder zwei Flops purzelt man ganz schnell wieder runter." Seine Arbeitsdisziplin ist erstaunlich, auch wenn sich sicher viele der Schüler wunderten, dass es selten mehr als zwei Manuskriptseiten sind, der er pro Tag zustande bringt. "Ich muss diszipliniert sein. Keine Lust zu haben, das erlaube ich mir nicht. Es gibt ja niemand anderen als mich selber, der mich antreiben könnte" erklärte er. "Wenn ich nicht schreibe, dann lese ich in historischen Quellen, gehe in die Bibliothek, reise zu Orten, an denen meine Romane spielen, frage Leute aus, die Bescheid wissen." Für seinen Roman "Robin Hood: Solange es Unrecht gibt" fuhr er nach Cambridge und studierte im Keller der alten Universitäts-Bibliothek die 120 Balladen, die erstmals die Taten des "Beschützer der Witwen und Waisen" beschrieben. Er wollte ein Buch schreiben, dass die historischen Hintergründe für das Entstehen einer so schillernd gegen Unrecht und Unterdrückung kämpfenden Volkshelden beleuchtet, wie es ihm überhaupt immer darum geht, Geschichte verständlicher zu machen und zu zeigen, wie sie unsere Gegenwart prägen konnte. Wie er denn mit Schreibblockaden umgehe, wurde er auch gefragt. "Dann putze ich Fenster", meinte er. "Damit ich wieder klar sehen kann." Im Grunde könnte er es sich durchaus leisten, mal einfach Pause zu machen. Die Phase, wo er ein hungernder Schriftsteller war, die ist längst vorbei. Aber wer fast 60 Romane geschrieben hat, der will es einfach nicht anders! Im Herbst erscheint sein neues Buchüber den berühmten Bildschnitzer Tilman Riemenschneider, von dem er seinen Vornamen hat.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt