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Hartz IV-Empfängerin hat Zoff mit Jobcenter / Behörde: Objekt unangemessen teuer

Bei der Wohnungssuche verschaukelt?

Bückeburg/Stadthagen (tw).

veröffentlicht am 15.06.2007 um 00:00 Uhr

"Was sich Hartz IV-Empfänger alles gefallen lassen müssen ...": Arno B. (Name der Redaktion bekannt) steht der Ärger ins Gesicht geschrieben. Dessen Ursache sieht der 43-Jährige im Jobcenter in Stadthagen. Und das kam so: "Ich habe eine Bekannte, deren vom Jobcenter bezahlte Bückeburger Wohnung nach dem Auszug der Tochter angeblich zu groß ist", sagt B. "Stadthagen" habe die Hartz IV-Empfängerin daher aufgefordert, sich eine kleinere Bleibe zu suchen. Das habe die 42-Jährige seit Ende Oktober 2006 auch getan. Problem dabei: eine Wohnung zu finden, bei der sowohl die Größe als auch der Preis so passt, dass das Jobcenter die Mietkosten trägt. Weil seine Bekannte mit dem "Papierkram" überfordert sei, habe sie ihm, B., eine schriftliche Vollmacht erteilt. Viele der Wohnungsanzeigen will der - angelernte - Radio- und Fernsehtechniker persönlich dem Jobcenter vorgelegt haben, sie sollen dort aber "gar nicht beachtet" worden sein. "Jetzt", sagt B., "hat meine Bekannte eine Wohnung an der Schillerstraße in Bückeburg in Aussicht." Die Größe passe. "Bis zu 50 Quadratmeter sind angeblich erlaubt", so der 42-Jährige. Die Wohnung habe aber sogar nur 46,99 Quadratmeter. Auch der Preis passe: "Laut Liste stehen ihr 247,50 Euro zu", sagt B. Die Kaltmiete indes solle sogar nur 210 Euro betragen. Hinzu kämen 73 Euro an Nebenkosten plus 47 Euro für die Heizung - macht unterm Strich 330 Euro. Als B. erneut mit dem Bus nach Stadthagen gefahren sei - "Jede Fahrt kostet mich 6,60 Euro" - habe er dann allerdings hören müssen, dass die Wohnung gleichwohl zu groß und zu teuer sei. "Ich habe die Welt nicht mehr verstanden", so B. Er habe nur die Antwort erhalten, dass die 42-Jährige für die Wohnung monatlich noch 34,90 Euro zuzahlen müsse. "Das aber kann sie nicht", sagt B. Begründet worden sei die geforderte Zuzahlung vor Ort nicht. Auch die versprochenen Rückrufe aus Stadthagen, in denen man ihm die Angelegenheit habe erklären wollen, seien ausgeblieben. Als sich der 43-Jährige dann selbst ans Telefon gehängt habe, habe man die Zuzahlung damit begründet, dass die Betriebskosten für die kleine Wohnung zu hoch seien. Jetzt ist für B. und seine Bekannte guter Rat teuer. Zwar solle die Frau die alte Wohnung schnellstmöglichst verlassen, doch das Jobcenter wolle weder die Umzugs-, noch die Renovierungskosten oder aber die Mietkaution übernehmen. "Zwar könne ich entsprechende Anträge stellen, die aber - hat man mir gleich erklärt - würden ablehnt", so der Mann erbost. Überflüssig zu sagen, dass seine Bekannte weder Führerschein noch Auto hat, um den Umzug selbst bewerkstelligen zu können. Bernd Dittmer vom Jobcenter Stadthagen auf Nachfrage der Landes-Zeitung: "Zunächst einmal: Wir fordern niemanden auf, eine zu große Wohnung zu verlassen und umzuziehen. Wir fordern ihn nur auf, die uns entstehenden Kosten zu senken." Das sei allerdings oft nur durch einen Umzug möglich, räumt der Vize-Geschäftsführer ein. Was den konkreten Fall betrifft: "Die Obergrenze der Kosten dürfte bei der in Aussicht stehenden und vor 1965 errichteten Wohnung bei 247,50 Euro Kaltmiete plus Nebenkosten liegen." Die Wohnung koste wegen der (zu) hohen Nebenkosten aber 282 Euro; nur die Heizkosten seien in der Höhe Ordnung. Der Vize-Geschäftsführer: "Unterm Strich würde die Frau also von einer unangemessen teuren in eine unangemessen teure Wohnung ziehen." Eben das sei auch der Grund, warum das Jobcenter der 42-Jährigen in diesem Fall weder die Umzugskosten noch die Mietkaution zahle, die anderenfalls durchaus übernommen würden.



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