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Suche nach verschwundenen Beweisen geht weiter

Behördenskandal Lügde - Polizeichef will wegen Fehlern durchgreifen

DETMOLD/LÜGDE. Der Skandal um verschwundene Beweismittel für einen massenhaften Kindesmissbrauch auf einem Campingplatz im nordrhein-westfälischen Lügde könnte weitere Konsequenzen haben. „Sollten weitere organisatorische oder personelle Maßnahmen nötig sein, werde ich nicht zögern, diese ebenfalls zu ergreifen“, erklärte der zuständige Polizeichef und Landrat Axel Lehmann (SPD).
Unterdessen ging die Suche nach den abhandengekommen CDs und DVDs weiter.

veröffentlicht am 24.02.2019 um 15:42 Uhr
aktualisiert am 26.07.2019 um 13:53 Uhr

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„Wir sind dran“, bekräftigte Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) im WDR. Das Argument des Personalmangels will er als Erklärung für die Pannen aber nicht gelten lassen: „Auch wenn wenige da sind, müssen die ordentlich arbeiten.“ Unbestritten sei, dass es gravierende Fehler gegeben habe, sagte Landrat Lehmann, der auch die Kreispolizeibehörde Lippe leitet. Welche Fehler das im Einzelnen gewesen seien, werde in Zusammenarbeit mit dem Landeskriminalamt aufgeklärt. „Bis dahin verbieten sich Schnellschüsse“, sagte er.

Auf dem Campingplatz in Lügde an der Grenze von Nordrhein-Westfalen zu Niedersachsen sollen über Jahre mindestens 31 Kinder im Alter zwischen 4 und 13 Jahren missbraucht und dabei gefilmt worden sein. Drei Verdächtige sitzen in Untersuchungshaft. Der Fall hat sich mittlerweile auch zu einem Polizeiskandal ausgeweitet, weil im Gebäude der Kreispolizei in Detmold Beweismittel verschwanden. Nach Auskunft der Staatsanwaltschaft handelt es sich um 155 CDs und DVDs, die auf dem Campingplatz und in der Wohnung des Hauptverdächtigen gefunden worden waren.

Die Datenträger in einer Mappe und in einem Aluminiumkoffer sollten in einen extra eingerichteten Asservatenraum umgelagert werden. Dabei fiel auf, dass das Material fehlte. Mittlerweile suchen LKA-Spezialisten nach den Beweisstücken. „Rein theoretisch“ könne der Koffer „irgendwo noch rumstehen“, erklärte Reul am Samstagabend. „Es war auch zwischendurch mal ein Umzug da oben, dann waren noch mal Handwerker da.“

Die AfD hatte zuvor mit einem Untersuchungsausschuss gedroht, den sie alleine aber nicht durchsetzen kann. Reul sagte dazu im ZDF: „Wissen Sie, mich interessiert doch nicht, dass da jetzt Gremien rumtagen, jahrelang am besten, sondern wir brauchen jetzt ganz schnell die Aufklärung, so weit wie möglich.“ Es gehe nun unter anderem darum, die Straftäter schnell vor Gericht zu bringen. „Und ich will wissen, was in dieser Polizei falsch gelaufen ist“, sagte er.

Der Sonderermittler, der das Verschwinden der Datenträger untersucht, habe einen ersten Bericht vorgelegt, erklärte Lehmann. Nach erster Einschätzung soll das Verschwinden der Beweismittel der Aufarbeitung des Falls nicht im Weg stehen. Lehmann sagte, er sehe keine Gefahr, dass der Verlust der CDs eine Verurteilung der Täter vereiteln könne. Insgesamt gebe es rund 15 Terabyte Daten. Davon seien maximal 0,7 Terabyte nicht mehr verfügbar. Die Staatsanwaltschaft Detmold geht davon aus, dass die Asservate aufgrund nachlässigen Umgangs nicht auffindbar seien. Ein Diebstahl sei aber nicht auszuschließen.



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