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Nach wiederholter Windhose in Hameln: Forscher kommt

Beeinflussen Weserberge die Bildung von Tornados?

Weserbergland (ube). "Mit großer Wahrscheinlichkeit" hat es Montagabend um 19.53 Uhr in Hameln erneut einen Tornado gegeben. Das sagte gestern der Meteorologe und Geophysiker Thomas Sävert von der Unwetterzentrale des Kachelmann-Dienstes Meteomedia auf Anfrage.

veröffentlicht am 09.05.2007 um 00:00 Uhr

Thomas Sävert

Die Windhose, die zwischen der Schillerstraße und der Springer Landstraße dicke Bäume entwurzelte, mächtige Kronen abdrehte und das Turmdach der Martin-Luther-Kirche anhob, soll von Spezialisten untersucht werden. Heute will Tornado-Forscher Ansgar Berling, stellvertretender Vorsitzender von "Skywarn Deutschland", die Schäden untersuchen und mit Augenzeugen sprechen. Tornados sind nach Angaben von Meteorologe Thomas Sävert "gar nicht so selten" in Deutschland. "Nach den bisher vorliegenden Fällen der Jahre 2003 bis 2006 muss davon ausgegangen werden, dass die bisherigen Zahlen in den Statistiken überholt sind und es deutlich mehr Tornados in der Bundesrepublik gibt als bisher gedacht. Für genaue Zahlen reichen die Daten allerdings noch nicht aus." Fest steht: Im Jahr 2006 wurden zwischen Nordsee und Alpen 110 Tornados nachgewiesen. "Und die Dunkelziffer ist hoch", sagt Sävert. In vielen Meldungen würden diese Tornados oft noch als "Windhosen" oder manchmal fälschlicherweise als "Mini-Tornados" bezeichnet, gemeint sei aber ein und dasselbe Phänomen - es sind alles Tornados. "Althergebrachte Meinungen, dass es bei uns keine oder nur wenige Tornados geben würde, stimmen nicht", stellt der Tornado-Forscher fest. "In vielen Bundesstaaten der USA treten weitaus weniger Tornados auf als in Deutschland, während es vor allem in der Tornado-Alley und in Florida deutlich mehr sind." Zudem könnten Tornados in Deutschland genauso stark sein wie die in Nordamerika. "Eine Zunahme der Tornados in Deutschland ist derzeit nicht nachweisbar. Berichte und Fotos sind nur häufiger geworden, weil die Tornados mehr beobachtet werden und heutzutage sehr viele Menschen ihre Kameras stets zur Hand haben", meint Sävert. Außerdem steige die Zahl der "Stormchaser" (Sturmbeobachter) von "Skywarn". Unbekannt ist, ob sich Tornados an bestimmtenÖrtlichkeiten häufen. "Wir wissen einfach noch zu wenig." Thomas Sävert hält es aber für möglich, dass Berge die Bildung von Tornados beeinflussen. Ob das stimmt, sollen Forschungen zeigen. Der Tornado vom Montag war nicht der erste, der Hameln heimsuchte. Am 23. Juni 2004 war ein Wirbelwind von Wehrbergenüber die Weser nach Hameln gezogen. Am Rande eines Erdbeerfeldes hob der Tornado eine drei mal vier Meter große Holzhütte an - sie flog über die Köpfe der Verkäuferinnen, die darin saßen, hinweg und landete hinter ihnen auf dem Dach. Die Frauen, 18 und 28 Jahre alt, standen anschließend unter Schock. Am 20. Mai 2006 hinterließ ein "kurzlebiger Tornado" - so der Deutsche Wetterdienst - eine Spur der Verwüstung. Er zog vom Hamelner Klüt über den Saint-Maur-Platz, den Thiewall und die Erichstraße bis zur Basbergstraße. Ein Mann (71) aus Bielefeld wurde von einem abgebrochenen Stamm erschlagen.



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