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Beschwerdenüber ausgefallene Telefonanschlüsse / Arcor-Sprecher: "Probleme im ländlichen Raum"

Bei Anruf Frust: Arcor-Kunden ohne Anschluss

Landkreis (gus). Wenn das Telefonieren zumÄrgernis wird: Zahlreiche Bürger in Stadthagen und Umgebung haben unserer Zeitung über teils massive Probleme beim Umstieg auf den Anbieter Arcor berichtet. Mit den Beschwerden konfrontiert, räumt das Unternehmen ein, dass Kunden in ländlichen Bereichen mit Mängeln rechnen müssen - auch, wenn zuvor vertraglich zugesichert worden ist, dass eine bestimmte Leistung des Unternehmens zur Verfügung gestellt werden kann.

veröffentlicht am 07.10.2006 um 00:00 Uhr

Es ist kein Einzelfall: Nach dem Wechsel zu einem günstigen Arcor-Tarif für Internet- und Telefonverbindung geht nichts mehr. Und das zum Teil wochenlang. Der Stadthäger Rechtsanwalt Ekkehard Sebening ärgert sich besonders darüber, dass sich auch nach mehreren Beschwerden bei Arcor "nichts gerührt" hat. Kein Internet-Zugang, kein Festnetzanschluss - "wir waren wie von der Außenwelt abgeschnitten", erinnert sich Sebening. Noch ärgerlicher: Durch die Querelen sei er nicht mehr im Besitz seiner alten Telefonnummer. "Jetzt muss ich alle meine Bekannten informieren und Adressaufkleber ändern lassen", sagt er. Schließlich telefoniere er auch vom Privatanschluss aus mit Klienten. Sebening kennt weitere Schaumburger, die mit Arcor "auf die Nase gefallen" seien. Sein Bruder Joachim habe etwa in der eigenen Tischlerei in Reinsen wochenlang nicht telefonieren können. Welches Auftragsvolumen dadurch ausgefallen ist, bleibe Spekulation. Brigitte Gude, Zahnärztin in der Kreisstadt, hat in ihrer Praxis ein anderes Phänomen erlebt: "Wir konnten von Arcor-Kunden nicht erreicht werden." Diese hätten ständig ein Besetzt-Zeichen gehört. Mit etwas Verzögerung sei der Mangel ans Tageslicht gekommen. Schnelle Abhilfe konnte der Telefonanbieter nicht schaffen. "Mindestens zwei Wochen" habe es gedauert, bis auch Arcor-Kunden wieder in der Praxis anrufen konnten. Thomas Rompczyk, Leiter des Arcor-Presseteams, bittet "offiziell um Entschuldigung". Gründe für die Komplettausfälle könne er nicht nennen, verweist auf Einzelprobleme. Gleichzeitig räumt Rompczyk ein, dass Kunden in "ländlichen Bereichen" mit Problemen bei Internet-Verbindungen per DSL rechnen müssen. Schuld sei die Leitungslänge zwischen Verteilerstation und den jeweiligen Telefonanschlüssen. Selbst wenn im Vertrag eine große Bandbreite zur Datenübermittlung vereinbart worden sei, könne es passieren, dass im Nachhinein weniger Kapazität zur Verfügung steht. "Wir können das nicht im Vorfeld prüfen, wir arbeiten aber mit Nachdruck an einer Lösung mit der Telekom." Diese sei Netzbetreiber, Arcor nur Mieter. T-Com-Pressesprecher George McKinney weist diese Darstellung zurück. Es gebe klare Vereinbarungen zwischen der T-Com und dem größten Wettbewerber Arcor (1,3-Millionen DSL-, 1,5 Millionen Telefon-Kunden). Es sei deren Versäumnis, wenn Arcor Bandbreiten verspreche, die das Unternehmen nicht realisieren könne. "Das kann man vorher überprüfen", behauptet McKinney. Bei Schwierigkeiten sei es an Arcor, T-Com um Stellungnahme zu bitten. Eine absichtliche Blockade durch sein Unternehmen schließt McKinney aus: "Es gibt kaum ein Unternehmen, das so genau kontrolliert wird wie T-Com." Nach Aussage von Betroffenen scheint Arcor trotz der eingeräumten Unwägbarkeiten massiv für den Umstieg auf Arcor-Verträge zu werben. Diese Erfahrungen haben Bewohner verschiedener Orte gemacht. Im Frühjahr habe ein Vertreter von Arcor in Hespe bei Haustürgeschäften kombinierte DSL- und Telefon-Verträge abgeschlossen, berichtet Bürgermeister Werner Vehling. Warum auf diese Weise Neukunden geworben werden, wenn die Probleme bekannt sind, sagte Rompczyk nicht.

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